Nach Netflix‘ Ausstieg aus dem Milliarden-Poker um Warner Bros. Discovery war der Weg frei für Paramount. Dessen Chef David Ellison gilt als enger Trump-Vertrauter. Nach dem Umbau bei CBS News rückt nun auch CNN ins Visier. Die Sorge vor einem politischen Kurswechsel wächst.
Netflix zog sich aus dem Milliardenpoker um Warner Bros. Discovery zurück – und lässt ein Szenario näherrücken, das viele Medienbeobachter nervös macht. Geht der Deal durch – eine Hürde wurde am Freitag genommen: Warner Bros. Discovery stimmte der milliardenschweren Übernahme durch Paramount Skydance zu –, wechselt auch CNN den Besitzer. Und viele fragen sich: Wird dem Sender nun dasselbe Schicksal blühen wie CBS News?
Netflix begründete den Rückzug klar: „Bei dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist das Geschäft jedoch finanziell nicht mehr attraktiv.“ Damit blieb Paramount allein im Rennen. Paramount-Chef David Ellison, enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump, will nun „das Erbe zweier legendärer Unternehmen würdigen“.
Ellison, der 43-jährige Sohn des Oracle-Milliardärs Larry Ellison (81), steht hinter Paramount. Die Familie unterstützt Trump seit Jahren. Der Präsident selbst machte keinen Hehl aus seinem Interesse an einer Übernahme nach seinen Wünschen. So erklärte er bereits Anfang Dezember: „Ich werde an der Entscheidung beteiligt sein.“
Ellison will mit der Übernahme von Warner Bros. Discovery in Hollywood aufsteigen. Zum Konzern gehören das DC-Universum mit Superman und Batman, die „Harry Potter“-Reihe und der Bezahlsender HBO. Paramount gilt im Vergleich als kleinerer Spieler – doch mit diesem Deal ändert sich das schlagartig.
Klares Zeichen vor Kartellprüfung
Brisant: Große Teile des Kaufpreises werden von Larry Ellison persönlich garantiert. Sein Vermögen wird auf mehr als 200 Milliarden Dollar geschätzt. Paramount versprach zudem, Warner Bros. Discovery sieben Milliarden Dollar zu zahlen, sollte die geplante Übernahme bei der noch bevorstehenden Kartellprüfung durchfallen. Ein klares Zeichen an die Aufseher: Wir setzen alles auf diese Fusion.
Ich werde an der Entscheidung beteiligt sein.
US-Präsident Donald Trump am 6. Dezember 2025
Das Beispiel CBS sorgt für Unruhe
Warum die Aufregung so groß ist, zeigt ein Blick auf CBS News. Der Sender gehört bereits zu Paramount. Nach der Übernahme durch die Ellison-Familie wurde die Nachrichtenredaktion neu aufgestellt. Personalentscheidungen sorgten für Diskussionen. Beobachter sprechen von einer deutlichen Verschiebung nach rechts.
Rodney Benson, Medienwissenschafter der New York University warnt: „Sie sollen Trump versprochen haben, redaktionelle Änderungen bei CNN vorzunehmen, um den Sender Trump gegenüber sympathischer zu machen.“ Auch Victor Pickard, Professor für Medienpolitik und politische Ökonomie an der Annenberg School for Communication in Philadelphia, warnt vor einer problematischen Entwicklung: „Wir sehen zunehmend, dass Medienressourcen von Milliardären als politische Spielzeuge genutzt werden.“
CNN gilt seit Jahren als scharfer Kritiker Trumps. Der Präsident bezeichnete den Sender wiederholt als „Fake News“. Sollte Warner Bros. Discovery tatsächlich an Paramount gehen, würde CNN gemeinsam mit CBS unter einem Dach landen – kontrolliert von einem Trump-Vertrauten.
Milliarden, Macht und Monopole
Noch ist es nicht entschieden. Eine kartellrechtliche Prüfung steht aus. Doch der Machtpoker um 111 Milliarden Dollar ist längst mehr als ein Wirtschaftsthema. Es geht um Einfluss, um Deutungshoheit und um die Frage, ob ein weiterer großer US-Nachrichtensender politisch die Richtung wechselt. Ob CNN am Ende denselben Kurs einschlägt wie CBS, ist offen. Klar ist nur: Die Medienlandschaft der USA steht vor einem historischen Umbruch.
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