Di, 17. Juli 2018

Das große Interview

25.03.2018 06:00

Haben Sie falsch gespielt, Herr Lauda?

Es ist sein bisher größter Coup: Niki Lauda (69) holt die irische Ryanair an Bord seiner neu gegründeten „Laudamotion“ (Videobericht oben). Mit Conny Bischofberger spricht der dreifache Formel 1-Weltmeister und Airline-Gründer über den Vorwurf der Abzocke, die Rolle der österreichischen Politik und seinen Ruf.

Diese Woche hat Niki Lauda wieder einmal alle überrascht. Noch bevor seine „Laudamotion“ überhaupt fliegt, hat sie auch schon wieder einen neuen Partner. Die Kommentare reichen von „Megadeal“ bis „Chuzpe“. Ist das die „österreichische Lösung“, die sich unsere Regierung gewünscht hat? Fest steht nur, dass „Tricky Niki“ finanziell gut aussteigen dürfte.  Die „Krone“ erreichte ihn kurz vor seinem Abflug nach Australien, wo er wie immer für Mercedes beim Formel-1-Rennen dabei ist.

„Krone“: Ist „Tricky Niki“ ein Kompliment oder eine Beleidigung?
Niki Lauda: Mir komplett egal. Ich habe aus „Laudamotion“ eine starke, europäische Airline gemacht. Wenn das andere „tricky“ finden… Ich finde es harte Arbeit.

Die Regierung hat sich immer eine „österreichische Lösung“ gewünscht. Ist dieser Deal nicht das Gegenteil?
Ich verstehe diesen Vorwurf nicht. Was ist eine „österreichische Lösung“? Dass ich zwischen Linz und Wien hin- und herfliege? „Laudamotion“ ist sehr wohl eine österreichische Airline, weil ich sie ja leite, aber um sie richtig aufzustellen, muss sie in erster Linie eine europäische Airline sein. Für mich ist das ganz logisch, für manche Menschen aber scheinbar nicht.

Eine österreichische Lösung hätte sein können, dass Sie Mehrheitseigentümer bleiben, und nicht bei der erstbesten Gelegenheit sofort verkaufen.
Ryanair ist die beste Lösung, die es gibt, denn mehr Wettbewerb in Österreich und Deutschland kannst du nicht herstellen. Vorerst sind ja auch nur 24,9 Prozent nicht in meiner Hand. Deswegen freut es mich fast ein bisschen, wenn jetzt alle über mich herziehen. Weil der Neid, um es auf den Punkt zu bringen, ist ein Hund.

Haben Sie ein falsches Spiel gespielt? Oder anders gefragt: War von Anfang an ausgemacht, dass Sie mit Ryanair gemeinsame Sache machen würden?
Diesen ganzen Hellsehern, die das behaupten, kann ich folgendes erklären: Mein Konzept war, Niki zu kaufen. Dann habe ich mit Lufthansa gesprochen. Weil die haben ja Niki die ganzen Flugzeuge weggenommen. Um meine Slots zu bedienen, wollte ich Niki mithilfe von Lufthansa und Eurowings wieder auf einen Stand von 21 Flugzeugen bringen. Bekommen haben wir 11 Flugzeuge. Das sind 10 zu wenig. Also musste ich überlegen, wo ich die 11 Flugzeuge herkriege. Sonst wäre die „Laudamotion“ logischerweise nie hochgekommen.

Wussten Sie das bei der Pressekonferenz vorletzte Woche schon?
Ich habe an einer Lösung gearbeitet, aber ich hatte noch keine Lösung. Als Partner kamen Easyjet und Ryanair infrage. Wobei die Ryanair mit ihrer Größe von 430 Flugzeugen und über 130 Millionen Passagieren im Jahr natürlich sofort in der Lage war, mir die fehlenden Flugzeuge zur Verfügung zu stellen. Ryanair ist ja bekanntlich größer als die Lufthansa-Gruppe.

Wie muss man sich das vorstellen? Setzt man sich da in den Privatjet und fliegt schnell nach Dublin?
Ein CO von Ryanair, David O’Brian, hat meinen Anwalt angerufen, als ich zufällig in England war. Dann sind wir gemeinsam zu Michael O’Leary nach Dublin geflogen und haben das alles besprochen. O’Leary sagte, er wolle sich diversifizieren. Er fliegt ja nur Boeing, und ich fliege Airbus. Das hat ihm perfekt ins Konzept gepasst.

