Gefährliche Drohung und Verleumdung oder ein Leben in Unterordnung, gegen das sich eine Türkin im Nordburgenland gewehrt hat? Die 33-Jährige soll die Schwiegermutter mit der Metallstange des Staubsaugers und einem Messer aus dem Haus gejagt haben. Die Familie spricht sich gegen die Frau aus.
Die türkische Familie bewohnt seit Jahren ein Haus im Nordburgenland: Ehepaar, drei Kinder, seine Eltern, seine Schwester.
Der Mann geht im Februar 2025 zur Polizei, weil seine Gattin die Mutter mit dem Rohr des Staubsaugers bedroht und mit einem gezückten Messer davongejagt haben soll. „Sie hat seit drei Jahren schwere psychische Probleme, sucht immer Streit, kocht nicht mehr, vernachlässigt die Kinder“, sagt der 36-Jährige als Zeuge beim Prozess am Landesgericht Eisenstadt, wo seine Frau angeklagt ist.
Er wohnt und arbeitet zwar hier im Burgenland, aber er glaubt, er lebt in der Türkei in einem Dorf mit Kühen und Ziegen und kann machen, was er will.
Die Angeklagte beim Prozess
„Er hat mich misshandelt“
Die wiederum, umgehend zu ihren Eltern nach Niederösterreich gezogen, suchte nur zwei Tage nach seiner Anzeige ebenfalls eine Wachstube auf. „Ich hatte davor nicht den Mut.“ Dort gab sie zu Protokoll: Er habe sie jahrelang misshandelt; regelmäßig geschlagen; gedroht, sie zu erschießen; gefesselt und in den Keller gesperrt; sie vergewaltigt; absichtlich mit siedendem Wasser verbrüht; ihr untersagt, mit dem Auto weiter als zehn Kilometer zu fahren, ihre Eltern zu treffen und arbeiten zu gehen.
„Er wohnt und arbeitet zwar hier im Burgenland, aber er glaubt, er lebt in der Türkei in einem Dorf mit Kühen und Ziegen und kann machen, was er will“, sagt die 33-jährige Muslima. „Es war für mich ein Horror.“
„War wohl gerade ziemlich wütend“
Der Ehemann – das Paar ist immer noch verheiratet – zeichnet im Zeugenstand ein gänzlich anderes Bild. „Lauter Verleumdungen! Wenn alles so schlecht war, warum ist sie denn mit mir verheiratet geblieben? Ich habe nie Gewalt angewandt, immer ruhig mit ihr gesprochen.“
Die Richterin spielt eine seiner Textnachrichten ein: „Ich werde Blut in den Augen haben und dich zerstückeln. Spiel dich nicht mit mir!“ Ja, das habe er gesagt. „Ich war wahrscheinlich gerade ziemlich wütend.“
„Leider ist sie unsere Mutter“
Seit fast einem Jahr hat die Angeklagte ihre Kinder, die beim Vater geblieben sind, nicht gesehen. „Wir wollen das nicht. Leider ist sie unsere Mutter“, sagen zwei Mädchen, gerade so, als hätten sie denselben Text auswendig gelernt. Beide entlasten „den besten Vater“, stellen sich auf die Seite der Schwiegermutter. „Ja, sie wurde mit dem Messer aus dem Haus gejagt.“
Es wird vertagt. Die Großfamilie fährt heim. Die Frau auch. Alleine.
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