21.08.2020 14:25 |

„Entlastende“ Passagen

Strache veröffentlicht Abschriften aus Ibiza-Video

Der ehemalige FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat am Freitag Abschriften aus dem Ibiza-Video veröffentlicht, kurz bevor eine gemeinsame Recherche von „profil“, „Standard“ und „ZiB 2“ bekannt wurde. Das Protokoll bringt neue Details zutage: Es wird über „Überpreise“ bei staatlichen Aufträgen gesprochen, Strache fragt in Richtung der vermeintlichen Oligarchen-Nichte: „Was will sie?" Sein Anwalt betonte in einer dazugehörigen Aussendung zudem, dass die Medien „bewusst ein falsches Bild des Abends auf Ibiza“ gezeichnet hätten.

Strache bleibt in der Veröffentlichung, die kurz vor jener der drei Redaktionen kam und wohl eine Flucht nach vorne ist, nachdem laut „profil“ Freitagfrüh die Anwälte von Strache und Johann Gudenus mit dem Protokoll der Ibiza-Gespräche konfrontiert worden seien, bei seiner Verteidigungslinie: Man habe ihn immer wieder dazu verleiten wollen, rechtswidrige Angebote des Lockvogels zu befürworten. Diese habe er aber „entschieden und konsequent“ abgelehnt.

Das Geschäft mit dem „weißen Gold“
In der neuen Abschrift, die Straches Anwalt veröffentlichte, hießt es etwa: „Eine Privatisierung des Wassers ist undenkbar.“ Kurz darauf denkt Strache aber laut darüber nach, wie man mit dem „weißen Gold“ doch Geld verdienen könnte, zumindest um die Staatskassen aufzufüllen. Dabei schwebte ihm offenbar eine „staatliche Struktur, wo du Wasser verkaufst“, vor. 

Laut „profil“, „Standard“ und „ZiB 2“ handle Strache aber nicht so, wie er spricht, wie aus den 186 Transkriptseiten hervorgehe. Davon seien zwar 145 komplett geschwärzt, 20 teilweise und 21 nicht, sie „reichen aber aus, um Straches Korruptionsfantasien zu erkennen“, wie der „Standard“ schreibt. In den gesamten sieben Stunden an dem Abend auf Ibiza sei es immer wieder um korrupte Deals gegangen. Strache und Gudenus seien die ganze Zeit über sitzen geblieben, während die vermeintliche Oligarchen-Nichte und ihr Begleiter immer wieder auf Staatsaufträge zu sprechen kamen.

Zudem hätten die beiden ehemaligen FPÖ-Politiker auch „eigene Ideen für schmutzige Geschäfte“ geäußert sowie etwa Kickback-Zahlungen bei Glücksspielgeschäften nicht ausgeschlossen.

„Wenn ein Unternehmer einen Profit hat, soll‘s mir recht sein“
Das Transkript, das Straches Anwalt per Aussendung veröffentlichte, soll natürlich eine andere Seite zeigen. Strache betonte darin: „Es gibt bei mir nur ganz korrekte Ebenen, alles, was in meinem Leben heut angegriffen wird, ist korrekt. Ja? Und ich, es gibt bei mir keine Selbstbereicherung oder sonstige Scheißgeschichten, das gibt es nicht. Ja? Sondern es gibt Interesse, was wollen wir politisch, wohin wollen wir politisch, was hat die Bevölkerung, was hat der Steuerzahler davon? Und wenn dann ein Unternehmer einen Profit hat, soll‘s mir recht sein, wenn‘s ins Konzept passt.“

Straches Anwalt spricht außerdem erneut davon, dass man versucht habe, seinem Mandanten „illegale Substanzen“ zu verabreichen, um ihn auf diesem Weg zu korrupten Handlungen zu verleiten. Die Passagen zu veröffentlichen war deshalb möglich, weil Strache als Beschuldigter Einsicht in das Beweismaterial der WKStA nehmen darf.

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