26.08.2020 12:00 |

Katias Kolumne

Regierungskritik macht nicht zu „Corona-Leugner“

Klar, rund um Corona gibt es schon krude Verschwörungstheorien. Wer aber jeden, der sich kritische Gedanken macht, als Covid-Idioten abstempelt, macht es sich zu leicht. Auch eine Krise darf nicht bedeuten, dass nichts mehr hinterfragt werden darf.

Gleich vorweg: Natürlich gibt es Fakten, die unbestritten sind. Dass Corona ein lebensgefährliches und sich rasant verbreitendes Virus ist, sollte mittlerweile jedem klar sein. Wer das auch angesichts der weltweiten Bilder von Dahingerafften bis jetzt nicht verstanden hat, dem ist sowieso nicht zu helfen. So viel Realitätssinn kann jedenfalls vorausgesetzt werden.

„Corona-Leugner“ wird viel zu inflationär gebraucht
Dennoch stößt es sauer auf, dass mit dem Wort „Corona-Leugner“ recht inflationär umgegangen wird. Man gewinnt den Eindruck, dass selbst bei leisester Kritik an den gesetzten Maßnahmen der türkis-grünen Regierung der Vorwurf der Nähe zu Verschwörungstheoretikern nicht weit ist. So praktisch es auch ist, eine jede Diskussion durch ein solches Totschlagargument verstummen zu lassen - falsch ist es dennoch. Denn nicht jeder Kritiker ist auch ein Leugner.

Kritik an der Bundesregierung muss möglich sein
Ein solches Beispiel ist die Frage, ob die Kommunikation der Bundesregierung nach wie vor angemessen ist. Sätze wie „Das Virus kommt mit dem Auto“ sind zwar einprägsam und plakativ, aber sie spielen auch mit der Angst der Menschen. Angst mag zwar dazu motivieren, sich einmal mehr die Maßnahmen in Erinnerung zu rufen - ob Politiker mit diesem Urgefühl ung’schaut spielen dürfen, ist dennoch hinterfragenswert. Und das, ohne in die Schublade eines Covid-Idioten gesteckt zu werden.

Auch „Impfgegner“ ist eine beliebte Schublade
Ein anderes Thema, das sich für Pauschalurteile hervorragend eignet, ist das einer möglichen Corona-Impfung. Auch wenn eine Impfung von einem Großteil der Menschen völlig zu Recht herbeigesehnt wird - die Sorgen vieler, ob ein solch schnell entwickeltes Produkt dann auch wirklich sicher sein kann, ist durchaus berechtigt. Es ist auch kein Frevel, seine Bedenken offen auszusprechen. Zweifel machen noch keinen zu einem dumpfen „Impfgegner“.

Zwietracht ist jetzt pures Gift
Das Gefährliche an einem solch pauschalen Über-den-Kamm-Scheren ist nämlich, dass unsere Gesellschaft immer mehr entzweit. Die Befürworter gegen die Gegner, die Corona-Streber gegen die Leugner, die Kritiker gegen die Anhänger - und mitten durch ein tiefer Spalt des gegenseitigen Unverständnisses. Gerade in einer Zeit, in der wir solidarisch aufeinander aufpassen sollen, ist diese Zwietracht aber pures Gift. Das Virus kann nur durch ein Miteinander bekämpft werden - egal ob Kritiker oder nicht.

Katia Wagner, krone.at

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