09.04.2019 07:00 |

„Krone“-Interview

Ross Antony: „Ich liebe Schlager über alles“

Ross Antony war Boyband-Star, Musicaldarsteller, Fernsehmoderator, Schauspieler und „Dschungelkönig“. Seit acht Jahren ist der „bunte Hund“ nun fest im Schlager verankert und feiert dort große Erfolge - zuletzt mit dem Album „Schlager lügen nicht“. Im Gespräch mit uns blickt er nicht nur nach vor, sondern auch noch einmal zurück auf sein aufregendes und bewegtes Leben.

„Krone“: Ross, du hast dein neues Album „Schlager lügen nicht“ benannt. Doch gerade im Schlager wird ja wahnsinnig viel überspitzt, vorgegaukelt und auch ein bisschen gelogen. Insofern ist der Titel doch ein Widerspruch in sich.
Ross Antony:
Wir versuchen mit Schlager das Leben zu verschönern. In erster Linie merkst du am Titel sofort, woran du dran bist. Kein Pop, kein Rock, sondern Schlager. Ich mache seit acht Jahren Schlager und habe immer das Gefühl, dass wir innerhalb der Szene eine große Familie sind und die Leute nicht bescheißen. Wir wollen ihnen eine gute Zeit bereiten und haben selbst großen Spaß dabei. Ich habe mit keinem einzigen Interpreten ein Problem. Wir verstehen uns alle bestens.

Warum hat denn der Schlager teilweise immer noch so einen schlechten Ruf, wenn doch alles so schön ist?
Die Leute versuchen den Schlager mit dem normalen Leben zu vergleichen. Die Musik steht aber für gute Laune, Party und eine schöne Zeit. Im echten Leben geht das ja nicht immer so, da gibt es auch schlimme Zeiten.

Jetzt stimmt das mit dem klaren Schlager ohne Pop bei dir auch nur bedingt. Gerade deine Auffassung von Schlager ist sehr poplastig und zeitgemäß.
Wir müssen das nicht so tun, aber viele Künstler sind mit der Zeit gegangen. Schlager ist viel poppiger geworden und das haben Leute wie ich, Vanessa Mai, Helene Fischer oder Melissa gemacht. Ich finde es auch schade, wenn es eine zu große Lücke gäbe und heute sind wir uns sehr ähnlich. Vor acht Jahren hatte man auf den Konzerten ein Publikum von 55+. In den letzten drei Jahren hat sich alles so verjüngt, dass fast jede Show wie ein Feuerwerk ist. Alle haben großen Spaß und es gibt keine Altersbarrieren mehr. Unlängst in Köln waren 80 Prozent unter 40-Jährige. Deshalb waren aber nicht weniger Ältere da, es hat sich einfach vielmehr vermischt. Als ich 1997 nach Deutschland kam, habe ich Musicals gemacht. Damit durften wir Ausschnitte bei Stadtfesten zeigen und man hatte die Möglichkeit, mit Jürgen Drews, DJ Ötzi oder Antonia aufzutreten. Ich sah dann, wie die beim Publikum ankamen und verstand die Faszination dafür.

Vor acht Jahren war Pop im Schlager noch in den Babyschuhen. Was hat dich als jemand, der aus dem Pop kommt, denn so stark dorthin gezogen?
Ich wollte immer Schlager machen, schon vor Bro’Sis. Mein Papa hat immer gesagt, dass alles seine Zeit hat. Bei Bro’Sis habe ich in den fünf Jahren immer gehofft, dass jemand aus dem Schlager zu mir kommen und mich verpflichten würde. Das Label Telamo kam dann auf mich zu und sah mich als perfekten Schlagertyp. Als ich das hörte, fing ich zu weinen an, weil sich ein Traum erfüllte. Nach dem ersten Album hat mich Silbereisen-Produzent Michael Jürgens unter Vertrag genommen. Heute stehe ich da und habe ein Top-10-Album in Deutschland. Das meiste dort ist Rap und Rock und dann kommt eine kleine Schlager-Tussi wie ich. (lacht)

