30.01.2020 06:00 |

Live im Konzerthaus

Red Bull Symphonic: Symbiose aus zwei Welten

Drum & Bass trifft auf Klassik und gediegene Orchestrierung. Camo & Krooked treffen auf Christian Kolonovits. Was sich in der Theorie sonderbar anhört, soll in der Praxis Türen öffnen. Am 1. und 2. Februar vermischen sich beide Welten zu einer einmaligen musikalischen Herausforderung. Gemeinsam mit dem Max Steiner Orchester werden die Größen zweier Genres beim „Red Bull Symphonic“ für zwei exklusive Abende sorgen.

„Red Bull Symphonic“ nennt sich das vom Dosenbrausehersteller forcierte Projekt, das am 1. und 2. Februar im Wiener Konzerthaus über die Bühne gehen wird. Die Grundidee hinter diesem „Clash Of Cultures“ gibt es schon einige Jahre. Der leider 2016 verstorbene Red-Bull-Culture-Manager Felix Günther-Fridheim hatte die Idee geboren und seinen Freunden von Camo & Krooked in den Kopf gesetzt. Mit seinem Tod verstarb aber auch die Idee, bis sich der Konzern dieser Thematik wieder annahm und für die ideale Fusion sorgte. „Zu dem Zeitpunkt wussten wir ja noch nichts von unserem Glück, mit Christian Kolonovits arbeiten zu dürfen“, erklärt Krooked aka Markus Wagner im „Krone“-Interview, „natürlich waren anfangs Zweifel da, denn etwas Unterschiedlicheres als diese Kombination konnten wir uns nicht vorstellen. Zugleich war es aber auch aufregend und interessant.“

Gigantentreffen
Camo & Krooked sind ihrem Metier Weltstars, bespielen die größten Clubs und Bühnen dieser Welt und gelten auch international als Referenzgrößen für Drum & Bass. Christian Kolonovits arbeitete von Wolfgang Ambros über Georg Danzer bis hin zu Andreas Gabalier mit allen Größen der heimischen Musikszene über diverse Generationen hinweg. Er gilt als versiertester Komponist, Dirigent und Musikproduzent des Landes und wurde 2013 sogar mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Von einem Treffen der Giganten darf durchaus gesprochen werden, auch wenn sich die drei Beteiligten in genügsamer Bescheidenheit üben. „Ich muss gestehen, als ich den Anruf bekam, wusste ich nicht wirklich, was die Jungs machen“, lacht Kolonovits, „ich bat um etwas Bedenkzeit, hörte genau auf die Musik und war schnell begeistert, weil die Qualität so immens war. Hier konnte ich etwas Neues probieren und Energien freisetzen. Genau darum geht es doch in der Musik.“

In Kolonovits‘ Studio im 19. Wiener Gemeindebezirk, wo schon sehr oft Musikgeschichte geschrieben wurde, arbeiteten die beiden akribisch und konzentriert an der Fusion des scheinbar Unmöglichen. „Es hat lange gedauert, bis wir wussten, wohin wir wollen“, gibt Kolonovits zu, „passt der Austausch? Wo ist die Symbiose? Beide Seiten sind aber respektvoll aufeinander zugegangen und wussten, es kann klappen, wenn man probiert und zusammenarbeitet.“ Der Schlüsselmoment war gleich das erste persönliche Aufeinandertreffen. Beide Künstlerparteien sind Alphatiere und mussten erst einmal festlegen, wohin die Richtung gehen sollte. „Wir haben dann rausgefunden, dass am meisten weitergeht, wenn wir separat arbeiten“, so Krooked, „es ging ja darum, unsere Nummern so zu reduzieren, dass das Max-Steiner-Orchester damit arbeiten kann. Wir haben unsere Version geschrieben und Christian hat sich dabei ausgetobt. Wir haben oft bis 2 Uhr morgens miteinander telefoniert und die Prioritäten klar abgesteckt. Für uns alle gab es nur das und der Rest wurde beiseitegeschoben. Das hat es einfach gebraucht, um den richtigen Workflow zu finden.“

Wie ein Jungbrunnen
Die eigenen Songs, die international auf so viel Liebe und Anklang stoßen, freizugeben und neu adaptieren zu lassen, das viel dem elektronischen Duo anfangs gar nicht so leicht. „Wir sind bei unseren Songs extrem stur und es war das erste Mal, dass wir sie überhaupt freigegeben haben“, reflektiert Krooked, „aber Christian kann man natürlich vertrauen.“ Nicht nur, dass die Drum-&-Bass-Songs verändert wurden, ist auch das Setting völlig anders. Anstatt in einem Club abzutanzen, wird das Konzerthaus bestuhlt sein, die edlen Gemäuer an sich geben schon eine völlig andere Atmosphäre wider. Auch für den 67-jährigen Altmeister Kolonovits war diese Kooperation wie eine Art Jungbrunnen. „Ich habe eine neue Welt entdeckt. Sich auf die mir recht fremde elektronische Komponente einzulassen und im Orchester neu zu erfinden, war wahnsinnig spannend. Ich habe so viel gelernt wie seit Jahren nicht mehr. Wenn man älter wird, suhlt man sich gerne in der Routine, aber wieder einmal so über den Schatten zu springen und in etwas völlig Unbekanntes einzutauchen, ist enorm heilsam.“

Nachdem das erste Konzert schnell ausverkauft war, hat sich auch der Zusatztermin rasch gefüllt. Doch was erwartet die Fans nun eigentlich in der Praxis? „Eine musikalische Mischung, die es in dieser Art und Weise noch nie zuvor gab. Die Leute im Saal sollen Aha-Momente haben und die Show wird auch visuell mit Lichteffekten unterstützt“, erklärt Krooked, „das Programm erzählt in etwa 75 Minuten die Geschichte, die wir mit Christian Kolonovits in den letzten etwa drei Monaten geschrieben haben.“ So richtig ins Laufen kam das Projekt erst im Oktober, da Camo & Krooked über den Jahreswechsel auch noch auf Australien/Neuseeland-Tour waren, war der Zeitdruck für das Konzept enorm. Hat das Projekt bei den beiden nun Lust auf eine Fortführung gemacht? „Man weiß nie, wo es hingeht, aber wir hatten enormen Spaß“, bezeugt Krooked, „dieses Projekt hat uns Ideen für weitere Themen gebracht, die wir danach in Angriff nehmen wollen. Vielleicht machen wir künftig auch vermehrt klassisch inspirierte Drum-&-Bass-Musik.“

Live in Wien
„Red Bull Symphonic“ mit Camo & Krooked und Christian Kolonovits findet am 1. und 2. Februar im Wiener Konzerthaus statt. Die beiden exklusiven Shows sind restlos ausverkauft.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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