Di, 26. März 2019
23.10.2009 16:47

Knallhart

Fronteinsatz mit "Operation Flashpoint"

Wie sich die Zeiten ändern: In den Achtzigern war für die westlichen Mächte die Sowjetunion der große Gegner. Danach kam die Achse des Bösen, wie es ein ehemaliger US-Präsident plakativ formulierte. In Codemasters "Operation Flashpoint: Dragon Rising" sind es schließlich die Chinesen, die für eine zwischenstaatliche Verstimmung sorgen. Ohne viel Aufheben haben sie die russische Insel Sikra besetzt.

In ihrer Verzweiflung wenden sich die Russen daraufhin ausgerechnet an ihren ehemaligen Erzfeind USA und ersuchen diesen um Hilfe. Die Amis lassen sich natürlich nicht zwei Mal bitten und setzen umgehend ihre Kriegsmaschinerie in Gang.

Die erste Mission beginnt am frühen Morgen, als die gerade aufgehende Sonne die Umgebung noch in ein fahles und schummriges Licht taucht. Der kleine Trupp, dem wir selbst angehören, soll Luftabwehrstellungen aus dem Weg räumen. Nachdem die ersten Meter in geduckter Haltung zurücklegt wurden und kein Feind in Sichtweite ist, verfliegt die Vorsicht allmählich. Die nächsten Kilometer passiert dann erst einmal gar nichts, ist die Insel doch immerhin auch 200 Quadratkilometer groß.

Als den Kameraden gerade die Lust am Hatschen zu vergehen scheint, eröffnet der Gegner plötzlich das Feuer. Hastig wird Deckung hinter einem Baum gesucht und versucht, das Feuer zu erwidern. Kein leichtes Unterfangen, lassen das schlechte Licht und die üppige Vegetation doch nur schwer ein klares Ziel erkennen. Auch deshalb, weil sich der Feind dank ausgereifter KI gut zu verstecken weiß und ziemlich clever agiert.

Leider gilt das nicht unbedingt für die eigenen Kameraden, die immer wieder an Objekten hängen bleiben oder unmotiviert vor den Lauf des Gegners laufen. Das ist insofern tragisch, weil jede Verwundung unmittelbare und im Gameplay spürbare Auswirkungen für das Opfer hat. Während ein direkter Kopftreffer das sofortige Ende bedeutet, führen andere Treffer zu deutlichem Blutverlust. Ausreichend Verbandsmaterial sollte daher vorhanden sein.

Doch auch die Erstversorgung schützt nicht gänzlich vor körperlichen Beeinträchtigungen. Hat es beispielsweise das Bein erwischt, ist fortan kein Sprinten mehr möglich. Wird der Arm in Mitleidenschaft gezogen, fällt das Schießen fortan schwerer. Da Medipacks Mangelware sind, ist ein besonders umsichtiges und vorsichtiges Vorgehen daher Pflicht.

Realismus wird schließlich großgeschrieben, was nicht zuletzt auch daran zu erkennen ist, dass der Spieler nicht als Ein-Mann-Armee fungiert, die eine Gegnerwelle nach der anderen abzuwehren hat. Stattdessen kommt es auf das richtige Zusammenspiel des Teams an, wobei in gewohnter Manier Befehle wie "Stürmen" oder "Sperrfeuer" an die Kameraden erteilt werden können. Trotz des hohen Grads an Realismus ist die Steuerung herrlich unkompliziert und benötigt so gut wie keine Einarbeitungszeit.

Einzig bei den zahlreich vorhandenen Fahrzeugen gibt sich die Steuerung mitunter etwas bockig und unpräzise. Bevor man die oftmals großen Distanzen zwischen den einzelnen Missionen in der offenen Spielwelt jedoch zu Fuß zurücklegt und auf die erhebliche Feuerkraft der einen oder anderen Gerätschaft verzichtet, nimmt man diesen Nachteil billigend in Kauf.

Bei der Fahrt bietet sich schließlich ausreichend Gelegenheit, die abwechslungsreich gestaltete Landschaft zu betrachten. Die an der Ostküste Russlands und nördlich von Japan gelegene Insel hat nicht nur Berge, Täler und Küstenstriche, sondern auch Strände, Dörfer und Industriekomplexe zu bieten. Auch auf einen riesigen, erloschenen Vulkan stoßen die US-Marines.

PC-Spieler haben nach Absolvierung der insgesamt elf Missionen die Gelegenheit, auf diesem Gelände mittels Missionseditor ihre eigenen Solo- und Multiplayer-Szenarien sowie komplette Kampagnen zu entwerfen. Konsoleros müssen auf dieses Feature leider verzichten. Ein kleines Trostpflaster ist für sie vielleicht der Online-Koop-Modus für bis zu vier Spieler, der dann auch gleich das Problem der störrischen Kameraden-KI lösen sollte.

Fazit: "Operation Flashpoint: Dragon Rising" ist eine knallharte Militärsimulation. Spieler, die ihre Waffe schon im Anschlag haben und sofort drauflosballern möchten, werden nicht weit kommen und das Spiel sehr bald frustriert zur Seite legen. Wer an taktischem und besonnenem Vorgehen Gefallen findet, ist bei dieser Simulation jedoch goldrichtig. Jede Menge Geduld erfordert allerdings die schlechte KI der eigenen Truppe. Auch bei der Präsentation hätte es etwas mehr sein dürfen. Nach dem opulenten Intro wartet man vergebens auf Zwischensequenzen, die die Geschichte weitererzählen. Alles in allem ist "Operation Flashpoint: Dragon Rising" eine gelungene, da akkurate Simulation, die aber noch einiges an Verbesserungspotential hat.

Plattform: Xbox360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Codemasters
krone.at-Wertung: 8/10

von Harald Kaplan

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