23.06.2020 19:39 |

Ex-Wirecard-Chef

SPÖ sieht mögliches „Naheverhältnis“ zu Kurz

Der in Deutschland unter dem Verdacht der Bilanzfälschung festgenommene und nun auf Kaution wieder freigelassene frühere Wirecard-Chef Markus Braun war auch in Österreich politisch gut vernetzt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte Braun in sein Strategiegremium „Think Austria“ berufen. Den ÖVP-Wahlkampf 2017 hatte Braun mit Spenden großzügig unterstützt - ebenso in den Jahren davor die NEOS. Die SPÖ will nun mit einer parlamentarischen Anfrage das „Naheverhältnis“ zwischen Braun und Kurz ergründen.

„Was hat Braun qualifiziert, in Kurz‘ Thinktank zu sitzen?“, wollte Vizeklubchef Jörg Leichtfried wissen. Außerdem meint die SPÖ, dass Braun davon profitiert haben könnte, in deutschen Medien als Kanzlerberater geführt worden zu sein.

Wahlkampfspenden an NEOS und ÖVP
Den NEOS spendete Braun in den Jahren 2014 bis 2016 - und zwar insgesamt 125.000 Euro, wie aus den Rechenschaftsberichten der Partei hervorgeht. Im Wahlkampf 2017 unterstützte er dann die ÖVP - und zwar mit in Summe 70.000 Euro in zwei Tranchen - und trat gemeinsam mit Kurz auf. Zur Spende führt die Website parteispenden.at aber an, dass es unklar sei, ob es sich bei den beiden Spendern „Dr. Markus Braun“ bzw. „Markus Braun“ aus dem Rechenschaftsbericht um dieselbe Person handelt. Nach seinem Einzug ins Kanzleramt berief Kurz den Wirecard-Chef dann als Experten für Themen wie Innovationen, Finanzierungen und Start-ups in seine Strategieberater-Gruppe „Think Austria“.

Diese Strategieabteilung - von Bundeskanzler Brigitte Bierlein zwischenzeitlich aufgelöst - hat Kurz nach seiner Rückkehr ins Kanzleramt wiederbelebt. Leiterin der Stabsstelle ist die Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler. Und sie nannte Braun noch im Jänner gegenüber Medien als einen der für „Think Austria“ tätigen Experten - neben dem damaligen Erste-Group-Chef Andreas Treichl und Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner.

Kanzleramt: „Unter neuer Regierung kein Kontakt mehr mit Braun“
Im Kanzleramt will man davon allerdings nichts mehr wissen: „Seit es die neue Regierung gibt, ist Herr Braun nicht mehr im Thinktank eingebunden.“ Unter der neuen Regierung habe es „keinen Kontakt“ mehr mit Braun gegeben.

Wie berichtet, ermittelt die deutsche Staatsanwaltschaft gegen Braun wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Marktmanipulation, aber auch gewerbsmäßiger Betrug könnte in Betracht kommen. Beinahe zwei Milliarden Euro sind dem Unternehmen abhanden gekommen - auf Treuhandkonten in Asien, wo das Geld bislang vermutet wurde, konnten sie nicht entdeckt werden. Die Finanzmittel waren offenbar nur auf dem Papier vorhanden. Diese mutmaßlichen Luftbuchungen haben das Hightech-Unternehmen aus dem Münchner Vorort Aschheim an den Rand des Abgrunds getrieben.

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