Dass du bereits vorher im Pop- und Musical-Bereich erfolgreich unterwegs warst, war für deine Karriere sicher ein Vorteil.
Definitiv war es das. Ich musste nicht alles von null lernen, hatte die Basis und die Professionalität schon gekannt. Ich liebe Schlager, er ist mein Ein und Alles. Ich kann mir mein Leben ohne Schlager gar nicht mehr vorstellen, auch wenn das von einem gebürtigen Engländer, der zwei Jahre in Wien wohnte und eingedeutscht ist, komisch klingt. Ich hatte nie das Gefühl, dass der Schlager schlechter wird. Die Leute sagten immer, es gab eine Phase, wo er am Boden lang, aber auch da sangen die Leute alle Texte mit. Als ich in die Branche kam, ging der Hype so richtig los.

Du hast in einem Interview erwähnt, dass dir bloße Verkaufszahlen nicht so wichtig wären. Hast du nicht trotzdem einen Wettbewerbsgedanken? Etwas Kompetitives an dir?
Nein, gar nicht, nur die Plattenfirma. Klingt komisch oder? Ich bewerbe auf meiner Instagram-Seite auch die neuen Alben meiner Kollegen. Neid ist das Schlimmste und ich habe ihn nicht. Ich gönne jedem den Erfolg und habe kein Problem damit, dass ich vielleicht nie eine Nummer-eins haben werde. Es gibt im Leben so viel anderes, das wichtig ist. Bei Bro’Sis war die Einstellung anders.

Inwiefern anders? Warum gab es dort Neid und Eifersucht und heute im Schlager nicht mehr?
Einer will immer vorne stehen, mehr singen oder die Interviews alleine machen. Das war immer ein Problem. Ich habe damals schon zu Giovanni gesagt, dass ich das so nie mehr machen werde. Jeder geht seine Wege und entweder mögen dich die Leute oder nicht, aber diese Grabenkämpfe sind nicht notwendig. Giovanni und ich sind auch noch sehr gut befreundet. Dabei sind wir so verschieden. Ich mag Tennis und Golf und er ist großer Fußballfan. Aber wir haben eine Ebene gefunden, auf der die Freundschaft wirklich schön ist. Als Castingband haben wir gemeinsam fünf harte Jahre durchgestanden. Wir mussten immer beweisen, dass wir singen konnten und Talent haben. Das ist bei den klassischen Proberaumbands nicht so extrem. Wir haben immer live gesungen und ich mache das heute noch. Vollplayback wäre unmöglich. Man verarscht damit ja die Leute. Ich verstehe die nicht, die das machen. Das sind für mich keine Künstler.

Bist du heute deshalb so entspannt, weil du bei Bro’Sis schon so viel erlebt hast?
Es ging damals nicht anders, weil die Erwartungshaltung so hoch war. Wir haben bis heute ca. sechs Millionen Platten verkauft, das ist ein Wahnsinn. Alle haben so viel Geld in das Projekt gepumpt. Im Schlager ist das wesentlich entspannter. Natürlich freut man sich über Erfolg, aber er nicht das Wichtigste.

Kommen wir zurück zu „Schlager lügen nicht“. Die eine Hälfte der Songs sind Lieblingsnummern deiner Fans, die andere Hälfte Favoriten deines verstorbenen Vaters. Wolltest du bewusst diese spezielle Ausgewogenheit?
Beim vorigen Album waren die Songs komplett die Favoriten meines Papas, aber ein paar Songs waren noch übrig. Da es nicht reichte, um ein Album zu füllen, habe ich die Fans entscheiden lassen. Im Endeffekt war das die richtige Entscheidung. Meine Fans kommen immer zu mir und erzählen mir alles offen und ehrlich - auch wenn ich mal nicht gut aussehe. Einen Song wie „Anita“ oder Michael-Holm-Nummern sind für mich eine große Ehre. Ich müsste nicht fragen, ob ich sie interpretieren kann, aber ich habe all diese Künstler gefragt, weil ich das für wichtig erachtete.

Hättest du gewisse Songs aus bestimmten Beweggründen auch abgesagt?
Ja, Nummern von Andrea Berg oder Helene Fischer. Das hätten manche gerne gehabt, aber das sind die Königinnen, da will ich gar nicht eingreifen.

