09.07.2020 15:17 |

Erschütternde Videos

Polizei prügelt in Belgrad auf Protestierende ein

Den zweiten Tag in Folge ist es am Mittwoch in der serbischen Hauptstadt Belgrad zu Demonstrationen gegen das Corona-Management der Regierung gekommen. Nach anfangs friedlichen Protesten kam es aber neuerlich zu Zusammenstößen mit der Polizei. Nun mehrt sich Kritik an den serbischen Sicherheitskräften: Immer mehr Videos gelangen ans Tageslicht, die die brutale Vorgehensweise einiger Polizisten dokumentieren.

Erneut ist es in Belgrad zu chaotischen Szenen gekommen, als Tausende Serben gegen Präsident Aleksandar Vucic und dessen Corona-Politik protestierten. Wie schon am Abend zuvor kam es dabei zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Demonstranten. Während gewaltbereite Gruppen mit Steinen und Feuerwerkskörpern auf die Einsatzkräfte schossen, versuchten diese, die Versammlungen mit Tränengas und Knüppelschlägen aufzulösen.

Kritik an Einsatzkräften wächst
Obwohl Innenminister Nebojsa Stefanovic die Sicherheitskräfte für ihre „Ruhe“ lobte, mehren sich kritische Stimmen, die ungebührliche Gewalt gegen Demonstranten beklagen. So veröffentlichte der serbischen Nachrichtensender N1 Srbija ein Video, das zeigt, wie Polizisten offenbar grundlos auf drei Männer einprügeln, die friedlich auf einer Parkbank saßen.

Auf Wehrlosen eingeprügelt
Auch in den sozialen Medien mehren sich Berichte, die die brutale Vorgehensweise gegen die regierungskritischen Proteste zeigen sollen. Besonders für Aufsehen sorgen Aufnahmen einer Szene, in der zahlreiche Polizisten einen am Boden liegenden Mann attackieren. Obwohl der Mann bereits zusammengekrümmt auf der Straße liegt, schlagen nachfolgende Einsatzkräfte noch mit Prügeln auf ihn ein und treten nach ihm. Erst die Nachhut der Beamten trägt den Mann schließlich zur Seite und legt ihn am Gehsteig ab.

Ein weiteres Video zeigt, wie eine Gruppe Polizisten eine Frau zu Boden wirft und dort liegen lässt:

Proteste breiten sich in weitere Städte aus
Die Proteste weiteten sich am Mittwoch auf weitere Städte aus. So brachten die Demonstranten nicht nur in Belgrad, sondern auch in Novi Sad, Nis und Kragujevac ihre Wut auf die serbische Regierung zum Ausdruck. Diese versucht indessen, die Proteste als „Putschversuch“ und „Einmischung ausländischer Mächte“ darzustellen. Insgesamt 19 Beamte und 17 Demonstranten wurden laut Angaben von N1 bei den Demonstrationen verletzt.

Umstrittenes Corona-Management
Präsident Vucic hat im Vorfeld des zweiten Protesttags die umstrittenen Ausgangssperren für das kommende Wochenende zurückgezogen, doch nicht nur diese Maßnahme führte zu Spannungen. Das Land am Balkan befand sich von Anfang März bis Mitte Mai im Lockdown. Für Verstöße dagegen wurden drakonische Strafen verhängt. Kurz vor den Parlamentswahlen hob Vucic den Ausnahmezustand jedoch wieder auf - sogar Großveranstaltungen wie Fußballspiele waren wieder erlaubt. Seit rund zwei Wochen steigen die Infektionen im Land wieder massiv an.

Beschränkungen statt Lockdown
Statt des angekündigten Lockdowns kündigte Serbiens Regierung nun neue Beschränkungen an. So sollen öffentliche Versammlungen von mehr als zehn Personen verboten sowie Restaurants und Cafés bereits ab 21 Uhr geschlossen werden. „Die Abriegelung wäre die effizienteste Maßnahme gewesen“, aufgrund der anhaltenden Proteste habe man sich aber nun zu diesem Zwischenschritt entschieden, erklärte Ministerpräsidentin Ana Brnabic am Donnerstag. Da die Krankenhäuser aufgrund der hohen Patientenzahlen jedoch vor dem Zusammenbruch stünden, seien künftige Sperrmaßnahmen aber nicht ausgeschlossen.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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