29.09.2020 17:16 |

Gefährliche Eskalation

Armenien meldet türkischen Angriff auf Jet

Im blutigen Konflikt um die Unruheregion Berg-Karabach ist nach armenischen Angaben ein Kampfjet des Typs Suchoi-25 abgeschossen worden. Der Pilot sei dabei getötet worden, teilte die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan am Dienstag mit. Sie behauptete, dass ein türkisches F-16-Kampfflugzeug am Dienstagvormittag die Maschine abgeschossen habe. Bereits seit Tagen kursieren unbestätigte Medienberichte, in denen von syrischen Söldnern im Dienste der Türkei die Rede ist.

Sowohl Aserbaidschan als auch die Türkei dementieren den Abschuss. Die aserbaidschanische Regierung gab bisher an, keine militärische Unterstützung aus dem Nachbarland Türkei zu bekommen und selbst kein F-16-Kampfflugzeug zu besitzen. Die Vorwürfe wurden daher als „Lüge“ bezeichnet. Aus dem Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hieß es, es handle sich um „billige Propagandatricks“.

Die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan dauern seit Sonntag an. Auf beiden Seiten gibt es zahlreiche Tote und Verletzte. Beide Länder sprechen bereits von Hunderten Toten auf der gegnerischen Seite. Diese Behauptungen wurden immer wieder dementiert.

Eingefrorener Konflikt wieder brandheiß
In dem Konflikt geht es um die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach, die völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan gehört. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche und militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als verbündeten Bruderstaat.

Moskau forderte die Türkei auf, ihren Verbündeten Aserbaidschan zu Verhandlungen zu bewegen. Bisherige Unterstützungserklärungen von türkischer Seite für Aserbaidschan hätten nur Öl ins Feuer gegossen. Ankara müsse alles tun, um die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand zu bringen und eine friedliche Lösung zu finden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Am Dienstagabend beschäftigt sich der UNO-Sicherheitsrat mit dem Berg-Karabach-Konflikt, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete. Das Treffen findet demnach hinter verschlossenen Türen statt. Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg betonte in einem Telefonat mit seinem armenischen Amtskollegen den „dringenden Bedarf“ für eine Deeskalation.

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