11.04.2020 09:25 |

Historischer Rückblick

Vor 124 Jahren: Erster Olympiasieg für Österreich!

Vor genau 124 Jahren wurde der Schwimmer Paul Neumann Österreichs erster Olympiasieger. Bei den Olympischen Spielen von Athen gewann er am 11. April 1896 über 500 m Freistil in 8:12,6 Minuten vor den Griechen Pepanos und Horafas. Nur diese drei Schwimmer waren übrigens über 500 m am Start. Zudem wurde Otto Herschmann Zweiter über 100 m Freistil. Eine Platzierung, die das IOC erst weit nach 100 Jahren anerkannt hatte…

Im Offiziellen Report dieser Spiele heißt es zu den Schwimmbewerben 1896, die in Piräus abgehalten wurden: „Sie waren vom Wetter begünstigt, deshalb fanden sich zahllose Zuschauer aus Athen sich ein. Die Bucht von Zea in Piräus, die äußerst malerisch an dem schönsten Punkt der Stadt gelegen ist, bildet einen ziemlich flachen und wellenlosen See, welcher mit dem Meer durch eine schmale Öffnung in Verbindung steht.“ Zum 500-m-Bewerb hatten sich zwar 20 Schwimmer gemeldet, „aber nur drei beteiligten sich, darunter zwei Griechen und ein Österreicher. Der Abgangspunkt befindet sich außerhalb der Bucht, wohin die Bewerber vermittelst der Dampfbarkasse befördert werden. Als Erster langte am Ziele an der Österreicher Neumann, und die österreichische Flagge weht am Maste, vom Publikum begrüßt. Er legte die Entfernung in 8‘ 12‘‘ ¾ zurück.“

„Salzwasser griff die Augen an!“
Paul Neumann (1875 - 1932) erinnerte sich später: „Wir haben uns überhaupt an Salzwasser nur langsam gewöhnen können, da es unsere Augen stark angriff... Wir wurden mit Booten auf den Startplatz - ein durch Boote festgehaltenes Seil - gebracht. Der Start gelang ganz gut und wir strebten dem Ziele zu, das ebenfalls aus einem Seil bestand, welches durch Boote festgehalten wurde. Der Wellengang machte es unmöglich, einen wirklichen Wettkampf auszukämpfen, da man seine Konkurrenz nicht sehen konnte, und es blieb nichts übrig, als so schnell wie möglich dem Ziel zuzustreben und das Resultat abzuwarten. … Ich sagte mir im Voraus, dass ich an dieser klassischen Stätte siegen müsse. Recht frisch langte ich am Ziel an und suchte meine Ausziehkajüte auf. Da sah ich schon die österreichische Flagge am Mast wehen und hörte die mir wohlbekannte österreichische Volkshymne… Von da an war ich in Athen eine bekannte Person.“

Silber und ein Ölzweig für den Sieger
Die Sieger erhielten bei den ersten Spielen der Neuzeit bekanntlich noch keine Goldmedaille, sondern eine silberne Medaille, die sich in einem kleinen Kästchen befand, zudem ein Diplom in einer blauweißen Rolle und einen Ölzweig, der im Heiligen Hain von Olympia geschnitten worden war.

Olympia-Posse um Platz zwei
Bei seinem Erfolg wurde Paul Neumann zweifelsohne dadurch begünstigt, dass der Ungar Alfréd Hajós, der kurz zuvor die 100 m Freistil gewonnen hatte (und später noch überlegen die 1200 m gewinnen sollte), zur 500-m-Konkurrenz vor Erschöpfung nicht antreten konnte. Hinter Hajós holte Österreich durch Otto Herschmann übrigens an jenem 11. April 1896 noch einen zweiten Platz. Eine Platzierung, die selbst das IOC lange Zeit nicht anerkannt hat und bis heute für Diskussionen sorgt.

Denn im „Olympic Report“ von 1896 wurde Herschmann hinter dem Griechen Chorofas als Dritter geführt. Korrespondenten aber sahen schon damals darin einen „Skandal“, etwa der ungarische Reporter des Wiener „Schwimmers“, er schrieb: „Herschmann wurde Zweiter!“ Dahinter seien alle anderen in der Bucht „verloren gegangen“. Auch der Grazer Sporthistoriker Erich Kamper hatte immer auf diesen Fehler hingewiesen: „Eines von mehreren Fehlurteilen der griechischen Kampfrichter.“ Aber er fand beim IOC ebenso wenig Gehör wie der deutsche Experte Karl Lennartz, der dem Griechen in seinen Statistiken den zweiten Platz aberkannte. Selbst griechische Quellen führten Chorofas nicht als Zweiten.

Das IOC hielt sich lange an den Offiziellen Report von 1896 und führte Herschmann in seinen Statistiken von 1896 als Dritten. Aber im Vorfeld der Spiele in London 2012 korrigierte das IOC das Ergebnis über 100 m Freistil und führt Herschmann seitdem als Zweiten. Das IOC hatte mir 2012 für einen Beitrag in der „Kronen Zeitung“ schriftlich bestätigt, dass Herschmann jetzt offiziell als Zweiter geführt werde. Wann und warum dieses „Upgrade“ genau erfolgt sei, konnte das IOC nicht sagen. Der Grieche Efstathios Chorofas, dessen zweiter Platz in vielen Quellen ja von Beginn an bezweifelt wurde, wurde hingegen aus dem Ergebnis gestrichen. Seitdem gibt es im Resultat über 100 m Freistil keinen Dritten mehr. Das ÖOC aber hält übrigens bis heute in seiner Statistik am dritten Platz von Herschmann fest.

Im Übrigen gewann Herschmann 1912 (dann schon als ÖOC-Präsident) noch eine niemals angezweifelte Silber-Medaille - als Fechter mit dem österreichischen Säbelteam.

Olaf Brockmann

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