20.10.2020 11:20 |

Wirbel um Projekt

Ski-Rennen in Lech-Zürs: Kritik von Naturschützern

Für die Weltcup-Piste wurde der bestehende „Übungshang“ nördlich der Trittkopfbahn in den vergangenen Monaten angepasst. Dafür wurden auf rund 16.700 Quadratmetern der Magerwiese Geländeveränderungen vorgenommen, wobei rund 10.000 Quadratmeter für Pistenmaßnahmen, 4.500 Quadratmeter für das auf 1.920 Metern liegende, rund 35.000 Kubikmeter große Snowfarming-Depot und etwa 1.500 Quadratmeter für die Änderung der Schneeanlage in Anspruch genommen wurden. 580 Quadratmeter Wald wurden gerodet. Zudem wurde die technische Infrastruktur erweitert, also Leitungen für Beschneiung, Wasser, Strom und Fernsehen verlegt, und 20 Flutlichtmasten, davon zwölf fixe mit einer Höhe von 22 Metern, aufgestellt. Die Größe der beschneiten Fläche änderte sich nicht.

Außerhalb der Weltcup-Rennen soll die Piste laut Angaben der Betreiber und des Landes Vorarlberg als Trainingsstätte für den Skinachwuchs und als Ausbildungsplatz für Skilehrer und -trainer genutzt werden. Das Land förderte das Vorhaben mit rund 1,3 Mio. Euro. Der Ausbau ermögliche es, die Gemeinde langfristig als Ausrichter im Ski-Weltcup zu etablieren - ein wichtiger wirtschaftlicher Impuls für die Region, gerade in Corona-Zeiten, begründete die Landesregierung Anfang Oktober.

Die Bewilligung für das Gesamtprojekt erfolgte seitens der Bezirkshauptmannschaft Bludenz am 28. August 2020. Im Bescheid sind eine Reihe an Auflagen zu lesen, von der Vergrämung der Murmeltiere und dem Abbau der Flutlichtanlage im Frühjahr über Rekultivierungen bis hin zu Beschneiungsvorgaben. Für die „dauerhafte Entnahme“ von geschützten Pflanzenarten wurde den Betreibern eine naturschutzrechtliche Ausnahmebewilligung erteilt. Während die Amtssachverständige für Naturschutz sowie Naturschutzanwältin Katharina Lins das Projekt negativ beurteilten, überwogen laut Bescheid die wirtschaftlich-touristischen Argumente der Ski-Zürs AG, der Gemeinde Lech, der Lech Zürs Tourismus GmbH und des Vorarlberger Skiverbands. Die öffentlichen Interessen seien stärker zu gewichten als die Eingriffe in die Interessen von Natur und Landschaft, hielt die BH im Bescheid fest.

Fehlende Baubewilligungen?
Naturschutzanwältin Lins kritisiert nun, dass die Umsetzung des Projekts nicht bescheidgemäß erfolgte. So sei das Schneedepot bereits im Winter 2020 angelegt worden. Die Bauarbeiten hätten schon Ende August begonnen, als noch keine Bewilligung vorlag. Eine Zufahrt zur Liftstation sei ohne Bewilligung errichtet und nachträglich als „Viehtriebweg“ beantragt worden. Zudem liefen offenbar bereits die Beschneiungen, obwohl diese laut Bescheid erst ab 1. November erlaubt seien. Man verstehe die Bedeutung der Weltcup-Rennen für Sport und Wirtschaft. „Uns fehlt aber jedes Verständnis dafür, dass die Organisatoren so einer Veranstaltung offenbar meinen, über dem Gesetz zu stehen“, sagte Lins.

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Uns fehlt aber jedes Verständnis dafür, dass die Organisatoren so einer Veranstaltung offenbar meinen, über dem Gesetz zu stehen.

Katharina Lins (Naturschutzanwältin)

Auch Grüne schimpfen
Ihrer Kritik schloss sich Grünen-Tourismussprecherin Nadine Kasper an. Zu den schweren Eingriffen in die Landschaft und den Ausgaben von 1,3 Mio. Euro Steuergeldern zu Corona-Zeiten geselle sich nun noch der Vorwurf fehlender Bewilligungen für die Bauarbeiten. Der Wintersport müsse sich wie jeder Häuslebauer auch an die Gesetze halten. Sie ortete „eine gewisse Kontinuität im Nichteinhalten der Verfahren“ in der Wintertourismus-Branche und kündigte Anfragen an die zuständigen Landesräte Martina Rüscher (Sport, ÖVP) und Johannes Rauch (Umwelt, Grüne) an.

Ortlieb: „Optisch wild ausgeschaut“
Der Präsident des Weltcup-Organisationskomitees, Patrick Ortlieb, versuchte zu kalmieren. „Wir haben coronabedingt sehr späte Bauverhandlungen gehabt, mussten spät beginnen und haben deshalb natürlich mit sehr vielen Baggern gleichzeitig gearbeitet. Das hat optisch dann wild ausgeschaut“, erklärte der Abfahrts-Olympiasieger von 1992 in Sölden. „Es ist alles wieder begrünt. Da ist sehr viel hineininterpretiert worden. Es ist halt eine sehr prominente Stelle gleich neben der Straße“, sagte Ortlieb. „Wir haben nicht einen Kubikmeter Erde hin- oder weg geführt, sondern nur anders verteilt. Die Schneekanonen wurden lediglich erneuert.“

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