Herausstechen tut etwa deine deutsche Version von Gloria Gaynors Kulthit „Ich bin, was ich bin“ - ein Titel, der für dich und deine Fans fast schon programmatisch ist. Es geht um Selbstliebe und darum, Statements zu setzen.
Das Motto ist nicht nur für mich so wichtig. Ich war über die Jahre irgendwie der große Bruder für viele Fans. Sie haben mir viele Geschichten erzählt, aber manchmal geht es mir auch nicht so gut. Wir sitzen aber alle im gleichen Boot und ich will den Leuten sagen, dass es okay ist, so zu sein, wie man ist. Menschen müssen sich nie ändern, für niemanden. Die dürfen alle so bleiben, wie sie sind.

Gerade im Zeitalter der sozialen Medien will man meist jemand ganz anderes sein, der eigentlich gar nicht existiert. Sind dir deine klaren Statements in diesem Zusammenhang gesehen noch wichtiger?
Ich mag lieber Leute, die ein bisschen verrückt sind. Ich mag die perfekte Welt nicht, wo alle irgendwas vorgaukeln. Das interessiert ja auch keinen.

Hast du eigentlich auch schlechte Tage? Du scheinst permanent gut drauf zu sein.
Also schlechte Tage habe ich nicht, aber ruhige Tage. Ich bin wirklich selten schlecht drauf. Ich habe so viel Glück im Leben. Meine Familie ist toll, ich hatte früher einen tollen Vater, habe eine wunderbare Mutter und einen perfekten Freundeskreis. Auch ein Haus mit Kindern und zwei Hunden. Ich habe mir das alles selbst ermöglicht und mit Paul Reeves den perfekten Ehemann.

Das ist dann ja fast schade, dass du das halbe Leben nicht nutzen kannst, da du ja fast permanent unterwegs bist.
Mein Mann plant meine Reisen und achtet penibel darauf, dass ich nicht nur arbeite. Ich bin jede Woche genügend Tage zuhause. Zumindest zwei bis drei, denn sonst wäre es hart. Es ist sehr wichtig, dass man genug Zeit für sich hat. Paul ist Opernsänger und bekommt seine Arrangements ein Jahr im Voraus. So kann ich dann schauen, wann ich freinehmen muss.

Ihr kommt aus zwei völlig verschiedenen musikalischen Welten - befruchtet ihr euch trotzdem gegenseitig kreativ?
Auf jeden Fall. Paul ist Gesangslehrer und er bringt mir wahnsinnig viel bei. Er gibt mir Unterricht und kommt manchmal ins Tonstudio, um mir zu zeigen, was passt und was nicht. Paul merkt sofort, wenn ich geistig nicht voll der Sache bin. Dann stoppt er den ganzen Prozess, weil er die Bedeutung in den Songs nicht hört. Das ist wahnsinnig wichtig. Er arbeitet daran, dass ich alles hinkriege und wenn wir einen freien Tag haben, dann wird auch mal nichts aufgenommen.

Die richtigen Pausen zu finden und mal runterzukommen - musstest du das auch lernen im Laufe der Zeit?
Das hat schon seine Zeit gebraucht. Mit Bro’Sis haben wir alles angenommen, was möglich war, aber mit knapp 45 entscheide ich selbst,, was ich mache. Ich habe auch einige Werbedeals abgesagt, weil sie mir nicht passten. Ich mache lieber etwas sehr gerne und dafür gut. Wer ist heute schon dazu in der Lage, Sachen absagen zu können? Ich bin sehr dankbar, dass ich überhaupt die Möglichkeit dazu habe.

Haben eure Adoptivkinder Rhythmus und Liebe zum Beruf verändert?
Derzeit ist es extrem, weil ich das Album natürlich so gut wie möglich bewerbe. Es ist aber schön zu sehen, dass ich in meinem Leben die richtige Balance gefunden habe. Zuhause kann ich abschalten und dann schalte ich auch mal das Smartphone aus. Ich kann auch daheim Party machen und die Musik aufdrehen - da wir am Land leben, stört das keinen, aber prinzipiell versuche ich daheim zu entspannen und das gelingt mir sehr gut.

