17.07.2019 14:14 |

Ketone kommen in Mode

Ist das neue „Wundermittel“ der Radprofis da?

„Marginal Gains“, also minimale Vorteile in allen Bereichen, die in der Gesamtheit den entscheidenden Unterschied ausmachen können. So lautet im Kampf um die entscheidenden Meter und Sekunden bei der Tour de France nicht nur die Zauberformel des Ineos-Rennstalls, der dieses Spielchen über Jahre perfektioniert hat. Sondern auch die von Jumbo-Visma, der bewusst und offen das neue „Wundermittel“ Ketone einsetzt.

Dass das frühere Sky-Team dabei die Grenzen des Erlaubten wie etwa durch medizinische Ausnahmegenehmigungen bei Bradley Wiggins (unten im Bild) und einen mit großem juristischen Aufwand ausgeräumten erhöhten Asthmamittelbefund von Froome aus- und auch überreizt hat, steht auf einem anderen Blatt. Teamchef Dave Brailsford darf sich jedenfalls rühmen, durch Wiggins, Froome und Geraint Thomas sechs der jüngsten sieben Toursiege eingefahren zu haben.

Der Rennstall setzt seit Jahren unter großem finanziellen Aufwand in allen Bereichen Maßstäbe. Jedes noch so kleine Detail wurde unter Brailsford verwissenschaftlicht. Ob komfortablere Rennsättel, Massagegels zur besseren Regeneration, Luftpolster in Rennanzügen oder eigene Matratzen für die Fahrer, Spezialernährung - viele kleine Dinge, die zusammen eine große Wirkung entfalten sollen. Medizinische Ausnahmegenehmigungen kommen bei Ineos laut Brailsford bei der Tour 2019 übrigens nicht zum Einsatz.

Der nächste (legale) Clou - abseits des ohnehin allgegenwärtigen Dopingschattens - ist offenbar der Einsatz von Ketonpräparaten. Beim Jumbo-Visma-Rennstall, der bei der laufenden Tour bisher vier von zehn Etappen gewonnen hat, gehen die Verantwortlichen ganz offen damit um. „Ketone sind Nahrungsergänzungsmittel. Die Substanz steht nicht auf der verbotenen Liste. Es ist bekannt, dass mehrere Teams sie verwenden“, sagte Teamchef Richard Plugge (oben im Tweet) der niederländischen Zeitung „Telegraaf“.

So offenherzig ist Ralph Denk vom Bora-Team nicht und verweist auf gewisse „Betriebsgeheimnisse“, wo es schließlich nicht um banale Dinge wie den Reifendruck ginge. „Wir wären aber fehl am Platz, wenn wir uns dazu noch keine Gedanken gemacht hätten“, sagte der Teamchef der drei Österreicher Patrick Konrad, Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger und fügte hinzu: „Das ist kein Doping. Es hat auch bei uns schon Tests gegeben.“ Ob Ketonpräparate bei Bora zum Einsatz kommen, ließ er offen. Andere Teams wie Sunweb geben an, aufgrund der nicht restlos geklärten (Neben)effekte auf den Einsatz von Ketone zu verzichten.

Ketone: 15 Prozent mehr Leistung?
Ketone werden gewöhnlich im Körper selbst produziert, wenn die Glukosevorräte aufgebraucht sind. Sie dienen quasi als Reserveenergie. In einer Studie der Universität Leuven sollen Wissenschafter herausgefunden haben, dass Ketonpräparate den Ausdauersportlern bis zu 15 Prozent mehr Leistung bringen. Trifft das zu, wäre der Vorteil immens und würde vielleicht ein wenig erklären, warum Jumbo schon 39 Saisonsiege in diesem Jahr eingefahren hat.

krone Sport
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