24.10.2020 17:22 |

Streit nach Attentat

Erdogan: Macron soll „Geisteszustand überprüfen“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron wegen dessen Äußerungen zum Islam scharf angegriffen. Macron solle seinen „geistigen Zustand überprüfen“ lassen, wetterte Erdogan am Samstag in einer im Fernsehen ausgestrahlten Rede. Der Elysee-Palast reagierte empört auf die harsche Kritik. Nach dem islamistischen Anschlag auf den französischen Lehrer Samuel Paty hatte Macron ein verschärftes Vorgehen gegen Islamisten angekündigt.

„Was kann man über ein Staatsoberhaupt sagen, das Millionen Mitglieder verschiedener Glaubensrichtungen so behandelt“, sagte der türkische Präsident. Er fügte an Macron gewandt hinzu: „Lass erst einmal deinen geistigen Zustand überprüfen!“

Die türkische Regierung hatte sich verärgert über Macrons Ankündigung gezeigt, die säkularen Werte Frankreichs gegen den radikalen Islam verteidigen zu wollen. Macron hatte zudem unlängst den Islam als eine Religion bezeichnet, die weltweit in einer „Krise“ stecke.

„Die Äußerungen von Präsident Erdogan sind inakzeptabel“, sagte ein Vertreter der französischen Präsidentschaft auf AFP-Anfrage. „Maßlosigkeit und Grobheit sind keine Methode.“ Erdogan müsse seinen politischen Kurs ändern, „weil er in jeder Hinsicht gefährlich ist“. Der französische Botschafter in Ankara sei zu Beratungen mit Macron nach Paris zurückgerufen worden. Als Reaktion auf den tödlichen Anschlag auf Paty hatte der französische Staatschef strengere Kontrollen von Moscheen sowie eine stärkere Überwachung von Schulen angekündigt.

Der 47-jährige Lehrer war am Freitag vor einer Woche nahe seiner Schule bei Paris von einem 18-Jährigen enthauptet worden. Der Angreifer tschetschenischer Herkunft wurde kurz danach von der Polizei erschossen. Paty hatte das Thema Meinungsfreiheit im Unterricht behandelt und dabei umstrittene Mohammed-Karikaturen verwendet. Nach dem Anschlag ging die französische Polizei in Dutzenden Einsätzen gegen Menschen und Vereinigungen vor, die mutmaßlich dem islamistischen Spektrum angehören oder ihm nahestehen.

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