Do, 18. Oktober 2018

Peinliche Realität

05.06.2018 15:02

Besorgniserregend! Eltern als Fußball-„Hooligans“

Wenn der eigene Sohn, die eigene Tochter das Fußballfeld betritt, dann ist es bei manchen Eltern um die Vorbildwirkung geschehen. Ein Problem, das Woche für Woche von den Allerkleinsten (Bambini-Gruppen mit Vierjährigen) bis hin zur Profi-Vorstufe bei Vereinen wie Salzburg, Rapid oder Austria zur (peinlichen) Realität wird.

Der Skandal-Auftritt eines Spieler-Vaters am letzten Sonntag in der dritthöchsten Liga Kärntens ist leider nur die Spitze des Eisberges. Er prügelte den Schiedsrichter krankenhausreif, weil sein Sprössling die Rote Karte sah.

Spielabbruch in der U16
Ebenfalls letztes Wochenende wurde in Wien das U16-Match zwischen dem FavAC und Fortuna 05 abgebrochen. Der Unparteiische wurde derart wüst beschimpft und bedroht, dass er das Spiel vorzeitig beendete. Bei einigen Spieler-Papas brannten daraufhin die Sicherungen durch, im Kabinengang wurden Watschen verteilt. Das alles vor den Augen der Kinder. Die Problematik kennt natürlich keine Landesgrenzen. Ein Match der Admira-U12 bei einem großen Turnier in Deutschland endete vor einigen Jahren skandalös, nämlich nach einem Platzsturm der „gegnerischen“ Eltern. Dass ein Trainer, der ehrenamtlich arbeitet, als „glatzertes A...loch“ beschimpft wird, weil er den Sohn auswechselt, kommt leider ebenfalls vor.

Was kann man dagegen tun? Fast jeder Verein hat mittlerweile einen Verhaltenskodex für die Spieler-Eltern. Der vor Meisterschaftsbeginn verteilt wird. Und in dem um positive Unterstützung für die Kinder und Respekt für Trainer und Gegner gebeten wird. Und wenn das alles nicht hilft? „Erste Konsequenz ist ein Platzverbot für den Elternteil. Die zweite, dass man sich vom Spieler trennen muss. Was meistens wirklich wehtut“, erzählt Hannes Steiner, der seit vielen Jahren als Nachwuchstrainer arbeitet, derzeit die U14 von Fortuna 05 betreut.

Der gute Rat von Alaba
Nicht nur im Fußball ist das Problem der überehrgeizigen Eltern groß. Besonders „gefährdete“ Sportarten sind Turnen, Eiskunstlauf und Tennis.

Dabei wäre es doch so einfach, wie das beste Beispiel David Alaba zeigt. Der von seinem Papa George seit frühen Kindertagen behutsam Richtung Fußball-Weltspitze begleitet wurde. Der Rat der Alabas an alle Kids: „Das Wichtigste ist, dass die Kinder Spaß am Fußballspielen haben. Der Rest kommt von selbst… “

Interview mit Ralf Muhr, Nachwuchs-Chef der Wiener Austria:

„Krone“:Welche Regeln habt ihr bei der Austria punkto Verhalten der Spieler-Eltern?
Ralf Muhr: Wir haben vor jeder Saison mit jeder Mannschaft ein tiefgehendes, eindringliches Gespräch mit allen Eltern. In dem wir allen klarmachen, dass wir uns über positive Unterstützung freuen, es aber klare Richtlinien gibt.

Gespräche, die aber wahrscheinlich nicht immer fruchten … 
Es gibt leider immer wieder Eltern, die zu viel Druck auf ihr Kind ausüben. Die Trainer kritisieren. Warum spielt mein Kind nicht mehr? Warum trägt mein Kind nicht die Nummer neun auf dem Rücken? Uns ist klar, dass Mama, Papa, Oma, Opa ihr Kind mit anderen Augen sehen. Deshalb ist unser Verhältnis auch bewusst gut, aber nicht freundschaftlich, sondern distanziert.

Gibt es besonders problematische Altersstufen?
Je jünger die Kinder, umso kritischer. Denn in jungen Jahren sind Bezug und Einfluss der Eltern natürlich besonders groß.

Gibt es auch Kinder, von denen ihr euch aufgrund des Verhaltens der Eltern trennen müsst?
Das ist nicht die Regel, kommt aber leider immer wieder vor. Wenn Eltern ihrem Kind einreden, dass der Trainer sowieso ein Trottel ist, dann sorgen sie für fehlende Kritikfähigkeit, fehlenden Respekt. Und damit schaden sie ihren Kindern. Diese Eltern stehen den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes im Weg.

Alexander Hofstetter, Kronen Zeitung

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