25.06.2020 12:08 |

Greenscreen obsolet

270-Grad-Studio in Wien zaubert virtuelle Kulissen

Vom stürmischen Berggipfel in ein viktorianisches Setting innerhalb weniger Minuten: Das ist derzeit in der Wiener Gösserhalle möglich. Dort haben am Donnerstag die Unternehmen Media Apparat, Habegger und Lichtermacher ihr gemeinsam entwickeltes Virtual Production Studio Vienna vorgestellt. Das auf Filmproduktionen und die Eventbranche abzielende Angebot zeigt: Greenscreen war gestern.

Denn anstatt vor einer grünen Wand sozusagen ins Ungewisse zu spielen, macht es ein 270-Grad-Set mit rund 200 Quadratmeter LED-Fläche möglich, dass Schauspieler mitten ins gewünschte Setting eintauchen können. „Diese Art der Produktion gibt es beispielsweise in Hollywood erst seit dem Vorjahr, als die ‘Star Wars‘-Serie ‘The Mandalorian‘ so gedreht wurde“, erklärte Andreas Göltl, Geschäftsführer von Media Apparat. „In Europa sind wir definitiv Vorreiter damit.“

Beim Showcase wurde ein Darsteller per digitalem Helikopter vom Berggipfel gerettet, genoss ein Pärchen eine romantische Abendstimmung oder wurde eine junge Frau ins London des 19. Jahrhunderts verfrachtet. „Wir erfinden das Rad nicht neu, sondern nehmen bestehende Technologien und fügen sie zu etwas Neuem zusammen“, unterstrich Lichtermacher-Geschäftsführer Stefan Kürzel.

Änderungen im Live-Betrieb möglich
Das Besondere an der Technologie, abgesehen vom schnell möglichen Wechsel des Settings: Man kann nicht nur ort- und wetterunabhängig arbeiten, auch das Licht und die Reflexion sind durch die LED-Wände von einer sehr realen Anmutung. Genutzt wird dafür eine Gaming-Engine, wobei sämtliche Elemente im Live-Betrieb verändert werden können. Die Sonne ein bisschen höher setzen? Kein Problem. Die Berge im Hintergrund sind zu niedrig? Wenige Klicks später sind sie in die Höhe geschossen.

Hintergrund folgt Kamerabewegung
Wo beim Greenscreen in der Postproduktion sämtliche grüne Reflexionen herausgearbeitet werden müssen, ist dies beim Virtual Production Studio durch die schon beim Dreh vorhandenen Settings nicht nötig. Zudem lässt sich die LED-Landschaft durch im Vordergrund platzierte analoge Elemente ergänzen, wodurch das haptische Erlebnis noch verstärkt wird. Und der Hintergrund selbst folgt jeder Kamerabewegung, wodurch die Perspektive stets gehalten wird.

„Die Idee ist bereits vor zwei Jahren entstanden“, sagte Göltl. Besonders intensiv sei in den vergangenen Wochen am Vorhaben gearbeitet worden. „Wir haben in der Corona-Zeit unsere Ressourcen, die brach gelegen sind, genutzt und in sechs Wochen sehr viel gearbeitet.“ Gleichzeitig gab er aber zu bedenken, dass diese Technologie „in ersten Schritten funktioniert“, also durchaus noch weitere Entwicklungsarbeit ansteht, und dass das am Donnerstag vorgestellte Setting nur eines von vielen möglichen sei. Anstelle der LED-Box könnte man etwa eine gebogene Fläche verwenden oder die Maße skalieren.

„Wir haben unsere Zeit genutzt und das aus dem Boden gestampft“, so Kürzel. „Mit jedem Tag ist das gewachsen. Und auch wenn es noch viel Entwicklungszeit bedarf, ist es jetzt schon ein Meilenstein.“ Dementsprechend gebe es bereits reges Interesse aus der Film- und Veranstaltungsbranche, sind doch auch digitale Konferenzen oder virtuelle Studiosituationen umsetzbar.

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