18.11.2019 21:58 |

Prunthaller empört

Skandal im Pferdesport: Schikanen auf Olympia-Weg?

Gegen den Österreichischen Pferdesportverband (OEPS) werden dieser Tage Vorwürfe erhoben: Sabotiert der Verband die Olympia-Bestrebungen seiner besten Dressur-Reiterin? Und profitiert davon mit Victoria Max-Theurer ausgerechnet die Tochter der Präsidentin?

Noch bis 31. Dezember können Österreichs Pferdesportler Punkte gegen das Schattendasein sammeln: Dann endet die Qualifikationsfrist für die Olympischen Sommerspiele 2020, die letzten Quotenplätze für die große Bühne in Tokio werden vergeben.

Die besten Karten, Österreichs Dressurplatz zu sichern, hält derzeit Ulrike Prunthaller (35, oben im Storybild) in Händen. Die heimische Nummer eins und 61. der Weltrangliste matcht sich in einer Quali-Gruppe unter anderen mit ihrer Landsfrau Victoria Max-Theurer (oben im Bild). Prunthaller ist Zweite, Max-Theurer Fünfte - 22 Punkte trennen die beiden. Die besten zwei der Gruppe (aus unterschiedlichen Nationen) erhalten ein Olympiaticket. Im Erfolgsfall wäre eine Entsendung der sportlich Besten die logische Konsequenz.

Vorwurf im Raum
Stünde da nicht der Vorwurf von Benachteiligung und Hürden im Dressur-Viereck im Raum. Das in Oberösterreich ansässige Bartlgut, für das Prunthaller als Bereiterin und Aushängeschild fungiert, und OEPS-Präsidentin Elisabeth Max-Theurer liegen seit Jahren im Dauerclinch. Bartlgut-Chef Wenzel Schmidt, auch ein Sportfunktionär, bekannt als langjähriger Präsident des Fußballclubs SV Ried, und Elisabeth Max-Theurer, Olympiasiegerin bei den Boykott-Spielen 1980, nun auch Vizepräsidentin des Olympischen Komitees (ÖOC), sehen sich öfter vor Gericht als auf der Koppel.

„Der Chef lässt sich eben nicht alles bieten“, betonte Prunthaller. Das reiche, um dauerhaft zwischen die Fronten zu kommen. „Ich versuche, das alles von mir wegzuhalten. Das funktioniert nicht immer, ich bin schon manchmal deprimiert, dauernd tauchen neue Hürden auf.“ Kritische Stimmen über den Verband gibt es nicht nur in dieser Causa, bei offiziellen Wortmeldungen gibt es aber Bedenken.

Stuttgarter Eklat
Für das vergangene Woche stattgefundene CDI4* in Stuttgart - ein Turnier der zweithöchsten Kategorie - bekam Prunthaller zuletzt keine Starterlaubnis. In Stuttgart waren, geht man nach der Weltrangliste - Österreichs Nummern zwei, drei und sechs vor Ort: Victoria Max-Theurer, Astrid Neumayer und Stefan Lehfellner, der Lebensgefährte von Victoria Max-Theurer.

Der Verband wies den Vorwurf der Benachteiligung auf Nachfrage als „völligen Unsinn“ zurück. „In Stuttgart waren andere Reiterinnen und Reiter vorgesehen, beim Turnier in München an diesem Wochenende ist Ulrike Prunthaller wieder an der Reihe“, ließ der Verband wissen und argumentierte mit einem Start-Ranking, das Prunthaller klar anführt. Anders als viele Konkurrenten reitet Prunthaller aber auf mehreren Top-Pferden, im Ranking wird nur das einzelne Gespann gewertet.

Gebranntes Kind?
Im Lager Prunthallers fühlt man sich als gebranntes Kind. Bereits für Budapest war ihr Ende September der Start vom OEPS erst verwehrt, auch auf anwaltliche Intervention dann aber doch zugestanden worden. Der Verband spricht von einem Missverständnis. Und auch bei der EM fehlte sie, so sieht man es im Bartlgut, nicht aus sportlichen Gründen.

Dass mit Franz Kager der langjährige Verbands-Sportdirektor, zuständig unter anderem für alle olympischen Sparten, erst Ende Oktober kündigte, soll mit all dem nichts zu tun haben. Kager (71) will aus Altersgründen und wegen einer schweren Krankheit im Familienumfeld bis März 2020 aus dem Verband scheiden. Zu Fragen zur Starter-Politik des OEPS wollte er keine Stellungnahme abgeben. Er sei ja noch Verbandsangestellter. Einer, der jahrelang den Kopf für diverse Entscheidungen hinhielt. Und dessen Rücktrittsankündigung für Szenekenner überraschend kam.

Prunthaller indes wird bei den anstehenden Turnieren in München, wo Elisabeth Max-Theurer als Richterin agieren wird, und im belgischen Mechelen versuchen, den Olympia-Quotenplatz für Österreich zu sichern. Sie hat ihren „großen Traum“ vor Augen. „Wir unternehmen alles dafür. Es ist möglich, wenn das Schicksal es so will.“

Der Verband hat da noch ein Wort mitzureden, das ÖOC hat das Entsende-Recht. Der Pferdesportverband ließ am Montag wissen, im Erfolgsfall im Frühjahr 2020 eigene Sichtungsturniere durchzuführen. Wer nach Tokio fährt, stünde dann wieder zur Disposition.

krone Sport
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