23.02.2019 16:33 |

Sieg für Goggia

Chaos-Abfahrt: Schmidhofer verliert Podestplatz

Topfavoritin Sofia Goggia hat in der durch zahlreiche Unterbrechungen geprägten Damen-Abfahrt in Crans-Montana die Nerven behalten und ihren ersten Weltcupsieg nach Knöchelbruch geholt. Die Italienerin setzte sich vor den Schweizerinnen Joana Hählen (+0,36 Sekunden) und Lara Gut-Behrami (+0,45) durch. Nicole Schmidhofer (+0,52) verlor Stunden nach dem Rennen nach erneuter Zeitenüberprüfung Rang drei.

Die Zeitmessung war gleich mehrmals ausgefallen. Kurioserweise nach den vier Schweizer Läuferinnen Jasmine Flury, Hählen, Gut-Behrami und Priska Nufer, die alle mit einem „did not finish“ ins Ziel kamen, später aber eine Zeit erhielten. Am Ende des Rennens teilte der Ski-Weltverband mit, dass das Ergebnis vorerst inoffiziell sei und alle Zeiten nochmals überprüft werden.

Gleich zweimal musste die Jury rechnen, da es Unklarheiten mit der Regelauslegung bei Handstoppung gab. Im Laufe des Nachmittags ergab das nach Errechnung eines Koeffizienten für drei der vier Schweizerinnen eine Verbesserung. Schmidhofer wurde von Gut-Behrami überholt und rutschte als nun Vierte noch vom Podest, baute die Führung im Abfahrtsweltcup aber aus.

Longines und Swiss Timing haben die Schwierigkeiten bei der Zeitnehmung damit erklärt, dass es Verbindungs-Probleme zwischen der an der Ziellinie installierten Infrastruktur und dem Zeitnehmungs-Raum gegeben habe. Deshalb habe die elektronische Zeitnehmung bei einigen Läuferinnen nicht ausgelöst. Man wolle sich dafür entschuldigen, hieß es in einer Stellungnahme. Longines, der offizielle Partner und Zeitnehmer des Ski-Weltverbandes, und Swiss Timing, das für die Abwicklung vor Ort zuständig ist, seien derzeit mit der Untersuchung des Vorfalls beschäftigt. Bei den betroffenen Athletinnen sei ein händisches Backup-Zeitmessungssystem angewandt worden.

Für Goggia war es der insgesamt sechste Weltcupsieg ihrer Karriere, der erste seit elf Monaten und nach ihrer Fußverletzung im vergangenen Oktober. Schmidhofer hat im Disziplinweltcup 414 Zähler auf dem Konto, gefolgt von Ramona Siebenhofer (354), der Slowenin Ilka Stuhec (343) und Stephanie Venier (335). Im Gesamtweltcup führt souverän die derzeit pausierende US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin mit 1794 vor der Slowakin Petra Vlhova (1075) und der Schweizerin Wendy Holdener (783) sowie Schmidhofer (667).

Das wegen der warmen Temperaturen und hoher Sonneneinstrahlung auf die Piste so früh angesetzte Rennen zog sich zäh wie ein Brei und dauerte 2:15 Stunden. Gleich nach Startnummer eins war das erste Mal unterbrochen worden. Mitfavoritin Stuhec stürzte nach einem weiten Sprung und krachte voll auf den Rücken, fuhr selbstständig ins Ziel ab, wurde wegen Knieschmerzen aber zur Untersuchung ins Krankenhaus von Sion gebracht. Die Aare-Weltmeisterin war erst diesen Winter nach einem Kreuzbandriss zurückgekehrt.

Infolge gab es mehrere Start-Stopps, als auch Lokalmatadorin Gut-Behrami ohne Zeit ins Ziel kam, buhte das Publikum bereits. In der Zwischenzeit wurde die Piste gesalzen, um die Bedingungen halbwegs fair zu halten. Topfavoritin Goggia ließ sich von den Unterbrechungen und ihrem viel späteren Rennstart nicht drausbringen und raste zum Sieg. „Ich bin nicht so gut wie im ersten Training gefahren, bin nicht so gut aus dem Starthaus gekommen“, gestand Goggia, die erleichtert war „wieder auf dem ersten Platz“ zurück zu sein.

Auch die zweifache Saison-Abfahrtssiegerin Schmidhofer durfte letztlich zufrieden sein und freute sich nach der schiefgegangenen WM und „den zähen Trainings“ über das Ergebnis. Sie habe einiges umgekrempelt. Zur Situation im Disziplinweltcup meinte sie: „Dass Ilka nicht ins Ziel gekommen ist, hat mir etwas den Druck genommen, denn der Abfahrtsweltcup ist das Ziel. Ich muss weiter konzentriert arbeiten.“ Geholfen habe ihr, dass man trotz des WM-Abschneides von den Medien nicht zerrissen worden und auch der Zuspruch im privaten Umfeld groß gewesen sei.

„Nicht restlos zufrieden, aber okay“, befand die sechstplatzierte Venier (+0,68). Ratlos zeigte sich indes Siebenhofer. „Man kann ja das Skifahren nicht in ein paar Tagen verlernt haben.“ Das in Aare beleidigte Band und der Knöchel bereiteten keine Probleme mehr und waren nicht Grund für Rang 23. Auch Tamara Tippler gab sich selbst die Schuld. „Ich bin schlecht gefahren. Ich habe die Strecke viel zu viel zerlegt, mir zu viele Gedanken gemacht, normalerweise drücke ich es einfach runter. Heute habe ich es runtergeleert“, sagte die 17. Mirjam Puchner wurde 18., Ricarda Haaser 21., Ariane Rädler 22. und Christina Ager 24. Michaela Heider landete als 36. außerhalb der Punkteränge, Elisabeth Reisinger und Nina Ortlieb schieden aus.

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