Do, 16. August 2018

IGGÖ-Präsident:

06.05.2018 09:30

„In Wien brauchen wir keine Moscheen mehr“

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ibrahim Olgun, sieht keinen Bedarf für weitere Gebetshäuser in den Städten: „In Wien brauchen wir keine Moscheen mehr.“ Für die Kriegsinszenierung mit uniformierten Kindern sieht er den Imam der betroffenen Moschee mitverantwortlich. An die Muslime appellierte er, sich besser zu integrieren.

„Wir müssen uns mehr darauf konzentrieren, dass wir andere wichtige Einrichtungen haben, die alle Menschen betreffen“, so Olgun im APA-Interview. So gebe es zu wenig Flüchtlingsunterkünfte, Waisenhäuser und Schulen. Dennoch ist der IGGÖ-Präsident davon überzeugt, repräsentative Moscheen mit Kuppel und Minarett „österreichischer Prägung“ seien eine Bereicherung. Aber: „Was sollen wir mit einer Moschee machen, wenn die Gesellschaft Vorurteile hat und diese Moscheen als parallele Strukturen sieht?“

„Imam hatte keine Ahnung, wie das hier ist“
Rund 350 islamische Gebetshäuser unterstehen der IGGÖ - auch jenes des türkischen Vereins ATIB, das aufgrund von Kriegsinszenierungen mit Kindern in den Fokus der Politik geraten war. Die Veranstaltung sei offenbar eine Idee des dortigen Geistlichen gewesen, bestätigt Olgun mittlerweile. „Der Imam hatte keine radikalen Gedanken, nur: Er hatte keine Ahnung gehabt, wie das hier ist. Dass so etwas in Österreich in einer Moschee keinen Platz hat.“

Verärgert zeigt sich Olgun, der den Vorfall bereits öffentlich verurteilt hat, über den Umstand, dass geistliche Räumlichkeiten für eine unangemessene Veranstaltung benutzt worden seien. „Ich bin nicht dagegen, dass irgendwelche angemessenen Gedenkveranstaltungen im legalen Bereich gemacht werden. Aber ich habe ein Problem, wenn sie im Gebetsbereich gemacht werden“, weist er auch auf das neue Islamgesetz hin, welches dies regelt.

„Haben nicht 350 Personen, die wir als Wachposten aufstellen können“
Dennoch ist es laut dem IGGÖ-Präsidenten schwer, alle Einrichtungen ständig zu kontrollieren. „Wir haben nicht 350 Personen, die wir 24 Stunden vor einer Moschee als Wachperson aufstellen können“, meint er dazu. Dennoch sei die Glaubensgemeinschaft stets bemüht, unter anderem durch Schulungen auf die rechtliche Lage aufmerksam zu machen. Er verweist auf den jüngst verabschiedeten Kriterienkatalog für Moscheen und Imame.

„Das Ansehen unserer Moscheen wurde beschädigt und das darf nicht der Fall sein“, bedauert Olgun die Vorfälle. Die Reaktion der Politik auf solche Vorfälle sieht er dennoch überzogen. Es sei „sehr schade und sehr traurig“, dass Muslime dadurch unter Generalverdacht gestellt würden. Sollte eine Kirche oder Synagoge betroffen sein, geschehe dies nicht in diesem Ausmaß. Mit dem Kultusamt, das mit der Aufklärung der Vorfälle betraut ist, werde man jedenfalls weiter eng zusammenarbeiten.

„Den meisten Schaden haben leider Muslime angerichtet“
An die Muslime in Österreich richtet der Präsident der Glaubensgemeinschaft einen Appell: „Sie sollen sich bitte vorbildhaft in die Gesellschaft einbringen.“ Ein aufeinander Zugehen „anstatt übereinander zu sprechen“, wünscht er sich auch von der Mehrheitsgesellschaft. Dennoch meint er: „Den meisten Schaden an unserer Religion selbst haben leider unsere eigenen Muslime angerichtet. Ich kann das seit zwei Jahren in meiner Funktion als Präsident bestätigen.“

 krone.at
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