09.06.2020 06:00 |

Einzige Frau im Rat

Rücktritt von Islam-Expertin sorgt für Aufregung

In der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) scheint es heftige Spannungen zu geben. So entschied sich am Wochenende eine hohe Funktionärin, zurückzutreten. Dr. Fatma Akay-Türker war die einzige Frau im Obersten Rat der IGGÖ und setzte sich für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. Damit ist nun Schluss.

Der Glaube an Gott nahm in Fatma Akay-Türkers Leben schon immer einen bedeutenden Platz ein. Also entschloss sich die heute 44-Jährige mit türkischen Wurzeln für ein Studium der Islamwissenschaften, das sie an der Universität Wien abschloss. Zudem unterrichtete sie Religion an mehreren Gymnasien im Großraum Wien und war beliebt.

Keine Frau mehr in Gremium
Großes Ansehen genoss die Expertin auch in der IGGÖ, wo sie es als einzige Frau in den Obersten Rat schaffte. Dieser ist das Verwaltungsorgan der Glaubensgemeinschaft, an dessen Spitze Präsident Ümit Vural steht. Als Frauensprecherin war ihr Ziel die geschlechtergerechte Behandlung in der IGGÖ. Fatma Akay-Türker galt als Aushängeschild der Glaubensgemeinschaft. Kritiker meinen, sie war nur eine Alibifrau. Laut internen Infos übernimmt ihren Platz nun ein Mann. Somit ist keine Frau mehr im höchsten Gremium vertreten.

Politischer Einfluss aus anderen Ländern?
Am Wochenende gab die Frauensprecherin auf Facebook ihren Rücktritt bekannt und ließ dabei mit einem Statement aufhorchen: „Somit erkläre ich, dass ich keinerlei Verbindung zu einer Institution, Organisation oder politischen Einrichtungen habe.“ Genau hier haken österreichische Muslime aus dem säkularen Lager ein. Sie sehen die islamische Glaubensgemeinschaft als Interessensvertretung von politischen Parteien aus verschiedenen Ländern, die in Österreich versuchen, ihre reaktionären Interessen unter dem Deckmantel Glaubensvertreter durchzubringen.

Martina Münzer, Kronen Zeitung

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