06.08.2019 19:51 |

Farce um Prügel-Video

Eine „Manipulation“, die dann doch keine war

Anfang Juni hat ein Video, das zeigt, wie ein Polizeibeamter in Wien auf eine am Boden liegende Person, die von zwei Beamten fixiert wird, einschlägt, die Runde auf Twitter gemacht. Der Übergriff am Rande einer an sich friedlichen Klima-Demo Ende Mai war auch Thema von gleich drei parlamentarischen Anfragen der NEOS und der Liste JETZT an das Innenministerium. Dass in der Beantwortung zumindest suggeriert wird, dass das Video manipuliert worden sein könnte, sorgt nun erneut für Aufregung.

Zumal das Ministerium in der Beantwortung der Anfrage die Beweiskraft des Videomaterials anzweifelt: „Dass auf dem medial verbreiteten Video mehr Schläge zu sehen sind, ist wohl auf die nachfolgende Bearbeitung (Wiederholung von Sequenzen) zurückzuführen“, heißt es in dieser wörtlich. (Anm.: Das Video - krone.at ist im Besitz der Originalaufnahmen - zeigt innerhalb einer Einstellung insgesamt neun verschiedene Schläge des Polizisten, die betreffende Aufnahme wird in der auf Twitter veröffentlichten Version dann noch dreimal wiederholt.)

Ministerium: Nicht für Interpretationen verantwortlich
Seitens des Innenministeriums zeigt man sich ob der nun aufgeflammten Diskussion überrascht. Die (zumindest leicht irreführende) Formulierung, dass es „wohl auf die nachfolgende Bearbeitung (Wiederholung von Sequenzen) zurückzuführen“ sei, dass mehr Schläge des Polizisten zu sehen sind, habe sich nur auf das in den sozialen Medien gezeigte Video bezogen, beteuerte Oberst Gerald Hesztera, Pressesprecher von Innenminister Wolfgang Peschorn, auf Anfrage von krone.at.

Was aus der Formulierung gemacht bzw. was hineininterpretiert werde, dafür sei man nun wirklich nicht verantwortlich, erklärte er.

Dass im Zusammenhang mit der Anfragebeantwortung plötzlich davon die Rede ist, das Prügel-Video sei „verändert“ worden, dagegen verwehrt sich der Urheber der Aufnahmen, der Aktivist und Jurist Marcus Hohenecker. Das von ihm auf Twitter veröffentlichte Video sei nicht manipuliert worden. Er habe nur die Prügelsequenz mehrmals gezeigt.

„Das ist wie bei einem Fußballmatch: Wenn ein Tor nochmals gezeigt wird, würde auch niemand behaupten, es handelt sich um eine Manipulation“, erklärte Hohenecker.

Debatte um „Auffälligkeiten“
Dass zudem in einem Medienbericht behauptet werde, ein Experte habe „Auffälligkeiten“ gefunden, will sich Hohenecker so nicht gefallen lassen. Den Vorwurf der „Manipulation“ lasse er nicht auf sich sitzen, ließ er am Dienstag wissen und kündigte im Gespräch mit krone.at an, sich mit allen ihm möglichen rechtlichen Mitteln gegen diese Darstellung und „die Verleumdung meiner Person“ zu wehren.

Eine Manipulation sei eine unerwünschte Veränderung, welche die Wahrheit nicht widerspiegle. In dem auf Twitter veröffentlichten Video sei einfach „vier Mal zu sehen, wie es war“. Er habe keine Beweismittel gefälscht, beteuert Hohenecker. Es sei bedauerlich, dass man lediglich über die Echtheit des Videos diskutiere und nicht über den Vorfall selbst.

„Keine Expertise“
Das Video hatte tatsächlich auch Experten des Fraunhofer-Institutes im deutschen Darmstadt beschäftigt. Dessen Abteilungsleiter für Media Security und IT Forensics, Martin Steinebach, habe bestätigt, dass „das Video seine Eigenarten“ habe, hieß es. Dass es eine „erste Expertise“ gegeben habe, sei allerdings eine „übertriebene Darstellung“, erklärte Steinebach im Telefonat mit krone.at.

Die erwähnten „Eigenarten“ könnten nämlich auch eine Folge der Komprimierung der Videodatei beim Hochladen auf Twitter sein, so der Experte, der eigenen Angaben zufolge bis dato nur das auf Twitter veröffentlichte Video, nicht aber die Originalaufnahmen gesichtet hat.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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