12.01.2020 05:03 |

Spielen ohne Ende

Sucht erkannt - Gefahr gebannt!

Gaming auf PC, Tablet, Konsole oder Smartphone ist eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen. Wer sich der Faszination der digitalen Welt nicht mehr entziehen kann, braucht Hilfe.

„Die Vorteile der Nutzungsmöglichkeiten von Computer und Internet überwiegen meiner Ansicht nach in allen Belangen gegenüber den Nachteilen“, ist Prim. Dr. Adrian Kamper, Leiter des Departments für Psychosomatik für Säuglinge, Kinder und Jugendliche, Klinikum Wels-Grieskirchen, überzeugt. In Maßen eingesetzt ein absoluter Gewinn, kann exzessive Nutzung von Internet und digitalen Spielen zu psychosozialen Problemen bis hin zur Abhängigkeit führen. „Da es sich immer noch um eine neue Entwicklung handelt, welche rasant voranschreitet, sind die Langzeitfolgen noch nicht absehbar. Wie immer bei revolutionären Neuerungen bedarf es sinnvoller Regeln.“

Die Bezugspersonen sind gefordert
“Es liegt an den Eltern, dem Alltag von Kindern einen Rahmen zu geben, Anteil an ihrem Leben zu nehmen, sie an- und ihnen zuzuhören, sie anzuerkennen und zu loben. Fordern und fördern Sie Ihren Nachwuchs, gönnen Sie ihm Pausen, finden Sie gemeinsam Alternativen und Lösungsstrategien, und vergessen Sie nicht die eigene Vorbildwirkung als Eltern“, betont Prim. Kamper. So erwerben Heranwachsende respektvollen Umgang mit anderen Menschen, den richtigen Bezug zu Genussmitteln, wie Alkohol, und eben auch zur digitalen Welt.

Nicht jeder ist gleich gefährdet
Die Nutzer von digitalen Spielen werden in drei Gruppen unterteilt: „Einerseits können Internet, Computer und virtuelle Realität positiv zur Entspannung, zum Spaß, Kick, oder Wettkampf beitragen - online, teils global oder mit Freunden“, erklärt Prim Kamper. „Dieses Spielen ist mit guten Gefühlen und Belohnung besetzt, es erfolgt aber unter Kontrolle in einem normal gelebten Alltag.“ Bei einer zweiten Gruppe stellt sich durch verstärkten Konsum eine gewisse Gewöhnung ein. „Diese Betroffenen wissen aber noch, dass das nicht gut für sie ist - es gelingt ihnen, wieder loszulassen und einem geregelten Alltag nachzugehen.“ Manche schaffen dies allerdings nicht: „Es kommt zu Kontrollverlust bis hin zu richtiggehendem Verlangen, dem sogenannten Craving. Es folgt die Abhängigkeit unter Aufgabe des Alltags“, berichtet der Experte.

Die Warnsignale beachten!
Meist bemerken nahe Angehörige den Computermissbrauch zuerst. Die Spieler selbst empfinden ihn anfangs nicht als störend und können das Problem kaum realistisch einschätzen. Wird das Thema angesprochen, kommt es zum Streit mit den Eltern. Prim Kamper: „Warnsignale sind zum Beispiel, wenn Treffen mit Freunden in der Außenwelt abnehmen, Freizeitaktivitäten vernachlässigt werden und Gespräche mit den Eltern plötzlich kurz und oberflächlich verlaufen. Um einen zufriedenen Zustand zu erreichen, muss immer länger und öfter gespielt werden. Ist dies nicht möglich, treten unangenehme emotionale und körperliche Zustände auf, wie etwa Ruhelosigkeit, Nervosität oder Niedergeschlagenheit, was typische Entzugserscheinungen sind.“ Meist sinken auch die schulischen Leistungen, und die Ausbildung wird abgebrochen.

Hilfe und weitere Informationen

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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