Fühlst du dich nach mehr als 20 Jahren hier noch als Engländer oder mehr als Deutscher?
Ich träume mittlerweile auf Deutsch und darin ist mein Deutsch auch nahezu perfekt. Die deutsche Sprache habe ich aber in Österreich gelernt. Ich war damals am Theater an der Wien und dort war Caspar Richter, ein harter Typ. Am ersten Tag im Proberaum stand er auf und sagte allen, ich wäre der einzige Engländer und kein Mensch wird mit mir hier Englisch sprechen. Ich konnte kein Wort, aber nach zwei Monaten hatte ich es ziemlich drauf. Er war aber nie nett zu mir und mochte wohl keine Engländer. (lacht) Ich habe aber hart gearbeitet und kann Richter und Österreich heute dafür danken. Er hätte mir aber schon ein bisschen unter die Arme greifen können.

Eine wichtige Rolle war auch dein steter Kampf gegen Mobbing. Dir ging es als Kind damit sehr schlecht, du hast aber stets offen davon gesprochen. Ist dir das ein besonderes Anliegen?
Ich wurde als Zwölfjähriger von zwei Freunden von meinen Eltern missbraucht. Ich habe nie darüber gesprochen und keine Therapie gemacht und es trotzdem gut hingekriegt. Ich wollte deshalb damit in die Öffentlichkeit, damit alle sehen, dass es jedem passieren kann. Auch einem Schlagersänger, der normal in schönen bunten Farben lebt. Ich wollte Leuten den Mut geben, darüber zu sprechen. Das hätte mir selbst sehr geholfen. Ich wollte meine Eltern nicht verletzen, aber ich hätte zu ihnen gehen sollen. Deshalb konnte ich mit der Geschichte anderen helfen. In der Schule wurde ich gemobbt, weil ich anders war. Ich habe aber einen starken Charakter und um mich runterzukriegen, muss jemand wirklich böse sein. Es gibt aber nicht einen Tag, wo ich nicht daran denke. Man kommt nie ganz darüber hinweg, aber man lernt damit umzugehen.

Für deine Fans und Hörer hast du damit immer ein offenes Ohr?
Die schreiben mich wirklich täglich an. Es geht nicht immer um Mobbing, aber ich versuche allen so gut wie möglich zu helfen. Ich hatte auch ebay-Aktionen, wo ich Geld spendete, weil die Fans ihre Miete nicht zahlen konnten. Wenn die Menschen ein richtiges Problem haben, versuche ich mitzuhelfen, sie auf den richtigen Weg zu bringen. Ich habe eben ein großes Herz. Die Leute sehen, dass ich kein Schauspieler bin und das „Dschungelcamp“ hat mir damals wirklich geholfen, weil ich dort zeigen konnte, wie ich wirklich bin.

Wurdest du davor missverstanden? Hat man dich fälschlich für einen Schauspieler gehalten?
Ich kann mir nur eine Meinung bilden, wenn ich Leute persönlich treffe. Ich finde es schade, wenn sich manche Leute von mir etwas ausmalen, ohne mich zu kennen. Ich lerne die Menschen gerne persönlich kennen und habe überhaupt keine Berührungsängste. Meine Fans machen meinen Erfolg erst ermöglich. Da werde ich natürlich immer dankbar sein.

Hast du noch bestimmte Ziele oder Dinge, die du dir ermöglichen willst?
Wenn ich dir sage, dass ich alle meine Träume erfüllt habe, dann ist das nicht gelogen. Ich habe eine Familie, eine Karriere im Showbusiness und ich reise viel. Am ehesten will ich noch nach Kanada oder auf die Galapagos-Inseln, aber im Leben bin ich glücklich. Ich bin derzeit sehr gesund und das möchte ich noch so lange wie möglich beibehalten. Ich werde heuer zudem das erste Mal eine Rolle in einem Zeichentrickfilm synchronisieren. Der kommt Ende des Jahres raus und damit erfülle ich mir einen weiteren großen Traum.

Den nächsten Liveauftritt in Österreich hat Antony Ende September neben anderen Granden der Schlagerszene bei der großen „Starnacht aus der Wachau“. Weitere Infos und Karten erhalten Sie unter www.oeticket.com

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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