27.10.2020 10:45 |

Nach Boykott-Aufruf

Kritik an Emine Erdogans Hermes-Handtasche

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist für seine provozierenden Sprüche bekannt und inszeniert sich gerne als einfacher Mann des Volkes. Erst kürzlich hatte er dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron empfohlen, sich in „psychologische Behandlung“ zu begeben, und seine Landsleute zum Boykott französischer Waren aufgerufen, nachdem Macron die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen mit einem Verweis auf die Meinungs- und Pressefreiheit verteidigt hatte. Nun machen aber Bilder die Runde im Netz, die Erdogans Frau Emine bei mehreren Terminen mit einer 45.000 Euro teuren Luxus-Handtasche des Pariser Familienunternehmens Hermes zeigen.

Der türkische Journalist Ender Imrek muss sich diese Woche bereits vor einem Gericht verantworten, weil er die Krokodilleder-Handtasche der türkischen First Lady in einem Zeitungsartikel thematisiert hatte. Der Staatsanwalt wirft Imrek vor, Emine Erdogan beleidigt zu haben. Trotz der Versuche aus Ankara, den Mantel des Schweigens über dieses für Erdogan so unangenehme Thema zu breiten, wird im Netz heftig über die Luxus-Gewohnheiten der Präsidenten-Gattin diskutiert.

Die „shoppingsüchtige“ Frau des Präsidenten
Als Emine Erdogan ihren Mann vor einigen Jahren auf einen Besuch in Brüssel begleitete, hatten belgische Medien etwa berichtet, dass mehrere Luxusgeschäfte für reguläre Kunden gesperrt worden seien, damit Frau Erdogan ungestört shoppen könne. Die britische Zeitung „Daily Mail“ hatte Emine Erdogan bereits früher als „shoppingsüchtig“ bezeichnet. Die Anschuldigungen vertragen sich schlecht mit dem Image eines Mannes aus bescheidenen Verhältnissen, das Erdogan gerne für sich beansprucht.

Macron: „Wir werden auf Karikaturen nicht verzichten“
Warum war es überhaupt zu dem Boykott-Aufruf für französische Waren gekommen? In der Nähe von Paris hatte ein islamistisch motivierter Angreifer vor zwei Wochen einen Geschichte-Lehrer enthauptet, der im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Er wollte damit eine Debatte über die Meinungs- und Pressefreiheit anregen. Bei der Trauerfeier für Samuel Paty hatte Macron das Vorgehen des Mittelschullehrers verteidigt und gesagt: „Wir werden nicht auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten.“ Den Islam hatte er dabei als eine Religion bezeichnet, die weltweit in einer „Krise“ stecke.

Aufruf zum Boykott statt Solidarität
Daraufhin rückte Erdogan aus, jedoch nicht, um den Mord an dem Lehrer zu verurteilen, sondern um seine Landsleute zum Boykott französischer Waren aufzurufen. „Von hier aus appelliere ich nun an mein Volk. Beachtet französische Marken bloß nicht, kauft sie nicht“, sagte Erdogan am vergangenen Montag. Schon kurz darauf kursierten Bilder im Netz, die belegen, dass Emine Erdogan die besagte Luxus-Handtasche bei mehreren Terminen dabeihatte.

„Erdogan sollte seiner Frau sagen, dass sie ihre 45.000-Euro-Handtasche wegschmeißen soll, bevor er zu einem Boykott französischer Produkte aufruft“, schrieb eine Userin auf Twitter über eines der Fotos.

In mehreren arabischen Ländern hatte es Proteste gegen Macrons Aussagen gegeben. Händler in Jordanien, Kuwait und Katar nahmen französische Produkte aus ihren Regalen.

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