21.09.2019 06:30 |

„Prost“ zum Heurigen

Die Sonne im Glas: Zeit für einen Einkehrschwung

Rund um den Neusiedler See wurden schon seit jeher ganz besondere Weine gekeltert. Auch der beste Welschriesling von Österreich kommt derzeit von dort.

Gols im goldenen Altweibersommer. Am Ostufer des Neusiedler Sees gelegen – eingeschmiegt in den Südhang der Parndorfer Platte. Seit Jahrhunderten vermittelt der Ort den Charme eines ursprünglichen nordburgenländischen Winzerdorfes. Späte Sonne zeichnet weich. Tunkt die zum Teil schon abgelesenen Weinhänge in sanftes Licht. Wir tauchen ein in den pannonischen Frühherbst, der die Landschaft hier im Seewinkel in ein buntes Farbenmeer versinken lässt.

„Prost“ zum Heurigen
Erfahren von der Vielzahl der Brauchtums-Veranstaltungen, die meistens mit Wein und Kulinarik verbunden sind und schon ab Mitte September starten. Ihren Höhepunkt dann mit dem traditionellen Martiniloben Mitte November finden. Wo es dann auch wieder das berühmte knusprige Gansl mit den klassischen Beilagen wie Rotkraut, Knödel oder Maroni gibt. Und ab dem 11. 11., wenn der Staubige getauft wird, wieder „Prost“ zum Heurigen gesagt werden darf. Hunderte Winzer rund um den See haben dann ihre Kellertüren geöffnet und präsentieren burgenländische Gastfreundschaft.

Es tut sich also einiges rund um den romantischen Steppensee, der immer mehr zur beliebtesten Urlaubsdestination im Osten von Österreich wird. Kein Wunder, darf man sich auf 300 Sonnentage pro Jahr verlassen. Und auch auf die exzellenten Weine, deren Trauben gerade geerntet wurden. Ja, und gut wird er werden, der heurige Jahrgang. Steht doch ein 9er am Ende der Jahreszahl. Immer schon ein Garant – so sind sich die Neusiedler Winzer einig. Mindestens seit den 50er-Jahren. Aberglaube oder Erfahrung? Nachsatz des Winzers Michael Allacher: „Ohne gute Lagen gibt es sowieso keinen guten Wein! Und die Sonne gehört ins Glas.“ Er bewirtschaftet bereits in 3. Generation das 32 Hektar große Weingut. Und das Wissen wird weitergetragen.

Zeit für einen Einkehrschwung
Wir gehen zu Michael ins Weingut Vinum Pannonia. Der Patron empfängt uns – nicht ohne Stolz. Ist sein Welschriesling doch 2018 zum Bundessieger gekürt worden. Also zum Besten seiner Sorte im ganzen Lande. Aber auch der Grüne Veltliner kann was. Und erst die Roten. Zweigelt, Merlot und Blaufränkisch, die unter pannonischer Sonne reifen durften. Wir reisen – jetzt schon ein wenig hungrig und sehr neugierig – in Das Fritz nach Weiden. Am Ufer des Neusiedler Sees nehmen wir Platz. „Wer Aufmerksamkeit will, muss Wellen schlagen“, lautet hier das markante Motto.

Und die Wellen am See spielen Fangen
Untermalt vom Wind, der hier am Steppensee, den wir uns mit den ungarischen Nachbarn teilen, mit schöner Verlässlichkeit immer weht. Auf der Terrasse angekommen, dürfen wir wählen zwischen gefüllten Seewinkler Spitzpaprika, Ochsenherz-Paradeissuppe, Bratl vom Spanferkel, Dreierlei von der Gänseleber oder Suppe vom Neusiedler-See-Fischen. Überbackene Segel- oder Ruderbrote sind sowieso Klassiker. Für Naschkatzerln stehen dann noch Zwetschkenknödel aus dem Hausgarten, Fritz-Cremeschnitten mit Beeren oder Variationen von der Schokolade auf der Karte.

Weiter geht’s zum Weingut von Johannes Pasler nach Jois. Auch dort überzeugen fruchtige Weißweine. Wir lernen, dass man den Sauvignon Blanc nach der kühlsten Nacht ernten muss. Und dass Weingärten ewig leben. Verkosten andere Kostbarkeiten, wie Chardonnay oder Gemischten Satz. Dann mahnt die Uhr langsam zur Heimreise.

Ein letzter Blick zum See. Wir fahren durch Weingärten, wo das Laub zum Abschied schon Rot aufgetragen hat. In dem guten Gefühl, in einer der schönsten Ecken unseres Landes gewesen zu sein.

Ingrid Altermann, Kronen Zeitung

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