14.05.2020 10:18 |

Infektionslage stabil

Anschober: „Virus wird uns noch lange begleiten“

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sei die aktuelle Situation in Sachen Corona-Neuinfektionen „konstant und stabil“. Die vorangegangenen Öffnungen hätten keinen Rückfall respektive keinen Anstieg bei den Erkrankten gebracht. Das Virus werde uns aber noch lange begleiten, so Anschober. Nach den bereits im Einsatz befindlichen PCR-Tests sollen nun auch gezielt Antikörpertests eingesetzt werden. Bei einem guten Ergebnis wäre eine beschleunigte Öffnung ab Juni möglich. 

Der erfreuliche Trend der Ansteckungen in Österreich setzt sich fort, in weiten Teilen des Landes gebe es gar keine Neuerkrankungen mehr, berichtete Anschober. Man müsse sich dennoch darauf einstellen, dass das Virus noch lange vorkommen werde, wie es am Mittwoch auch die WHO erklärt hat. Es sei also nicht vorbei - auch wenn die allgemeine Stimmung das vielleicht suggeriere.

Antikörpertests starten
Derzeit werden die Tests mit dem PCR-Verfahren durchgeführt. Dabei werden Verdachtsfälle geprüft sowie bestimmte Zielgruppen der Bevölkerung getestet. Bisher seien über 300.000 Tests durchgeführt worden. Im Vergleich zu anderen Ländern liege man damit „im vorderen Bereich“. Deutschland habe ein ähnliches Niveau, die Schweiz testet mehr, Großbritannien weniger, so Anschober.

Mit dem Nationalratsbeschluss vom Mittwoch könne nun auch ein großflächiges Screening der Bevölkerung durchgeführt werden. Mithilfe der Ergebnisse wäre es auch möglich, ein Register für die Testergebnisse zu erstellen, das zu Beginn der Krise gefehlt habe. In dieser zweiten Phase werden nun auch gezielt Antikörpertests eingesetzt werden. 

Rückschlüsse auf Verbreitung in der Bevölkerung
Mithilfe der Tests werde man zurückliegende Infektionen erkennen können, erklärt Lukas Weseslindtner von der Medizinischen Universität Wien. Dies sei unabhängig davon, ob die Person Symptome aufwies oder nicht, so der Virologe. Damit könne man auch erkennen, wie schnell sich das Virus in der Bevölkerung verbreitet. Bei Patienten, die schon länger erkrankt sind, kann der Test außerdem helfen, da die Virenlast im Rachenraum abnimmt und PCR-Tests nicht mehr so genau sind. Im Moment werden zwei verschiedene Formen von Antikörpertests eingesetzt. Die Erfahrung müsse nun zeigen, wie die Kombination dieser Tests funktioniert.

Tests weisen auch auf Immunität hin
Nach derzeitigem Wissensstand sei aber noch nicht geklärt, ob ein positiver Antikörpertest auch bedeutet, dass man wirklich langfristig gegen das Virus immun ist, so Weseslindtner. Anschober erklärt in dem Zusammenhang, dass es weiterhin eine wissenschaftliche Kontrollbegleitung brauche. Zunächst sollen die Tests vor allem im Zuge von wissenschaftlichen Studien oder auch bei Blutspendern eingesetzt werden. Eine weitere Perspektive sei auch der Einsatz bei Gesundheitspersonal.

Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer berichtete von der „Ischgl-Studie“. Ab dem 20. April wurden dabei 1468 Teilnehmer getestet - auch mit Antikörpertests. Die Studie stellte eine Erkrankungsrate von unter einem Prozent fest - das war zu dem Zeitpunkt ungefähr auf dem Stand des Rests von Österreich. Bereits bei 20 Prozent konnten damals Antikörper nachgewiesen werden.

Anschober stellt schnellere Öffnung in Aussicht
Österreich werde weiterhin bei der Strategie bleiben, alle 14 Tage weitere Öffnungsschritte vorzunehmen. Die Situation solle dann in der ersten Junihälfte vertiefend geprüft werden. „Wenn es ein gutes Ergebnis ist, könnte es durchaus auch zu einer Beschleunigung von Öffnungsmaßnahmen führen“, sagte der Minister.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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