29.10.2019 06:00 |

Neues Buch wirft vor:

„Staat hat kein Interesse, alle Morde aufzuklären“

95 Prozent aller Morde in Österreich werden aufgeklärt. Das sieht auf den ersten Blick nach einer recht positiven Statistik aus. Tatsächlich ist es aber so, dass jeder zweite Mord erst gar nicht entdeckt wird. Die Hintergründe zu diesem Thema hat Autor und Publizist Thomas Trescher in seinem neuen Buch „Tot Geschwiegen - Warum es der Staat Mördern so leicht macht“ recherchiert. Moderatorin Damita Pressl hat sich im krone.at-Talk mit ihm darüber unterhalten. Das Buch erscheint am 31. Oktober.

Die Idee für das Buch hatte Trescher durch eine Studie aus dem Jahr 1997. Damals hat sich ein deutscher Gerichtsmediziner Fälle angesehen, die zuerst „als natürliche Todesfälle klassifiziert wurden. Nach einer erneuten Obduktion ist man bei über einem Viertel dieser Fälle draufgekommen, dass es sich dabei nicht um einen natürlichen Tod gehandelt hat“, so der Autor. In seinem neuen Werk beschreibt der Autor auch einige aufgeklärte Fälle, bei denen zuerst ein vermeintlich natürlicher Tod festgestellt wurde.

Auch in Österreich sei die Zahl der Obduktionen (die Obduktionsrate beträgt aktuell ca. zehn Prozent) in den vergangenen Jahren gesunken, sodass man Deutschland und Österreich in dieser Hinsicht durchaus vergleichen könne.

Staat zeige „kein allzu großes Interesse“
Das Grundproblem sei laut Trescher, dass der Staat „kein allzu großes Interesse“ daran habe, wirklich alle Morde aufzuklären: „Wenn man jetzt mehr Morde aufklären will und findet diese auch, dann steigt auch die Mordstatistik. Folglich wird es für den Innenminister schwer zu erklären sein, dass zwar gute Arbeit geleistet wird, die Mordrate aber trotzdem steigt.“ Das würden auch einige ehemalige Gerichtsmediziner aus Österreich bestätigen. Einer der Gründe, warum der Staat nicht alle Verbrechen aufklären wollen würde, sei die Überlastung in der Justiz.

Verdacht, dass einiges übersehen wird
Zurückgegangen seien vor allem die „sanitätspolizeilichen Obduktionen“. Dabei handelt es sich um unklare Todesursachen. Zum Beispiel, wenn jemand tot auf der Straße gefunden wird und man nicht genau wisse, „ob etwa eine Überdosis daran schuld sei oder nicht. Das nährt den Verdacht, dass man gerade bei diesen Fällen einiges übersieht.“

Für eine genauere Aufklärung bräuchte man auch mehr Gerichtsmediziner. Dieser Mangel an Fachkräften liege daran, dass sich weder die Universitäten noch die Justiz finanziell dafür zuständig fühlten, solche Menschen auszubilden. Auch die Ärzte für die Totenbeschau würden immer schlechter ausgebildet und bezahlt, sodass es oft nicht einmal zu einer Obduktion komme.

Markus Steurer
Markus Steurer
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