Sa, 20. Oktober 2018

„Die Szenekundigen“

02.10.2018 06:01

SIE haben die Fanszene als Ultras-Experten im Auge

Sie halten Kontakt zu allen Fanclubs von Rapid, Austria, den Capitals und Co. - und doch sind sie Teil der Polizei. Für die heimischen Fußball-Klubs in der 1. und 2. Bundesliga ist es seit Jahren Pflicht, über einen szenekundigen Dienst zu verfügen. Doch auch in unteren Ligen - etwa beim GAK oder Austria Salzburg - und bei anderen sportlichen Großveranstaltungen verlässt man sich auf die erfahrenen Beamten. Die Szenekundigen (SKB) beobachten die gesamte Kurve, schreiten dabei aber nur präventiv ein und kennen sowohl Fortschritte als auch schwarze Schafe der Clubs in- und auswendig.

„Wir sind nicht die mit der Glaskugel, die über alles Bescheid wissen, was wann passiert“, nimmt SKB-Chef Wolfgang Lang im Gespräch mit der „Krone“ seine Beamten aber in Schutz. Die 30 Wiener Polizisten, die zwar mit Pistole und Pfefferspray, aber nicht mit Panzerungen und Schlagstock ausgestattet sind, geben Woche für Woche ihr Bestes, um Sportstätten für alle Besucher zu einem sicheren Ort zu machen. Dass das nicht immer möglich ist, liegt auf der Hand. Denn es kann jederzeit krachen - siehe der unrühmliche Platzsturm im Wiener Derby.

Man sei bei der Recherche und vor Ort natürlich nicht fehlerfrei, und doch übersehen die SKB nur äußerst selten Anzeichen für bevorstehende Eskalationen, wie Christian Doneis betont. Der Hüne ist schon seit 2002 vor allem beim SK Rapid im Dienst - und weiß stets, mit wem er reden muss, um Ausschreitungen vorzubeugen. Es bewege sich jedenfalls etwas in der Wiener Szene, wie beide betonen. Polizisten anderer Länder würden regelmäßig mit Neid auf den Kontakt zwischen Fans und Beamten hierzulande blicken.

Dieser funktioniere besser, als es die meisten Zuseher wahrhaben würden. Die wahre Kunst für die SKB ist aber, eine gesunde Distanz zu bewahren. „Es ist ein Schauspiel“, erläutert Lang den Kontakt zu den organisierten Fangruppen. Wichtig sei ein respektvoller Umgang miteinander. Denn man sei erster Ansprechpartner für Capos und Ultras der Sportvereine, aber trotzdem in erster Linie im Stadion, um Recht und Ordnung zu vertreten. Zumindest so lange, bis es kracht.

Stefan Steinkogler, Kronen Zeitung

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