22.09.2020 19:09 |

Im Zeichen von Corona

ICE Hockey League startet mit vielen Fragezeichen

Unter schwierigsten Voraussetzungen und mit vielen Fragezeichen wagt die grenzüberschreitende österreichische Eishockey-Liga am Freitag den Neustart! Bet-at-home ICE Hockey League statt EBEL heißt es nun, doch statt Neuausrichtung mit neuem Sponsor und neuem TV-Partner gilt das Hauptaugenmerk den Problemen wegen der Coronavirus-Pandemie. Wirtschaftliche Sorgen, Zuschauer-Limitierung auf 1500 und die Angst vor einem weiteren Saisonabbruch überwiegen die sportlichen Ziele.

Die Liga steht vor ihrer schwierigsten Situation seit 20 Jahren, als zur Jahrtausendwende beim großen Crash plötzlich nur noch die beiden Kärntner Klubs KAC und VSV übrig waren. ICE-Präsident Jochen Pildner-Steinburg, auch Präsident der Graz99ers, schätzt den Einnahmenausfall der Klubs auf 15 bis 30 Prozent ein. „Es ist eine sehr herausfordernde Zeit“, sagte der Steirer. Aber „wir wollen auch, dass wir ein Signal setzen, dass man in den schwierigen Zeiten Sport betreiben kann“, so Pildner-Steinburg.

Geschäftsführer Christian Feichtinger will die Situation nicht beschönigen. „Werden wir komplett verschont bleiben? Wahrscheinlich nicht. Wir schauen Schritt für Schritt, dass wir so viel Eishockey wie möglich vor so vielen Zuschauern wie möglich haben“, betonte er. Eishockey hatte Mitte März als erste Liga die Saison abgebrochen, mit einem „Return to Play“-Konzept will die ICE nun wieder durchstarten. „Das Konzept beruht auf drei Säulen: Erstens das grundsätzliche Präventionskonzept, zweitens - und am wichtigsten - die Gesundheit der Sportler sicherstellen und drittens das Fan-Konzept“, erklärte Feichtinger.

Es gibt nur nummerierte Sitzplätze, Essen und Getränke dürfen nur auf den Sitzplätzen konsumiert werden. Neben lokal unterschiedlicher Vorgaben gibt es auch die grenzüberschreitende Problematik, sind doch mit Bozen, Fehervar und Neueinsteiger Bratislava Capitals Mannschaften aus vier Ländern im Einsatz. Im Falle des Falles ist daher auch ein Szenario, die Meisterschaft geografisch zu reduzieren und als rein österreichische Liga fertig zu spielen, vorstellbar. Sollten öfter Spiele abgesagt werden müssen, hat die auf 75 Spieltage angelegte ICE mögliche zeitliche Puffer identifiziert.

Der Grunddurchgang mit 44 Runden soll jedenfalls gespielt werden, die Zwischenrunde (10 Spiele) könnte im Bedarfsfall aber gecancelt und das Play-off reduziert werden. „Anfang Dezember werden wir sehen, wie weit fortgeschritten wir sind“, sagte Feichtinger. Christian Dolezal, Co-Trainer der Vienna Capitals, brachte es auf den Punkt: „Es wird ein ‚zacher‘ Ritt bis zum Ende“. Sportlich werden HCB Südtirol, Red Bull Salzburg und der KAC favorisiert, auch die Vienna Capitals werden hoch eingeschätzt. „Wichtig wird, wie mental stark die Mannschaft ist. Du hast vielleicht in ein paar Partien nicht alle Spieler zur Verfügung“, meinte KAC-Manager Oliver Pilloni.

Finanziell hat Corona bei einigen Klubs dazu geführt, dass die Anzahl der Legionäre reduziert und vermehrt auf den eigenen Nachwuchs gesetzt wurde. So hat Titelverteidiger KAC nur noch fünf Transferkarten-Spieler im Kader, die Vienna Capitals haben auf sechs reduziert. Neue Stars wurden kaum verpflichtet, einige Vereine nutzen aber den frühen Saisonbeginn in Österreich aus. Da die Ligen in Nordamerika und auch die DEL frühestens im November oder Dezember beginnen, sind rund zwei Monate lang hochkarätige Talente zu sehen.

In Salzburg sammeln die Deutschen John Peterka (18), möglicher NHL-Erstrundendraft, und Justin Schütz (20) vom Schwesternklub Red Bull München Spielpraxis. Der VSV holte den deutschen Teamstürmer Maxi Kammerer (23) von Düsseldorf. Von den Edmonton Oilers sind gleich vier Spieler im Einsatz: Graham McPhee (22) für die Vienna Capitals sowie Marody Der (21), Devin Brosseau (25) und Yanni Kaldis (24) für die Dornbirn Bulldogs.

krone Sport
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