28.10.2020 06:00 |

Preise steigen

Schleppermafia verdient sich eine goldene Nase

Für Aufsehen sorgte das Drama, das sich am Montag, wie berichtet, nahe der österreichischen Grenze abspielte. Ein Schlepper sprengte sich bei einer Polizeikontrolle in Vitynéd (Ungarn) in die Luft. Zwei Migranten wurden erwischt, weitere drei sind noch auf der Flucht. Die Ermittlungen laufen grenzübergreifend auf Hochtouren.

Der Hubschrauber kreiste über der beschaulichen Gemeinde Vitnyéd, die Polizei suchte das Areal großräumig mit Hunden ab. Doch von dem Trio fehlt noch jede Spur. Österreicher und Slowaken sind in Alarmbereitschaft. Es wird angenommen, dass es die Männer über die Grenze geschafft haben. Der Kampf gegen Menschenschmuggel erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Staaten auf dem Balkan.

Um 1500 Euro von Serbien nach Österreich
Was den Mann mittleren Alters, er war EU-Bürger, in den Selbstmord getrieben hat, bleibt rätselhaft. Der Kombi wäre an der Grenze wegen der Corona-Regeln aufgeflogen. Laut Gerald Tatzgern, oberster Schlepperjäger, steigt die Nachfrage nach Fluchtwegen in Lastern, Containern und Klein-Lkw. Die Pandemie verschärft die Situation auf dem Balkan und sorgt dafür, dass Migranten die Flucht antreten. Auch, weil es dort immer weniger Jobs gibt. „1500 Euro kostet derzeit das Ticket von Serbien nach Österreich, früher schaffte man es um diesen Preis von Griechenland weg“, erklärt Experte Tatzgern.

Apropos Griechenland: Jüngst wurden am Flughafen Heraklion auf Kreta 20 Flüchtlinge erwischt. Sie wollten mit dem Ferienflieger in den Westen. Die Schleppermafia verdient sich jedenfalls immer eine goldene Nase.

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Schlepper sind gefährliche Menschen, die auf Kosten der Flüchtlinge Geld verdienen wollen. Für eine Flucht aus Syrien ist mit bis zu 15.000 Euro zu rechnen. Oft wird auch Gewalt ausgeübt.

Brigadier Gerald Tatzgern, Österreichs oberster Schlepperjäger

Österreich zählt zu den Vorreitern bei der Schlepperbekämpfung. „Mit der Einrichtung des Joint Operation Office und der Operativen Plattform zur Bekämpfung der Schleppereien laufen die Fäden in Wien zusammen“, so Innenminister Karl Nehammer.

Martina Münzer und Klaus Loibnegger, Kronen Zeitung

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