Mo, 17. Dezember 2018

„Ich springe nicht!“

20.09.2018 12:55

Klippenspringen auf den Azoren

Mitten im Atlantik. Weit weg vom Festland befinden sich die Azoren. Geformt von Vulkanen, saftig grün und umgeben von tiefblauem Meer. Ein Ort zum Wohlfühlen, zum Erholen, zum Genießen - oder um sich todesmutig aus den steil aufragenden Klippen in die Tiefe zu werfen.

Zugegeben: Wohl fühle ich mich gerade nicht in meiner Haut. Es ist mir einfach zu hoch, zu nass und vor allem viel zu tief. Ich stehe oben am Klippenrand, schaue in die Tiefe. Unter mir brandet der Atlantik mit lautem Getose gegen die Felsen. Und ich stehe noch immer oben. „Go for it“, versucht mich Orlando zu motivieren: „Let go!“ Der hat leicht reden, denke ich mir. Orlando Duque, der Kolumbianer, eine Legende, eine Ikone im Klippenspringen. Selbst von Eisbergen in der Antarktis hat sich der mehrfache Weltmeister schon hinuntergestürzt. Aber ich fühle mich in den Bergen einfach viel wohler, wo in der Felswand ein Loslassen halt ein absolutes No-Go ist.

Nur wenige Stunden zuvor habe ich zum ersten Mal die wunderbare Inselwelt der Azoren betreten. 1300 Kilometer vor der Küste Europas und 1900 Kilometer von Kanada entfernt, befindet sich das portugiesische Inselarchipel, versteckt mitten im Atlantik. Und ich bin auf São Miguel, der größten der neun Inseln, und habe mich verliebt. Denn São Miguel ist die mit Abstand schönste Insel, die ich bis dato besucht habe. Und wenn die anderen Inseln des Azoren-Archipels nur halb so schön sind wie die Hauptinsel mit der Hauptstadt Ponta Delgada, will ich sie alle sehen. Ein Natur- und Wanderparadies.

Denn hier leben beinahe mehr Kühe als Menschen. Bauern bewirtschaften mit ihren Traktoren im Einklang mit der Natur ihre Felder, und die Fischer holen direkt aus dem Ozean nachhaltig Schwertfisch, Kabeljau und andere Meeresspezialitäten, die fangfrisch in den Restaurants zubereitet werden. Und dann diese schier endlose Blumenpracht: Hortensien, teils riesengroß, finden sich hier überall. Außerdem gibt es heiße Quellen, die vom vulkanischen Ursprung der Inseln zeugen. Darin zu baden ist ein besonderes Vergnügen: schön warm, mit Schwefel-Aroma.

Ruhe, Erholung und Entspannung
Unser hektischer Alltag scheint hier ein Fremdwort zu sein, denn sämtliche Krisen und Probleme unserer Erde scheinen einfach Tausende Kilometer entfernt zu sein. Dafür Ruhe. Nachts im Hotelzimmer im Santa Barbara Eco Beach Resort wache ich sogar auf, weil ich nichts höre. Gar nichts. Keinen Ton. Die absolute Stille, einfach unbeschreiblich schön. Denn Klimaanlagen braucht’s auf den Azoren trotz ozeanisch-subtropischen Klimas so gut wie nicht, denn die Winter sind sehr mild und die Sommer nicht so heiß. Wen wundert es da, dass immer mehr Urlauber Ruhe, Erholung und Entspannung auf den Azoren suchen?

Ilhéu de Franca do Campo
Nur einmal im Jahr wird es belebter, und die Insel rückt in den internationalen Fokus. Denn seit 2012 sind die Azoren ein Fixpunkt der faszinierenden Red Bull Cliff Diving World Series. Ein sehenswertes und exklusives Spektakel. Denn der einzigartige Austragungsort befindet sich vor der Küste São Miguels: Die Insel Ilhéu de Franca do Campo ist ein kleines, wunderschönes Naturschutzgebiet des Azoren-Archipels und weltweit der einzige Ort, wo diese fantastische Sportart zu ihren jahrhundertealten Wurzeln zurückkehrt und die Athleten barfuß direkt von den Klippen ins Meer springen können. Nur als Zuseher live dabei zu sein ist schon etwas ganz Besonderes, dann auch noch selbst von diesen Klippen zu springen eigentlich so gut wie unmöglich. 

Deshalb haben sich die kreativen Köpfe bei Red Bull etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Außergewöhnliche Reisen mit exklusivem Zugang zu herausragenden Persönlichkeiten und einzigartigen Erlebnissen. Etwa Offroad-Abenteuer mit Rallye-Dakar-Champ Matthias Walkner, als Co-Pilot mit Ex-Weltmeister Peter Besenyei am Red Bull Air Race in Budapest teilnehmen, mit dem norwegischen Skihelden Aksel Lund Svindal durch die Wälder und Berge von Oslo mountainbiken, oder man lässt sich von den Doppel-Olympiasiegern Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher in die Kunst des Extremsegelns einführen, bei einer Wettfahrt-der-Extreme-Sailing-Series vor der prächtigen Küste von San Diego/Kalifornien. Und natürlich Klippenspringen gemeinsam mit Orlando Duque als Coach.

Und so sitze ich nun an Deck eines hochmodernen 14-Meter-Katamarans, der direkt unter den steilen Felsklippen ankert, und staune, wie Steve LoBue, Gary Hunt oder die anderen Größen der Klippenspringer-Szene sich in die Tiefe stürzen und dabei Salti und Schrauben in die Luft zaubern. Auch wenn’s nach Action und Spaß aussieht, Red Bull überlässt hier nichts dem Zufall. Zu groß ist die Gefahr von Verletzungen, wenn man aus 27 (!) Metern in die unberechenbaren Fluten des Atlantiks stürzt. Abseits der perfekten Bilder unternimmt man hier alles, um das Verletzungsrisiko der Athleten so gering wie möglich zu halten. Und genauso perfekt ist die Reise organisiert. Denn an Bord der „Water and Wind“ fehlt uns rein gar nichts. Fangfrisches Seafood wird aufgetischt, und wer will, der taucht ab in die wunderbare Unterwasserwelt, wo man mit etwas Glück auch Blauwale, Pottwale und natürlich Delfine beobachten und teils sogar mit ihnen schwimmen kann.

Und jetzt stehe ich noch immer oben am Klippenrand. Gefühlte 50 Meter unter mir schwimmen bereits Sophia, Pip und Berti in den Fluten. „Come on!“ rufen mir die drei Briten zu. Auf den Klippen haben sich mehrere Athleten eingefunden, um mich kräftig anzufeuern. Mit einem supersympathischen Grinsen im Gesicht steht Orlando neben mir. So was von Gruppenzwang. Ich schließe die Augen, gebe mir innerlich einen Ruck, und ich fliege Bruchteile von Sekunden später tauche ich ins warme Meerwasser ein. Ein Wahnsinn.

Hannes Wallner, Kronen Zeitung

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