Zweite Karriere

Romario ist jetzt Sozialist und will ins Parlament

Fußball
21.05.2010 14:08
Brasiliens Stürmerlegende Romario wechselt das Trikot endgültig gegen Anzug und Krawatte: Der 44-Jährige will für die sozialistische Partei ins Parlament einziehen. Allein an seinem politischen Profil muss er noch feilen. In Brasilien ist "der Kurze", wie ihn seine Fans wegen der Größe von 1,69 Meter nennen, weniger für politisch versierte Vorschläge bekannt. Dafür umso mehr für seine Temperamentsausbrüche, ein exaltiertes Nachtleben und exorbitante Schulden.

Anfang des Monats inspizierte Romario de Souza Faria, der in Rio für die "Partido Socialista Brasileiro" (PSB) antreten soll, bereits seinen möglichen neuen Arbeitsplatz, das Parlament in Brasília. Dabei gab er ein wenig Einblick, wofür er sich einsetzen will, sollte er als einer der 513 "Deputados" gewählt werden. In Fachgebiet Fußball will er etwa den Wegzug allzu junger Talente ins Ausland bremsen.

"Es gibt Gesetze, die die Klubs schwächen. Heute bilden die Vereine Spieler aus und mit 15 Jahren gehen sie ins Ausland. Sie sollten mindestens bis 19 bleiben", sagte er kürzlich dem "Estado de Sao Paulo". Ein weiteres Thema liegt ihm sehr persönlich am Herzen - eine bessere Versorgung von Kindern mit "Down-Syndrom", für die er Behandlungszentren einrichten will. Romarios Tochter Isabela leidet an dieser Krankheit.

Ex-Kicker mit Ecken und Kanten
Streitbar ist der Ex-Stürmer allemal: Seine internationale Fußballer-Karriere ist zu gleichen Teilen gekennzeichnet von spielerischer Brillanz und heftigen Zerwürfnissen mit Trainern sowie oftmaligen Wechseln zwischen Europa und Brasilien. Ob bei PSV Eindhoven, FC Barcelona oder in der Nationalelf - "o Baixinho" legte sich oft und leidenschaftlich mit Spielerkollegen, gelegentlich den Fans und Brasiliens Nationaltrainern an.

Disziplin zählte in Romarios aktiver Zeit sicher nicht zu seinen Stärken. Er schwänzte oft das Training, verlängerte eigenmächtig Urlaubszeiten, geriet wegen angeblichem Drogenmissbrauch, Steuerhinterziehung und nicht gezahltem Unterhalt für seine Kinder immer wieder in die Schlagzeilen und zwischendurch auch in Haft. All dies tat seinem Ruf keinen Abbruch. Die Fans liebten ihn und feierten jede Rückkehr in die Heimat wie ein Volksfest.

Auf dem politischen Spielfeld muss sich der aus einer Armensiedlung von Rio stammende Romario die Sympathie der Wähler erst noch erkämpfen. Für die Sozialisten, die in ihm einen Mann des Volkes sehen, bringt die prominente Verstärkung ein Kampagnen-Plus. "Die Ärmsten in der Bevölkerung brauchen Idole", sagte Rios PSB-Präsident Alexandre Cardoso im September 2009 bei der Aufnahme Romarios in die Partei. Ob Romario in der Politik so erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.

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