25.05.2020 05:00 |

Schwanger & Diabetes

„Nach der Geburt esse ich ein großes Eis!“

Die Wienerin Tamara H. erzählt über ihre „besonderen“ Erlebnisse als schwangere Zuckerkranke in der Corona-Krise und wie sie Herausforderungen zu meistern versucht.

Endlich schwanger!, freuten sich Tamara H. und ihr Mann Gerhard aus Wien im November 2019 über den positiven Schwangerschaftstest. Hatten sie doch schon länger auf diese frohe Nachricht gewartet. Dass die nächsten Monate durch ein gesundheitliches Problem, nämlich Schwangerschaftsdiabetes, und dann auch noch durch die Corona-Krise überschattet werden würden, ahnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Typische Übelkeit in den ersten Wochen und dass sie sich zu jeder Flüssigkeitsaufnahme zwingen musste, konnten ihre Vorfreude nicht trüben. Bis der Blutzuckertest Anfang März in einem Labor am Plan stand und zwei Tage später ihr behandelnder Gynäkologe Dr. Sami Bassim anrief: „Sie haben Schwangerschaftsdiabetes.“ Er riet ihr, sich an die sogenannte Gestationsdiabetes-Ambulanz ihres Geburtskrankenhauses zu wenden. „Die Diagnose hat mich schon kurz schockiert“, erzählt die werdende Mama, die sich gleich die notwendigen Termine ausgemacht hat.

Und dann kam auch noch der Corona-Shutdown
Für Schwangere änderte sich damit viel, so auch für Tamara H. Das Blutzuckermessgerät inklusive einiger Lanzetten (Nadeln), Teststreifen, Infomaterial und dem Diabetestagebuch durfte nur vom Portier im Spital abgeholt werden, was der werdende Papa übernahm. Die Einschulung, wie man daheim richtig Blutzucker misst, erfolgte über Videotelefonie und nicht wie sonst üblich in der Ambulanz. Mit der Ernährungsberaterin sprach sie nicht persönlich, sondern nur telefonisch - „ab nun sollte ich Vollkorn- statt Weizenprodukte, nichts Süßes sowie z. B. Erdbeeren und Äpfel statt Weintrauben und reifer Bananen essen, keine Säfte trinken und eine halbe Stunde Bewegung pro Tag machen.“

„Trotz der Umstände haben sich alle bemüht“
Dafür ist die Wienerin dankbar, die sich von der „besonderen“ Situation in Corona-Zeiten nicht beunruhigen ließ. Auch dann nicht, als die Krankenkasse trotz gültiger Verordnung nur die Hälfte des Bedarfs an Lanzetten und Teststreifen schickte. Begründung: die Corona-Krise. „Für die zweite Hälfte brauchte ich eine neue Verordnung.“ „Zuckerkranke Schwangere, die sich nicht an die Ernährungsempfehlungen halten und nicht, falls nötig, Insulin spritzen, gefährden sich und ihr Baby“, warnt Dr. Bassim. Tamara H. ist hingegen eine vorbildliche Patientin, die sich an die Vorgaben hält und 4-mal pro Tag Blutzucker misst - ihre Werte sind sehr gut, das Ungeborene normal entwickelt. Die „Naschkatze“ freut sich aber nach der Geburt auf ein großes Eis mit Schlagobers. „Sobald ihre Zuckerwerte nach der Entbindung wieder stimmen, darf sie sich natürlich belohnen“, schmunzelt der Gynäkologe. „Jede 3. Frau, die während der Schwangerschaft vorübergehend Diabetes entwickelt, erkrankt innerhalb von 8 Jahren dauerhaft an Diabetes Typ 2“, mahnt der Experte zur Vorsicht. Er rät, nach der Geburt weiterhin auf die Ernährung zu achten und zu regelmäßigen Blutglukosetests. Damit lässt sich das Leiden oft verhindern bzw. hinauszögern.

Zu Untersuchungen bei Dr. Bassim darf sie übrigens weiterhin ihr Mann begleiten, natürlich nur mit Mund-Nasen-Schutz. „Darüber bin ich echt glücklich“, so Tamara H. „Von anderen Schwangeren habe ich gehört, dass die Partner derzeit nicht mitgehen dürfen und auch Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen abgesagt wurden.“ Die Entbindung und die Tage danach werden wohl für alle Jung-Eltern in der Corona-Krise eine besondere Herausforderung sein. „Gerhard muss 2 Stunden nach der Entbindung das Spital verlassen, auch Besuche bleiben während meines Aufenthaltes verboten“, ist die werdende Mama leicht betrübt. Wir wünschen dennoch alles Gute für die baldige Geburt!

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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