Drei Jahre ermittelt

Staatsanwalt bringt Anklage gegen Hannes Kartnig ein

Fußball
16.06.2010 21:21
Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch Anklage gegen den ehemaligen Präsidenten von Sturm Graz, Hannes Kartnig, eingebracht. Der prominente Unternehmer wird sich - wie auch einige weitere Angeklagte - im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Niedergang des Fußballklubs in der Saison 2006/2007 vor Gericht verantworten müssen.

Die Verhaftung Kartnigs am 7. Mai 2007 hatte den vorläufigen Schlusspunkt hinter eine erfolgreiche Selfmade-Bilderbuchkarriere gesetzt. Seither wurde ermittelt, einvernommen und begutachtet, wobei sich die Hauptfrage darauf konzentrierte, inwiefern es sich bei den Malversationen um Steuerhinterziehung oder um strafrechtliche Tatbestände handelte.

Die Festnahme erfolgte damals wegen Verdachts auf Abgabenhinterziehung, Veruntreuung, Untreue, betrügerische Krida sowie grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen. Zunächst ging es um den Verbleib von 2,2 Millionen Euro: Sturm-Spieler (der Verein ist mittlerweile vollständig rehabilitiert) sollen einen Teil ihres Gehalts "unter der Hand" erhalten haben.

Zu Abgabenhinterziehung "grundsätzlich geständig"
Die Anwälte des Ex-Sturm-Präsidenten, Richard Soyer und Michael Pacher, legten damals Haftbeschwerde ein. Bei einer ersten Prüfung am 21. Mai wurde die U-Haft jedoch bestätigt. Die Haftbeschwerde wurde auch vom Oberlandesgericht abgewiesen, später wurde ihr aber vom OGH stattgegeben. Kartnig zeigte sich bezüglich der Abgabenhinterziehung "grundsätzlich geständig".

Nach zwei Monaten Haft wurde Kartnig am 9. Juli 2007 gegen eine Kaution von einer Million Euro wieder auf freien Fuß gesetzt (mit ihm auch ein Ex-Sekretär von Sturm). Nachdem der OGH die Haftbeschwerde positiv entschieden und die U-Haft als zu Unrecht erkannt hatte, bekam Kartnig Kaution und Pass zurück.

680-Seiten-Prüfbericht
Bis März 2009 sollte es dauern, bis Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner ein 680 Seiten umfassendes Gutachten vorlegte, in dem er die Finanzgebarungen Kartnigs durchleuchtete. Daraus soll angeblich hervorgehen, dass der Unternehmer rund 10,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen, dem SK Sturm aber dadurch nicht geschadet hätte. Die Geldflüsse zwischen Kartnigs Werbefirma und dem Klub seien ausgeglichen gewesen. Ungeklärt geblieben sei lediglich die Behebung einer höheren fünfstelligen Summe.

Die Anklageschriften werden den Beschuldigten bzw. deren Rechtsvertretern erst zugestellt. Bis zum Prozessbeginn kann es - unter Berücksichtigung der Einspruchsfristen - noch Monate dauern.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Fußball
16.06.2010 21:21
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
Top 3
Kostenlose Spiele

Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung