Kulturland OÖ:

Erwischt Kulturvereine doch der schleichende Tod?

Die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF OÖ) ist die Interessensvertretung für 164 Kulturvereine im Land. Ein Jahr nach den Kürzungen sind die KUPF-Geschäftsführer Thomas Diesenreiter und Verena Humer „enttäuscht vom Vorgehen der Landespolitik“. Die freie Szene würde nämlich schleichend ausgetrocknet.

„Es steckt viel mehr als vermutet hinter den Kürzungen der Landesförderungen für regionale Kunst- und Kulturinitiativen“, sagen Thomas Diesenreiter und Verena Humer. „Es wurde mit dem Land vereinbart, dass Rücklagen aus 2017 die Kürzungen im Jahr 2018 abfedern“, so Diesenreiter. Das sei laut Analyse des Rechnungsabschlusses 2018 aber nicht geschehen.

„Löcher stopfen“
Im Gegenteil: Rund eine Million Euro „Übertragsmittel“ wurden in andere Bereiche verschoben, um „andere Löcher zu stopfen“, so Diesenreiter. In landeseigenen Institutionen kam es sogar zu Zugewinn, etwa beim Landesmusikschulwerk, bei der Landesausstellung, obwohl diese abgespeckt wurde (!), bei kirchlichen Trägern...

Sprungbretter für große Namen
Die KUPF-Vertreter orten einen schleichenden Tod der freien Vereine. Diese versuchen mit höheren Eintritten und Getränkepreisen wirtschaftlicher zu werden, doch die Rechnung bezahlen Publikum und (Nachwuchs-)Künstler: „Höherer Eintritt wird zur Hürde“, sagt Thomas Kern (Röda Steyr), „Wir waren Sprungbretter für große Namen wie Parov Stelar“, hört man aus der Kapu Linz. Würde die freie Szene ausgetrocknet, hätten Junge kein Podium mehr.

Erste Stellungnahme des Landes
Für Landeskulturdirektor Reinhold Kräter dagegen ist „die Betrachtungsweise nicht nachvollziehbar (...)“. Er betont die Wichtigkeit der landeseigenen Einrichtungen zur Unterstützung zeitgenössischer Kunst und Kultur. „Jeder Euro des Kulturbudgets wurde und wird für Kunst und Kultur in Oberösterreich verwendet. Die Tatsache, dass die Förderquote für zeitgenössischer Kunst seit vielen Jahren über 90 Prozent liegt, beweist, dass die Direktion ihrem kulturpolitischen Auftrag, Kunst und Kultur in breitem Umfang zu ermöglichen, in jedem Fall nachkommt. Wir stehen in laufendem Kontakt mit den Vertreterinnen und Vertretern der KUPF, den oberösterreichischen Künstlerinnen und Künstler sowie Förderwerbern und werden das auch weiterhin sein“, schließt Kräter.

An Zusagen halten“
Gerda Weichsler-Hauer,
Kultursprecherin der SPÖ OÖ äußert sich ebenfalls zum Landes-Rechnungsabschluss im Bereich Kultur: Wenn sich das Land nicht einmal mehr an bereits zugesagte Hilfen hält, muss man sich die Frage stellen, ob hier nicht bewusst versucht wird, die zeitgenössischen und regionalen Kulturinitiativen finanziell auszuhungern. Landeshauptmann Stelzer ist als Kulturreferent aufgefordert, die kulturelle Vielfalt Oberösterreichs zu sichern“, so Weichsler-Hauer.

Rettet das Kulturland OÖ
Im Herbst 2017 wurde übrigens erstmals öffentlich, dass das Land OÖ große Kürzungen bei den Kulturförderungen plant. Daraufhin startete die KUPF die Unterschriftenaktion „Rettet das Kulturland OÖ“, die innerhalb weniger Wochen von 17.000 Personen unterzeichnet worden war. Trotz der breiten Kritik von Kunstschaffenden, des Landeskulturbeirats und einer breiten Bevölkerung wurden die Kürzungen im Landtag in vollem Umfang beschlossen.

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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