30.07.2020 15:30 |

„Risiko nicht wert“

Snooker-Ass: Sind bei WM Coronavirus-„Laborratten“

Vor der Snooker-WM in Sheffield gibt es mächtig Ärger, weil trotz wieder aufflammender Coronavirus-Infektionen erstmals auch wieder eine reduzierte Zahl von Zuschauern dabei sein darf. Daran stört sich unter anderem eine Snooker-Ikone. Ronnie O‘Sullivan reicht es eigentlich schon zum Start der Weltmeisterschaft - was er mit harter Wortwahl zeigt ...

Vor dem Turnier, das am Freitag mit Verspätung beginnt, fühlt sich der ebenso geniale wie exzentrische Star an die Behandlung von „Laborratten“ erinnert. Denn die WM, die bis Mitte August dauert, findet als eines der ersten Sportevents seit Beginn der Coronavirus-Krise wieder vor Zuschauern statt. Sie gilt als Pilotprojekt für größere Sportereignisse wie die Formel 1 oder den Fußball-Betrieb in der englischen Premier League. „Irgendwo muss man ja anfangen“, ätzte der fünffache Weltmeister O‘Sullivan, „dann fängt man eben mit den Snooker-Spielern an“.

Rund 300 Zuschauer sollen am Freitag im Crucible-Theater von Sheffield dabei sein, wenn Titelverteidiger Judd Trump zum Auftakt auf seinen englischen Landsmann Tom Ford trifft. Die WM sollte ursprünglich von April bis Mai ausgetragen werden. Dass sie nun als erstes Indoor-Sportereignis in Großbritannien vor Publikum stattfindet, sei „ein fantastischer Triumph“, erklärten die Macher. Doch einige Spieler sehen das anders. Anthony Hamilton, der sich zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder für die Endrunde qualifiziert hat, ist sogar richtig sauer. „Wenn nur ein Mensch im Crucible krank wird und dann stirbt - dann ist es ein Mensch, der ohne jeglichen Grund gestorben ist, nur für die Unterhaltung“, schimpfte Hamilton. Als Asthmatiker gehöre er selbst zur Risikogruppe, sagte der 49-Jährige. „Ich finde das lächerlich.“

Rückendeckung bekam er von O‘Sullivan. „Einen Anthony Hamilton kostet die Versicherung weniger als einen Lewis Hamilton“, sagte „The Rocket“ sarkastisch. Vorher hatte sich O‘Sullivan schon beim Sender BBC gegen Zuschauer ausgesprochen. „Im Moment reicht es aus, dass Sport im Fernsehen gezeigt wird“, sagte er. Der Weltverband verwies hingegen auf die Regierungsvorgaben und hohe Sicherheitsvorkehrungen. „Ich glaube nicht, dass es das Risiko wert ist“, legte O‘Sullivan nun nach. „Vielleicht hätte ich bei 5000 Fans einsehen können, dass sonst zu viele Einnahmen verloren gehen, aber bei 200 Fans, lohnt sich das echt?“ Der 44-Jährige ließ für sich offen, aus dem Turnier auszusteigen, falls er sich vor Ort unbehaglich fühle.

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