Sa, 23. Februar 2019
18.01.2019 06:00

Aggression beim AMS

„Eine Extremsituation ist keine Entschuldigung“

Hoffnungslosigkeit und Ärger sind bei der Arbeitssuche häufig Begleiterscheinungen. Frust und Aggressionen bekommen dann nicht selten die AMS-Mitarbeiter zu spüren. Ein Stimmungsbild aus ganz Österreich.

In ganz Österreich kommt es immer wieder zu Problemen: von verbalen Fehltritten bis hin zu schweren Drohungen. In Kärnten mussten die Zentrale in Klagenfurt sowie die Dienststelle in Villach gar wegen Bombendrohungen geräumt werden. „Unsere Klienten befinden sich oft in extremen Situation, da geht es nicht selten um die Existenz - was allerdings Entgleisungen auf keinen Fall entschuldigt“, sagt Bernhard Bereuter, AMS-Chef aus Vorarlberg.

Securitys und intensives Training der Mitarbeiter
Um dem Aggressionspotenzial entgegenzuwirken, werden Mitarbeiter geschult. So gibt es eigene Kurse wie Beratungs- und Konfliktmanagement und Schulungen der Polizei. Weil der Schutz der Mitarbeiter an erster Stelle steht, gibt es in vielen Dienststellen eigene Securitys.

„Das trägt maßgeblich zur Deeskalation bei und hat sich sehr gut bewährt“, sagt Franz Zewell, AMS-Chef aus Kärnten. Auch in Innsbruck kommen Sicherheitskräfte zum Einsatz, wie der Geschäftsführer in Tirol, Anton Kern, erklärt. Dort gab es 2018 rund hundert Fälle von aggressivem Fehlverhalten - fünf davon wurden angezeigt.

Bei gar keiner Einsicht kommt Brief vom Anwalt
In Salzburg kam es zu acht Anzeigen. Die Betreuer im AMS fordern nach solchen Fällen eine Entschuldigung. Wenn jemand gar nicht einsichtig ist, wird die Sache einem Anwalt weitergegeben. „Wir machen das nicht leichtfertig. Es sind Arbeitslose, die wenig Geld haben“, betont Jaqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin in Salzburg. Der Anwalt fordert dann einen Geldsatz in der Höhe von 150 bis 200 Euro. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen bei den nächsten Beratungen einsichtig sind und sich entschuldigen“, schildert Beyer.

Während in der Steiermark eine Zunahme der Aggressivität festgestellt wird, heißt es aus Wien, „es ist in den vergangenen Jahren sicher nicht mehr geworden“. Im Burgenland sei die Welt meist noch in Ordnung, manchmal gebe es Drohungen - etwa von Ex-Häftlingen. Für die Mitarbeiter wurde deshalb eine Ombudsstelle eingerichtet. In Niederösterreich kam es bei insgesamt 147.500 arbeitslosen Menschen im Vorjahr zu 71 Fällen von stark auffälligem Verhalten.

Gerhard Straßer, Chef in Oberösterreich, gibt der guten Wirtschaftslage mitunter „Schuld“ an der Problematik: „Weil es ein Überangebot an Jobs gibt, steigen die Aggressionen, denn die Kunden wollen nicht alles annehmen, was ihnen angeboten wird.“ Dabei gebe es zwei Gruppen: „alte, gesundheitlich angeschlagene Personen, die oftmals wirklich nicht mehr können, und Langzeitarbeitslose, die lange mit ihrer ablehnenden Grundhaltung durchkamen, denen jetzt aber mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird“, erklärt Straßer.

Übrigens: Aggressives Verhalten von In- und Ausländern hält sich laut Straßer zahlenmäßig die Waage, bei den Ausländern dominieren aber die Männer.

Kronen Zeitung

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