07.03.2019 15:30 |

Offener Brief

Festungsstadt Kufstein ist bald ohne Seelsorger

Die zweitgrößte Stadt Tirols ist auch die zweitgrößte Pfarrgemeinde der Erzdiözese Salzburg und seit längerer Zeit ohne festen Seelsorger. Der Stadtpfarrer ist schwer erkrankt und wird Kufstein im September verlassen. Ein offener Brief scheint nun die schwierige Situation für die Beteiligten nur noch zu verschärfen.

Im Jahr 2011 übernahm der gebürtige Bad Gasteiner Thomas Bergner den Pfarrverband Kufstein St. Vitus. Innerhalb kürzester Zeit eroberte er durch seine positive Art die Herzen der Menschen. Dieser Einsatz kostete dem 52-Jährigen aber die Gesundheit. Er erkrankte schwer. Ein Krankenhausaufenthalt auf den nächsten Erholungs- und Rehabilitationsaufenthalt bestimmten die vergangenen Monate des Priesters. Gerüchte über seine persönliche Krise und die Zukunft der Pfarre Kufstein machten die Runde.

Aus diesem Grund wollte Gemeinderat Horst Steiner Nägel mit Köpfen machen und brachte die zutiefst menschliche Geschichte mit einem Brief an die Öffentlichkeit. Steiner besteht im Gespräch mit der „Krone“ darauf, dass er diesen Brief als Privatperson und nicht als Kommunalpolitiker an den Erzbischof von Salzburg und an die Medien versandt hat. „Mehrere Personen aus Kufstein traten an mich heran und wollten eine Unterschriftenliste für den Verbleib von Stadtpfarrer Bergner in Kufstein an das Bistum weiterleiten. Ich erklärte ihnen aber, dass ein offener Brief hier der effizientere Weg sei“, teilt Steiner, der vor 16 Jahren aus der römisch-katholischen Kirche austrat, mit.

Wurde Druck auf Pfarrer Bergner ausgeübt?
Seinen Informationen nach wurde auf den allseits beliebten Seelsorger längere Zeit von der Erzdiözese und anderen Seiten dahingehend Druck ausgeübt, dass er sich versetzen lasse. So lange, bis dieser nachgab und die Versetzung unterschrieb, obwohl dies nicht seinem Willen entsprechen würde. Diese Informationen scheinen aber so nicht zu stimmen. Wie von mehreren Seiten bestätigt, wurde niemals Druck auf Pfarrer Bergner ausgeübt, sondern er aus freiem Willen heraus entschied, diesen schweren Schritt zu setzen.

Bergners „Personalchef“, der Generalvikar der Diözese Salzburg, Roland Rasser, gegenüber der „Krone“: „Die ärztliche Diagnose von Thomas Bergner erlaubt die Leitung des Pfarrverbandes Kufstein nicht mehr, da das Aufgabenspektrum einfach zu fordernd ist. Gemeinsam und im besten Einvernehmen sind wir zum Entschluss gekommen, dass ein Neustart in einer kleineren Pfarre jetzt das Beste sei.“ Regionaldechant Pfarrer Theo Mayrhofer sieht im „offenen Brief“ von Horst Steiner Probleme auf den Pfarrverband zukommen: „Dadurch wird es schwierig werden Geistliche zu motivieren, eine Bewerbung für die Pfarre Kufstein abzugeben“.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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