20.08.2020 14:13 |

Gegenmodell zur F1

MotoGP-Star: „Die Reifen mischen die WM durch!“

In der höchsten Klasse der Motorrad-WM ist vor dem Großen Preis der Steiermark am Wochenende in Spielberg alles offen. Nach den vier bisherigen Rennen der Saison standen nicht weniger als neun verschiedene Piloten auf dem Podest, die MotoGP präsentiert sich damit als perfektes Gegenmodell zur nur selten gestörten Mercedes-Monokultur in der Formel 1. Ein entscheidender Faktor dabei: die Reifen. "Ich finde, die Reifen mischen diese WM stärker durch als es in der Vergangenheit der Fall war", so Spielberg-Sieger Andrea Dovizioso.

Fabio Quartararo, Maverick Vinales, Andrea Dovizioso, Valentino Rossi, Brad Binder, Franco Morbidelli, Johann Zarco, Joan Mir und Jack Miller - so heißen die neun Männer, die heuer bereits am Podium frische Luft schnuppern durften. Dabei gab es erst vier Rennen. Zum Vergleich: Die Formel-1-Saison 2020 ist bereits sechs Rennen alt, es gab jedoch nur fünf verschiedene Fahrer auf dem Podest.

Gut möglich, dass sich am Sonntag (14 Uhr) der eine oder andere neue Name dazugesellt. Schon allein deshalb, weil Zarco und Morbidelli nach ihrem Horror-Crash (unten im Video) vom vergangenen Sonntag angeschlagen sind. Wenn die beiden nicht ihr volles Leistungspotenzial ausschöpfen können, würden sich für andere Kandidaten Chancen bieten. Im Lager von KTM hofft man freilich darauf, zurückschlagen zu können, nachdem Binder als Vierter so knapp am Heim-Podest vorbeigeschrammt war.

Tatsächlich muss Zarco um seinen Start noch bangen. Der Franzose wurde am Mittwoch am rechten Handgelenk operiert, bei einem komplikationsfreien Verlauf und dem Okay der Ärzte sollte der Ducati-Pilot aber einsatzbereit sein. Morbidelli ist nach seinem spektakulären Abflug mit Prellungen übersät, wird sich einen Start allerdings nicht nehmen lassen. So bleibt der große Abwesende - neben dem wegen Dopings gesperrten Andrea Iannone - weiterhin der mit einem Armbruch schwer bediente Marc Marquez.

Michelin sorgt für Unberechenbarkeit
Die Absenz des Superstars ist bestimmt ein Grund, warum die MotoGP heuer noch abwechslungsreicher zu sein scheint als ohnehin schon. Es gibt aber auch einen anderen, wenn man den Fahrern, Rennstall-Vertretern und Experten Glauben schenken darf. Hersteller Michelin hat für 2020 nämlich neu konstruierte Hinterreifen eingeführt, und diese werden in unterschiedlichen Mischungen angeboten. Den Teams fehlen aber die Erfahrungswerte und belastbare Daten, daher ist beim Durchprobieren der verschiedenen Optionen der Ausgang ungewiss.

„Alle versuchen, sich auf die neuen Reifen einzustellen. Das klappt mal besser, mal weniger gut. Insgesamt ist es sehr schwierig und auch merkwürdig“, meinte Dovizioso, der Noch-Ducati-Pilot hatte am Sonntag das erste Spielberg-Rennen gewonnen. Die starken Performance-Schwankungen habe es in der jüngeren Vergangenheit nicht gegeben. „Ich finde, die Reifen mischen diese WM stärker durch als es in der Vergangenheit der Fall war.“ Nachsatz: Die Unberechenbarkeit der Resultatslisten werde auch „bis zum Ende der Saison anhalten“, so der Italiener.

Auch sein Markenkollege Miller schloss sich der Diagnose an. Das zweite Wochenende in der Steiermark „könnte ähnlich ablaufen wie der Umschwung von Brünn zu hier“, meinte der Australier. Von Tschechien nach Österreich sahen die im Zuge der Coronavirus-Maßnahmen vor Ort nicht zugelassenen Fans ein komplett neues Podium.

„Karten werde neu gemischt“
„Die Karten werden Wochenende für Wochenende neu gemischt“, erklärte Altmeister Rossi. „Jeder versucht das Maximum. Jeder will überholen. Jeder versucht alles, um Positionen gutzumachen. Jeder fährt sehr aggressiv“, führte der 41-Jährige Italiener aus, der am Sonntag enormes Glück gehabt hatte, nicht selbst zum Opfer dieser gesteigerten Risikobereitschaft zu werden. Nur wenige Zentimeter flog Morbidellis Motorrad an ihm vorbei. Wenn man von einem Gegenmodell zur Formel 1 spricht, gibt es eben auch eine Kehrseite der Medaille.

krone Sport
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