10.03.2020 14:55 |

Brief an Direktoren

Coronavirus: Schulschließungen werden vorbereitet

Nachdem die Bundesregierung am Dienstag angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus neue, teils drastische Maßnahmen verkündet hat, sind jetzt erste Details zu den Schulen bekannt geworden. Derzeit sei der bundesweite Schulbetrieb von einer flächendeckenden Schließung wie an den Hochschulen nicht betroffen, heißt es in einem Ministeriumsschreiben an die Schuldirektoren. Jedoch wird darum ersucht, sich aufgrund des Coronavirus „auf Schulschließungen präventiv vorzubereiten“. Außerdem wird empfohlen, dass Ausflüge, Reisen und Schulveranstaltungen ab sofort bis auf Weiteres ausgesetzt werden. Indessen wird auch das Kulturleben und Freizeitleben des Landes massiv heruntergefahren, von der Bundesliga über die Kinos, die vorerst ihre Sitzplätze beschränken, bis hin zu den Theatern, die größtenteils komplett den Vorhang herunterlassen.

Das derzeitige Prozedere mit anlassbezogenen Schulsperren habe sich bewährt. „Wir alle hoffen, dass es zu weiteren Einschränkungen nicht kommen wird. Dennoch ist mein Ersuchen an Sie, dass wir in enger Abstimmung bleiben und uns auf Schulschließungen gemeinsam vorbereiten“, heißt es in dem von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gezeichneten Dokument an die Schulleiter.

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„Wir alle hoffen, dass es zu weiteren Einschränkungen nicht kommen wird."

Bildungsminister Heinz Faßmann

Lernstoff für zu Hause soll vorbereitet werden
Die Direktoren werden ersucht, gemeinsam mit den Lehrern „in den kommenden Tagen Übungsmaterialien zur Festigung und Vertiefung des aktuell im Unterricht behandelten Lernstoffes für Schülerinnen und Schüler vorzubereiten, die Sie ihnen im Bedarfsfall mit nach Hause geben bzw. über digitale Kanäle zur Verfügung stellen können.“ Schulschließungen könnten genutzt werden, „um bereits durchgenommenen Stoff zu wiederholen und zu vertiefen oder um sich in aller Ruhe mit Themen zu befassen, die derzeit im Unterricht behandelt werden“.

Schulen sollten Kommunikationskanäle mit Schülern und Eltern per Mail oder Lernplattformen wie Moodle oder LMS nutzen. Schulbibliotheken könnten die Schüler mit Lektüre versorgen. Außerdem bereitet das Ministerium in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich „ein altersgerechtes, kompaktes Online-Angebot mit pädagogischen Materialen vor, die zur Überbrückung in der Zeit einer vorübergehenden Schulschließung genützt werden können“.

Empfehlung: Keine Ausflüge, Reisen und Schulveranstaltungen
Zudem wird den Schulen empfohlen, „Ausflüge, Reisen und Schulveranstaltungen ab sofort bis auf Weiteres auszusetzen. Bitte nehmen Sie mit dem Reiseveranstalter - auch bezüglich möglicher Stornozahlungen - Kontakt auf“.

Coronavirus-Maßnahmen - die Pressekonferenz der Regierung zum Nachsehen:

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„Massive Betreuungsherausforderungen“

Bundeskanzler Sebastian Kurz

Weitere Schritte werden am Mittwoch besprochen
Bezüglich Schulen und Kindergärten hatte Kurz bei der Pressekonferenz am Vormittag erklärt, dass es hier auch hier zu Maßnahmen kommen werde. Nähere Details hatte der Kanzler nicht genannt, auch weil es unter anderem „massive Betreuungsherausforderungen“ gebe. Der richtige Zeitpunkt müsse ganz exakt gewählt werden. Welche Schritte gesetzt werden, würde am Mittwoch mit den zuständigen Behörden und auch mit den Sozialpartnern besprochen, so Kurz.

Erste Schule in Tirol schließt Pforten
Wie am Dienstagnachmittag bekannt wurde, schließt die erste Volksschule wegen Coronavirus in Tirol seine Pforten - jedoch vorerst nur am Mittwoch. „Die Schließung ist eine Vorsichtsmaßnahme, da zwei Verdachtsfälle gemeldet wurden und wir umgehend die behördlichen Abklärungen eingeleitet haben“, informierte Bildungsdirektor Paul Gappmaier. Eine Klasse einer Schule in Wien-Döbling ist indessen am Dienstag vom Schulbetrieb abgesondert worden. Zuvor wurde eine Lehrerin positiv auf das Coronavirus getestet.

Auch die Kinobranche reagiert indessen auf die von der Regierung verkündeten Maßnahmen mit der Beschränkung von Sitzplätzen. So werden zahlreiche Kinobetreiber die Ticketzahl je Vorstellung auf unter 100 Plätze begrenzen. Die Bundestheater sagen beginnend mit Dienstag bis Ende März alle Vorstellungen ab. Genauso verfahren auch andere Theaterbühnen. Fast überall müssen zudem Premieren abgesagt werden.

Die Staatsoper sagt ab Dienstag bis zum 31. März ebenfalls sämtliche Vorstellungen und Veranstaltungen ab. „Wir haben keine Wahl, wir müssen ab heute schließen“, sagte Staatsoperndirektor Dominique Meyer am Dienstag zur APA. Für die entfallenen Einnahmen werde es finanzielle Unterstützung vom Staat brauchen. „Jede abgesagte Vorstellung bedeutet viel Verlust, künstlerisch und budgetär.“

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„Wir haben keine Wahl, wir müssen ab heute schließen.“

Staatsoperndirektor Dominique Meyer

Bundesliga stellt Spielbetrieb ein
Die Fußball-Bundesliga hat die Spiele der ersten und zweiten Liga vorerst ausgesetzt. Wie die Liga am Dienstagnachmittag bekannt gab, betrifft dies in einem ersten Schritt die ersten beiden Runden in der Meister- bzw. Qualifikationsgruppe sowie die Spiele der 20. und 21. Runde der 2. Liga.

Und auch andere Sportbegeisterten müssen sich nach Alternativen umschauen, die Anmeldung zum Vienna City Marathon wurde etwa am Dienstag „vorerst ausgesetzt“, eine Absage des Events Mitte April steht im Raum.

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