17.08.2020 12:48 |

App-Store-Provisionen

Zweierlei Maß bei Epic: Handy böse, Konsole nicht?

Am Freitag ist der Streit zwischen „Fortnite“-Schöpfer Epic Games und den IT-Konzernen Apple und Google eskaliert: „Fortnite“ wurde aus App Store und Play Store geworfen, weil ein inoffizielles Zahlungssystem eingebaut wurde. Epic gab sich nach dem Rauswurf angriffslustig und warf Apple und Google vor, ihr App-Store-Monopol für „wettbewerbsschädliche und monopolistische Praktiken“ zu missbrauchen. Dabei verschwieg Epic, dass es auf den Konsolen von Microsoft, Nintendo und Sony genauso läuft.

Wie das IT-Portal „Ars Technica“ analysiert, behalten die Konsolenhersteller Microsoft, Nintendo und Sony bei Software-Verkäufen über ihre Online-Shops ähnlich hohe 30-Prozent-Provisionen ein wie Apple und Google bei Software-Verkäufen über ihre Mobilbetriebssysteme. Im Grunde funktionieren Nintendo eShop, Microsoft Store und PlayStation Store damit genauso wie die App Stores, die Epic am Smartphone so sehr kritisiert. Gegen die Konsolenhersteller hörte man allerdings kein schlechtes Wort von Epic.

Video: Epic nimmt Apples alten „1984“-Spot aufs Korn.

App Stores und Spielemärkte funktionieren ähnlich
Misst Epic Games also mit zweierlei Maß? Betrachtet man die Funktionsweise von Smartphone-App-Stores und Konsolen-Spielemärkten, drängt sich diese Vermutung geradezu auf. Am Smartphone bestimmen Apple und Google, welche Software über ihre Plattformen vertrieben wird - und behalten einen 30-Prozent-Anteil ein, wenn eine App oder ein virtuelles Extra in einer App verkauft wird. In der Konsolenwelt kontrollieren Microsoft, Nintendo und Sony, welche Software über ihre Spielemärkte verkauft wird - und behalten ebenso eine Provision ein, wenn etwas verkauft wird.

Konsequenterweise müsste Epic, wenn das Unternehmen den Smartphone-Riesen Apple und Google Monopolismus vorwirft und deren Provisionen „exorbitant“ nennt, auch gegen Konsolenhersteller schießen. Das tut Epic aber nicht: Dass auf Konsolen Provisionen für den Plattformbetreiber fällig werden, hat die Firma nicht thematisiert. Branchenbeobachter rätseln nun, wieso das so ist.

Die meisten „Fortnite“-Fans spielen auf Konsolen
Mögliche Erklärung: Spielkonsolen sind für Epics „Fortnite“ ein ungleich wichtigerer Markt als Smartphones, ein Rauswurf aus den Konsolen-Stores würde also deutlich mehr Schaden anrichten als nun am iPhone und auf Android-Geräten, auf denen man „Fortnite“ zudem ja direkt vom Hersteller als Installationsdatei herunterladen kann. Eine Theorie, die von Zahlen gestützt wird: Während Mitte 2019 nur rund ein Achtel der „Fortnite“-Spieler auf ihren Smartphones in das Battle-Royale-Spiel abtauchten, entfielen 71 Prozent der Spieler auf Konsolen, 17 Prozent auf den PC.

Weiterer möglicher Grund, wieso Epic Konsolenhersteller nicht in den Krieg mit Apple und Google hineinzieht, sind die engen Geschäftsbeziehungen zu den Konsolenherstellern. Epic kommt bei der Spieleentwicklung mit seiner Unreal Engine, die als technische Basis für eine Vielzahl von PC- und Konsolenspielen dient, eine zentrale Rolle zu. Sony pumpte erst kürzlich eine Viertelmilliarde US-Dollar in Epic und nutzte Epics Unreal Engine 5 als Technikdemo für seine kommende PS5.

Provisionen für Epic-Boss auf Konsole verständlicher
Denkbar wäre auch, dass Epic die Provision für Konsolenhersteller schlicht angemessener findet als jene der Mobilbetriebssystem-Betreiber. Während man letzteren unlauteren Wettbewerb vorwirft, zeigte sich Epic-Chef Tim Sweeney in einem Interview mit „GamesIndustry.biz“ 2018 in puncto Konsolen-Provisionen verständnisvoll. Die Provision sei nachvollziehbar, „weil es da enorme Investitionen in Hardware gibt, die oft zum Verlustpreis verkauft wird, außerdem gibt es dort Werbekampagnen und eine breite Partnerschaft mit den Verlegern. Aber auf offenen Plattformen sind 30 Prozent Provision unverhältnismäßig, wenn man die Kosten - Zahlungsabwicklung, Download-Bandbreite, Kundendienst - betrachtet.“

Gut möglich, dass Epic auch schlicht einen günstigen Zeitpunkt nutzte, den Krieg mit Apple und Google auszurufen und bei den Konsolen-Marktplätzen erst einmal abwartet. Apples App Store steht nämlich nicht nur seitens Epic unter Beschuss, sondern ist auch anderen Unternehmen wie etwa Spotify oder Amazon ein Dorn im Auge, die eine Überprüfung durch EU-Wettbewerbshüter einleiten ließen.

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