18.09.2020 12:10 |

Spielesammlung im Test

„Mario 3D All-Stars“: Bubentraum mit Ablaufdatum

Drei große „Super Mario“-Abenteuer im Paket gibt es anlässlich Marios 35. Geburtstags mit „Super Mario 3D All-Stars“ ab sofort für die Nintendo Switch. Der Game gewordene Bubentraum umfasst „Super Mario 64“ vom N64, „Super Mario Sunshine“ vom Gamecube und das gefeierte „Super Mario Galaxy“ für die Wii. Das Verkaufsfenster hat allerdings ein Ablaufdatum: Nintendo will die Sammlung - physisch wie online - nur bis Ende März verkaufen, dann ist Schluss.

Zum Warum gibt es diverse Spekulationen: Manche Beobachter vermuten, Nintendo will mit der künstlichen Verknappung die Bilanz für das laufende Geschäftsjahr aufbessern, andere mutmaßen, die Japaner könnten nächstes Jahr N64-Spiele im Paket für ihren kostenpflichtigen Online-Dienst anbieten und zumindest „Super Mario 64“ dann für jedermann freischalten.

Für die Kundschaft ist die Aktion so oder so ärgerlich: Wer sich ein Exemplar „Super Mario 3D All-Stars“ sichern will, muss dies bis Ende März tun - oder später auf gebrauchte Exemplare hoffen.

Drei Wegbereiter der 3D-Jump’n‘Runs
Nintendos Vorgehensweise ist doppelt bitter, weil man mit „Super Mario 3D All Stars“ eine Spielesammlung vorlegt, auf die viele Nintendo-Fans schon lange gewartet haben. Immerhin enthält das Paket mit „Super Mario 64“ aus dem Jahr 1997 nicht nur den Wegbereiter der 3D-Spiele schlechthin, sondern deckt gleich drei Konsolengenerationen ab und legt auch den Gamecube-Ableger „Sunshine“ und das Wii-Meisterwerk „Galaxy“ ins Paket. Nur „Super Mario Galaxy 2“ fehlt zur völligen Glückseligkeit.

In „Super Mario Sunshine“ verschlug es Mario 2002 auf eine tropische Insel, die von einem fiesen Schmierfink heimgesucht wird. Nintendos heldenhafter Installateur schnallte daraufhin die Spritzpistole um und musste die komplette Insel säubern. In „Super Mario Galaxy“ von 2007 schickte Nintendo Mario auf eine galaktische Reise von Planet zu Planet - inklusive bisweilen gewöhnungsbedürftiger Perspektive auf den Kugelwelten.

Bei der Umsetzung wäre mehr drin gewesen
Wir haben Nintendos Mario-Sammlung bereits getestet und waren angetan vom Umfang - sogar eine Soundtrack-Jukebox gibt es. Bei der Umsetzung wäre aber noch mehr drin gewesen: Zwar hat Nintendo seinen Klassikern eine höhere Auflösung und höhere Bildraten spendiert, ansonsten hat sich aber nicht viel getan, was man vor allem dem Oldie „Super Mario 64“ aus dem Jahr 1997 auch ansieht.

Hier wurde nicht einmal das veraltete 4:3-Bildformat um das heutzutage gängige 16:9 ergänzt, was vor allem beim Spielen im Mobilmodus der Nintendo Switch ärgerlich ist. Immerhin bleibt durch das alte Bildformat ein großer Teil des Displays schlicht schwarz, wenn man „Super Mario 64“ spielt.

Die anderen beiden Teile sind optisch nicht so stark gealtert: „Super Mario Sunshine“ ist zwar für heutige Verhältnisse nicht sonderlich detailreich und nicht so scharf wie moderne Switch-Titel, die Gamecube-Optik in erhöhter Auflösung ist aber auch heute noch gefällig. Und bei „Super Mario Galaxy“, in dem sich Mario auf der Wii von Planet zu Planet gekämpft hat, gefällt die Grafik immer noch. Klar kann es der neu aufgelegte Klassiker nicht mit „Super Mario Odyssey“ für die Switch aufnehmen, die stimmige Comic-Optik ist aber immer noch ansehnlich.

Nach wie vor enorm viel Spielspaß geboten
Spielerisch hat sich an keinem der drei „Super Mario“-Klassiker etwas geändert, nur die Steuerung wurde dort und da etwas angepasst. Dass man hier ruhig noch etwas weiter hätte gehen können, führt wieder der Oldie „Mario 64“ vor Augen.

Der kämpfte schon seinerzeit am N64 mit einer etwas störrischen Kameraführung und wurde diesbezüglich auch in „Super Mario 3D All-Stars“ nicht verbessert. Und auch der eine oder andere Bildfehler - transparente Wände, aufpoppende Artefakte - und eine nicht immer hochpräzise Steuerung sind uns im Test im ältesten der drei „Mario“-Games aufgefallen.

Ungewohnte Steuerung bei „Super Mario Galaxy“
Ebenfalls nicht ganz optimal: Bei „Super Mario Galaxy“, das seinerzeit die Bewegungssteuerung der Wii nutzte, muss man im Menü und bei manchen Aktionen den Touchscreen nutzen - etwa, um im Spiel Objekte mit Sternen zu beschießen. Im Handheld-Modus heißt das, dass öfters „umgegriffen“ werden muss - da war die Steuerung des Originals komfortabler.

Aber auch, wenn zum richtigen Remaster der Feinschliff fehlt: An der Qualität der einzelnen Spiele ändert sich nichts. „Super Mario 64“ als das erste 3D-Jump’n’Run überhaupt heute noch einmal erleben zu können, wird nicht nur Nostalgikern gefallen, sondern auch für Vertreter der jüngeren Generation eine interessante Videospiele-Zeitreise werden. „Super Mario Sunshine“ und ganz besonders „Super Mario Galaxy“ gehören mit ihren bunten Spielwelten und dem abwechslungsreichen Gameplay auch heute noch zu den besten 3D-Jump’n’Runs überhaupt.

Fazit: Nintendo hätte sich bei der Switch-Version seiner Mario-3D-Klassiker angesichts eines Preises von immerhin 60 Euro mehr antun können. Besonders „Super Mario 64“ hätte ein echtes Remaster mit 16:9-Tuning vertragen, „Sunshine“ und „Galaxy“ haben im Vergleich dazu weniger an Strahlkraft verloren. In puncto Spielspaß sind alle drei Spiele auch heute noch großartig, was „Super Mario 3D All-Stars“ nicht nur für Nostalgiker interessant macht, die sie wieder erleben wollen, sondern auch für all jene Switch-Gamer, die sie noch nicht gespielt haben.

Plattform: Nintendo Switch
Publisher: Nintendo

krone.at-Wertung: 8/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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