13.02.2019 20:01 |

Talk mit Katia Wagner:

„Künstler-Lobby weiß nicht, was demokratisch ist“

Wie politisch dürfen Künstler sein? Über diese Frage hat Katia Wagner mit „Mundl“-Regisseur Reinhard Schwabenitzky, Polit-Quereinsteiger Wolfram Pirchner (ÖVP), Kabarettistin Caroline Athanasiadis und dem ehemaligen SPÖ-Bundesgeschäftsführer und nunmehrigen PR-Berater Josef Kalina diskutiert. Während Schwabenitzky von einer „Künstler-Lobby“ sprach, die nicht mehr wisse, was sozial und was demokratisch sei, versuchte Kalina, Kritik der Künstler an der Obrigkeit nicht unbedingt immer als links einzuordnen, und brachte unter anderem das Beispiel von Umweltschützer Arnold Schwarzenegger, der ein großer Kritiker von US-Präsident Donald Trump, aber sicher nicht links sei. Pirchner bemühte sich, seine Ziele zu vermitteln, sollte er den Sprung ins EU-Parlament schaffen. Athanasiadis hatte viel Lob für Austropop-Ikone Wolfgang Ambros übrig. Seine „braunen Haufen in der FPÖ“ hätte sie aber anders formuliert.

„Ist eine andere Meinung als die der Künstlermehrheit rechts?“, fragte Regisseur Reinhard Schwabenitzky („Ein echter Wiener geht nicht unter“) kürzlich seine Fans auf Facebook oder schilderte in einem weiteren Beitrag, wie ihm einmal bei einer Veranstaltung von einem Parlamentsabgeordneten geraten wurde, sich ein Parteibuch zuzulegen. Bis heute besitze er keines. Er sei „kein Freund von parteipolitischem Denken“.

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Am Mittwochabend im „Krone“-Studio stellte Schwabenitzky gleich zu Beginn klar, dass man sofort in das rechte Eck gestellt werde, wenn man mit seiner Meinung nicht den Linken entspreche. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer „Künstler-Lobby“, die gar nicht mehr wisse, was sozial und was demokratisch sei. „Das ist eine faschistoide Ideologie.“

Schwabenitzky: „Suche mir immer raus, was mir bei einer Partei passt“
Die Kritik an seiner Person lässt den Regisseur gänzlich kalt. „Ich bin halt anders. Ich such mir immer raus, was mir bei einer Partei passt. Man soll das kritisieren, was einem nicht passt, aber nicht die gesamte Partei. Ich glaube nicht, dass die Nazis das Dritte Reich gemacht haben. Ich glaube, dass es die schweigende Mehrheit war, die es zugelassen hat.“

Pirchner: „Es gab viel Lob, aber auch die Frage nach dem Warum“
Pirchner erklärte seinen Wechsel von den Medien in die Politik damit, dass er „Botschafter bzw. Übersetzer für die Botschaften aus Brüssel“ sein möchte. Die Wähler würden die EU-Politik oft nicht verstehen. Als früherer Moderator etlicher Volksmusik-Events sowie kurzzeitig auch der „ZiB“ schwingt der Ex-Dancing-Star und Autor mehrerer Motivationsbücher nun sein Tanzbein auf dem politischen Parkett. Und dieses ist offenbar auch mit Anfeindungen gesäumt. „Es gibt viel Lob und Zuspruch. Es gibt aber natürlich auch die Frage: ‚Warum tun Sie sich das an?‘“, erinnerte sich der ehemalige ORF-Star.

Pirchner, Sohn eines „ur-sozialistischen Vaters“ und einer Mutter, „die schwarzes Blut in den Adern hatte“, lehnt „jede Form von Extremismus“ ab. Auf die Frage, ob es denn eine Mainstream-Meinung gebe, meinte der türkise EU-Kandidat: „Ich sitze lieber am Stammtisch als im Promi-Lokal.“

Kalina: „Kritische Kunst wird falsch als links eingeordnet“
PR-Berater Kalina sieht mehr Kritik der Obrigkeit als Parteipolitik hinter den künstlerischen Werken: „Die Kunst unserer Zeit schaut immer hinter die Kulissen. Die Autorität hat immer ein Problem mit der Kunst. Aber sie wird falsch links eingeordnet, weil sie kritisch ist. Klimt und Schiele waren sicher keine Linken, aber sie waren kritisch. Natürlich engagieren sich in den USA die Künstler aufseiten der Demokraten, aber die würde ich nicht als links bezeichnen. Arnold Schwarzenegger ist sicher kein Linker, aber er kritisiert als Umweltschützer den Donald Trump.“

Athanasiadis: „Gut, dass Ambros FPÖ-Einzelfälle kritisiert hat“
Befragt zur FPÖ-Kritik von Austropop-Legende Wolfgang Ambros, meinte Kabarettistin Athanasiadis, dass es gut gewesen sei, über die „Einzelfälle, die sich derzeit mehren“, zu sprechen. Allerdings hätte man das auch anders formulieren können, gab die „Kernölamazone“ zu. Sie könne als Mensch mit Migrationshintergrund gar nicht anders, als zu manchen politischen Debatten etwas zu sagen. Allerdings schränkte die Sängerin ein: „Aber ich hau niemandem eine drüber.“

Athanasiadis hat eine eigene Erklärung dafür, dass Künstler oft links wahrgenommen werden: „Es ist halt jahrzehntelang so gewesen, dass die Sozialpolitik eher links war. Daher wurden auch Künstler, die sich sozial engagiert haben, automatisch ins linke Eck gestellt.“ Konservativ zu sein, sei aber nicht schlecht. Der selbst ernannte Volks-Rock‘n‘Roller Andreas Gabalier sei eben „so aufgewachsen“. „Es heißt nicht, wenn ich Dirndl trage, dass ich rechts bin“, gab die Künstlerin zu bedenken.

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