11.03.2010 13:35 |

Missbrauchsfälle

Ansturm auf Kirchenbeitrags- und Ombudsstellen

Die zahlreichen Missbrauchsvorwürfe gegen Mitarbeiter der katholischen Kirche haben zu einem regelrechten Ansturm auf die Ombudsstellen der Diözesen geführt. Auch das Land Kärnten hat nun eine Beratungsstelle für Missbrauchsopfer eingerichtet.

Bei der seit 1995 bestehenden Ombudsstelle der Diözese Gurk-Klagenfurt wurden in den vergangenen Jahren insgesamt sechs Fälle von Missbrauch behandelt und abgeschlossen. Keiner dieser Fälle habe zu einer strafrechtlichen Verurteilung geführt, lediglich in einem Fall habe es gerichtliche Vorerhebungen gegeben, sagte Matthias Kapeller, Sprecher der Diözese.

Durch die starke mediale Berichterstattung sei es aber in den vergangenen Tagen vermehrt zu Kontaktaufnahmen und Anrufen bei der Ombudsstelle gekommen. "Die Ombudsstelle hat den bischöflichen Auftrag, so rasch als möglich zu prüfen, ob tatsächlich neue Missbrauchsfälle vorliegen", sagte Kapeller. Bischof Alois Schwarz hatte zuletzt ein konsequentes Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch in seiner Diözese angekündigt und versprochen, "die Dinge ans Licht zu heben und nichts zu vertuschen" zu wollen.

Zahlen über vermehrte Kirchenaustritte liegen in Kärnten vorerst nicht vor. "Es gibt aber eine verstärkte Frequenz in den Kirchenbeitragsstellen, die Missbrauchsfälle sind ein Thema und die Menschen machen ihrer Empörung Luft", sagte Kapeller.

Auch Land Kärnten richtet Ombudsstelle ein
Anlässlich der aktuellen Debatte über sexuellen Missbrauch hat auch das Land eine Ombudsstelle eingerichtet. Missbrauchsopfer können sich in einem Büro der Landesregierung kostenlos und anonym an eine Psychotherapeutin und einen Anwalt wenden oder sich ab Montag via Hotline telefonisch beraten lassen.

Die Ombudsstelle soll aber nicht nur Betroffenen aus dem Umfeld der katholischen Kirche offen stehen, sondern ist "für alle Opfer", so Soziallandesrat Christian Ragger (FPK).

Man möchte allerdings eine "Vernetzung mit der Kirche suchen", und "ganz offen" zusammenarbeiten, meinte dazu Landesjugendreferent Uwe Scheuch (FPK). Er forderte außerdem schärfere gesetzliche Bestimmungen für Sexualstraftäter, so solle beispielsweise der Strafrahmen für Kindesmissbrauch erhöht, die Verjährungsfrist abgeschafft oder im Verdachtsfall eine sofortige Suspendierung des mutmaßlichen Täters möglich sein und zwingend die Staatsanwaltschaft informiert werden.

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