10.10.2019 10:03 |

Gegen den Stromschlag

Verwirrung um Sprengstoff-Chips in Elektroautos

Von Elektroautos gehen im Fall eines Unfalles Gefahren aus, die wir von Verbrennern nicht kennen. Eine davon ist die Möglichkeit, dass die Karosserie plötzlich unter Strom gesetzt werden kann und Insassen, die sich aus ihrem Fahrzeug befreien, sowie Ersthelfer dadurch in Lebensgefahr geraten. Das wird in modernen E-Autos dadurch verhindert, dass die Stromzufuhr sofort gekappt wird. Der deutsche Zulieferer Bosch will die Zuverlässigkeit dieses Sicherheitssystems nun perfektionieren.

Eine Horrorvorstellung: Man hat einen Unfall mit seinem Elektroauto. Nach dem ersten Schreck löst man den Gurt, freut sich, dass man einigermaßen unverletzt ist, und klettert aus dem Auto. In dem Moment, als man die Karosserie außen berührt, erleidet man einen tödlichen Stromschlag, weil das Hochvoltsystem (400 oder 800 Volt) beschädigt ist.

Prinzipiell keine neue Technik
Eine solche Situation sollen kleine Sprengsätze verhindern, die in Elektroautos die Verbindung zwischen Leitungen und Hochvoltbatterie trennen. Eine kleine Explosion, schon ist das Kabel durchtrennt. Eigentlich keine große Sache, Pyrotechnik wird standardmäßig in allen Autos eingesetzt, etwa für Gurtstraffer oder die Auslösung der Airbags.

Verwirrung ist in den letzten Tagen entstanden, weil verschiedene Medien berichtet haben, dass diese Sprengkapseln nun erstmals eingesetzt werden sollen. Fakt ist: Es gibt sie längst und sie sind Stand der Technik in Elektroautos.

Aber: Es kann vorkommen, dass das pyrotechnische Element nicht ausgelöst wird - und das Auto plötzlich unter Starkstrom steht.

Hier kommt die wirkliche Neuheit
Was Bosch nun vorhat, ist, die Trennung des Stromkabels vom gleichen Halbleiter-Chip steuern zu lassen, der auch für die Steuerung von Airbags zuständig ist. Bisher wurde das relativ simpel gesteuert, aber angesichts immer komplexerer Systeme wird es immer wichtiger, für absolute Zuverlässigkeit zu sorgen. Schlagendes Argument für die Hersteller sind hier durchaus auch kompromisslose Produkthaftungsgesetze.

Beste Voraussetzungen für absolute Sicherheit soll eben der Airbag-Chip bieten, der zuverlässig erkennt, welchen Airbag er wann auslösen muss. Bosch hat ihn erfunden und über die Jahre immer weiterentwickelt und perfektioniert hat. Demnächst soll er nun also dafür sorgen, dass man ein verunfalltes Elektroauto gefahrlos anfassen kann.

Einen eventuellen Batteriebrand kann jedoch auch Bosch nicht verhindern, auch nicht mit Sprengsätzen. Da hilft nur, das brennende Auto in einen großen Behälter zu stecken und zu kühlen, bis sich die Akkus beruhigt haben.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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