„Machte keinen Spaß“

Vom Pokerspieler zu E-Sports-Chef

Stefan Schillhabel (32) hat in den letzten Jahren eigentlich als Pokerspieler Karriere gemacht. Nun begeistert er allerdings in der E-Sports-Szene und hat bereits ein ganzes Team um sich herum gegründet. Gemeinsam üben sie in einem Team-Büro in Wien. Wie es zu diesem Wechsel kam? City4U bat ihn zum Interview:

Wie bist du auf die Idee gekommen, Poker beruflich zu machen?

Ich habe Poker immer aus Spaß am Spiel betrieben und während meines Studiums gelegentlich nebenbei gepokert. Anfangs nicht sonderlich erfolgreich, ich habe mich aber dann nach meinem Studium entschieden, dem Ganzen eine Chance zu geben, gemeinsam mit Freunden in eine Poker WG nach England zu ziehen und mich als hauptberuflicher Pokerspieler zu versuchen. Es lief anschließend sehr gut, sodass ich einige Turniere gewinnen und mich dementsprechend durch Poker finanzieren konnte.

Wie kommt man vom Poker auf E-Sport?

In meiner Zeit als Schüler und Student war ich selbst aktiver E-Sportler. Ich habe viel (aber erfolglos) „Counter Strike 1.6“ gespielt und bin anschließend auf das Fußballspiel „Pro Evolution Soccer“ umgestiegen, in dem ich es in die Top10 in Deutschland geschafft habe. Ich konnte so erste E-Sport Luft schnappen, bin deutschlandweit auf Turniere gefahren und habe für zwei professionelle E-Sport Teams gespielt, die uns Spieler immerhin mit Hardware und Reisekostenerstattung unterstützt haben. Nachdem ich mit Poker begonnen habe, hat sich das Zocken bei mir auf ein paar Fifa-Spiele mit Freunden beschränkt. Nachdem ich zwei Jahre professionell Poker gespielt habe, in denen ich sehr viel gereist bin und auf der ganzen Welt Turniere gespielt habe, habe ich etwas den Reiz am Pokerspiel verloren. Deswegen habe ich mich entschieden, nach Wien zu ziehen und meine Zeit wieder etwas anderem zu widmen. Die E-Sport Welt hat mich mein Leben lang begleitet und fasziniert und ich hatte schon lange den Plan, irgendwann wieder in den Bereich zurück zu kehren.

Wieso weg von Poker und nun ein neues Projekt?

Das Pokerspiel ist im Laufe der Zeit durch viele neue Computerprogramme und Analyse-Software sehr theoretisch geworden. Dadurch hat es für mich deutlich an Reiz verloren. Es ist nicht mehr das spielerische Lernen und strategische Denken, was das Spiel und die besten Spieler ausmacht, sondern das korrekte Nutzen von Programmen, die einem das perfekte Spiel ausrechnen können und dass die Spieler dies nur noch auswendig lernen müssen. Dazu kam das viele Reisen, was anfangs natürlich super war und viel Spaß gemacht hat, nach einer gewissen Zeit reicht es aber dann auch und man sehnt sich nach einem festen Zuhause und einem etwas „Alltags-Tauglicherem“ Lebensstil. Als professioneller Pokerspieler ist man entweder acht bis zehn Monate im Jahr unterwegs oder sitzt vier bis fünf Mal pro Woche von 19 bis 5 Uhr morgens vor dem PC. Das Ganze lässt sich also nicht wirklich mit Freundschaften/Beziehungen außerhalb der Pokerszene vereinbaren.

Wie kam es zu der Idee, die Gruppe No Limit GG zu gründen?

Es lag sehr nahe, mit einem eigenen E-Sport Team zu starten. Ich habe sehr viel Research betrieben, Studien und Berichte gelesen, mit Freunden, Familie und Szenekennern gesprochen und anschließend entschieden, dass es die beste Idee ist, meine Pokerkontakte zu nutzen und mit einem Poker-Team zu starten, da wir dort die Bekanntheit haben und schnell Sponsoren finden konnten, die uns das finanzielle Gerüst zur Verfügung stellen, mit dem wir den Aufbau des E-Sport Teams voran treiben können. Nach Betrachtung der DACH E-Sport Team Landschaft, ist mir aufgefallen, dass es in vielen Bereichen noch an Professionalität fehlt. Im Poker haben wir sehr strukturiert gearbeitet, um so erfolgreich zu werden und sich in die Weltspitze zu spielen. Das ist natürlich nicht ganz mit dem E-Sport zu vergleichen, es gibt in meinen Augen aber viele Überschneidungen und ich war und bin mir sicher, dass wir einige Ansätze aus unseren Pokerkarrieren auf E-Sportler übertragen können und diese in ihrer Entwicklung unterstützen können.

Wir versuchen, insgesamt ein sehr professionelles Umfeld zu schaffen, welches mit der Arbeit in großen Sportvereinen zu vergleichen ist. Zu diesem Zwecke haben wir beispielsweise auch ein 150m² Team Büro im 16. Bezirk angemietet und eingerichtet, in dem unsere Spieler zusammen trainieren, analysieren, Sport machen und Sessions mit unseren Coaches abhalten können. Dafür arbeiten wir extra mit einem Sportwissenschaftler zusammen, der die Jungs als Fitnesstrainer und Ernährungsberater unterstützt und haben einen Sportpsychologen dabei, der sich um die mentale Stärke kümmert.

Wieso der Standort Österreich?

Da ich und auch viele andere Mitglieder des Poker Teams in Wien leben, lag der Standort nahe. Perfekt ist es auch, weil wir direkt zu Anfang das österreichische Top-Team verpflichten konnten, das aus fünf Spielern besteht, die alle in und um Wien leben und so gemeinsam lokal trainieren kann, was im E-Sport sehr selten ist, da die Spieler meist aus verschiedenen Städten und Ländern kommen. Für die Zukunft unseres Projektes könnte außerdem die zentrale Lage in Europa eine wichtige Rolle speilen und ist sicher von Vorteil.

# Neben Poker und E- Sports, welche Bereiche möchte No Limit GG noch auffassen?

Wir fokussieren uns komplett auf E-Sport und Poker, wobei es langfristig hauptsächlich um den E-Sport Bereich geht und wir das Ganze irgendwann unabhängig vom Poker-Bereich finanzieren wollen. Dabei werden wir nach und nach mehr E-Sport Spieler und Teams in verschiedenen Spielen unter Vertrag nehmen, sobald unser Konzept komplett ausgearbeitet wurde und wir zahlungskräftige Partner finden, die uns dahingehend unterstützen wollen.

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Vanessa Licht
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