Sie geben jetzt Lufthansa die Schuld, dass Sie Ryanair reinholen mussten?
Sicher ist die Lufthansa Schuld, weil eben nur elf Flieger kamen. Die haben sich ausgerechnet, dass meine 40.000 Slots an den Slot-Koordinator zurückgehen, wenn ich nur elf Flieger habe. Dann wären die Slots neu verteilt worden. Vielleicht an Eurowings oder die Lufthansa. Aber da habe ich ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ist es der Coup Ihres Lebens?
Es war ein wahnsinnig schwieriger Prozess. Erstens beim irrsinnig komplizierten Bieterverfahren den Zuschlag zu bekommen. Die nächste Schwierigkeit war das Timing. Es musste ja alles wahnsinnig schnell gehen. Innerhalb von 20 Tagen den ersten Flug zu schaffen, darauf bin ich stolz. Ich muss sagen, dass ich vom Verkehrsministerium große Unterstützung hatte. Österreich ist in meinen Augen ein Vorzeigeland. Die haben unglaublich schnell und professionell gearbeitet.

Könnte bei den Genehmigungen vielleicht eine Rolle gespielt haben, dass Verkehrsminister Norbert Hofer einmal für die Lauda Air gearbeitet hat?
Ich habe Herrn Hofer erst zweimal in meinem Leben gesehen. Am Anfang, als er das Amt übernommen hat, habe ich ihn aufgesucht und ihm erklärt, was ich plane. Das habe ich auch dem Sebastian Kurz gesagt. Die Arbeit haben dann die Beamten gemacht, ganz eigenständig und normal. Die haben sich wirklich ins Zeug gelegt, dass die Genehmigungen in kurzer Zeit erteilt worden sind. Da geht es ja um den Standort Wien und um Arbeitsplätze.

Dabei haben Sie im Wahlkampf für Sebastian Kurz Werbung gemacht. Wollten Sie sich da die Unterstützung für Ihre Pläne sichern?
Ich habe von der Regierung überhaupt keine Unterstützung gehabt. Das ist doch absurd.

Aber Sie haben bei dem Deal Millionen verdient.
Das ist alles falsch. Die 50 Millionen, die Ryanair zahlt, bleiben ja in der Firma.

50 Millionen für 25 Prozent. Langfristig soll die Beteiligung aber auf 75 Prozent ausgebaut werden.
Für 24,9 Prozent, um genau zu sein! Weil unter 25 Prozent musst du niemanden fragen. Alles andere wird in Brüssel kartell- und wettbewerbsrechtlich geprüft. Das muss erst einmal genehmigt werden.

Stört es Sie, wenn behauptet wird, dem Lauda gehe es immer nur ums Geld?
Nein. Weil es nur die halbe Wahrheit ist. Ich sichere mit diesem Deal auch Arbeitsplätze in Österreich. Wachstum in Wien. Einen Anstieg der Flugzeuge. Und somit niedrigere Preise.

Wieviel werden die Flugbegleiter jetzt verdienen? Angeblich hätten sie für weniger als 1000 Euro brutto auch noch den Flieger putzen sollen.
Das sind alles Lügen, und ich werde sie nicht mehr länger akzeptieren. Da gibt es die Gewerkschaft vida, die gerade bei der AUA gestreikt hat, sodass 70 Flüge gestrichen werden mussten. Die schafft es offenbar nicht, Grundgehalt und diverse Zulagen zusammenzuzählen. Bei „Laudamotion“ verdienen Flugbegleiter um 50 Euro pro Monat weniger als der AUA, das sind zwischen 1470 und 1500 Euro brutto Anfangsgehalt. Das ist auch in Ordnung. Derzeit wird gerade ein Kollektivvertrag verhandelt.

Putzen exklusive?
Bei jeder Airline auf der Welt müssen die Flugbegleiter die Flieger innerhalb von 30 Minuten aufräumen, das ist ganz normal. Dass die das Klo putzen müssen, das sind alles Lügengschichterl. Bei mir musste nie jemand das Klo putzen.

Die AUA feiert Ende des Monats 60. Geburtstag. Sind Sie eingeladen?
Nein. Ich komme aber mit dem Management gut aus, keine Frage. Die wissen auch, dass „Laudamotion“ jetzt viel stärker und viel größer ist als ursprünglich angenommen. Und das war auch meine Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber. Nur wenn ich langfristig Geld verdiene und wachsen kann, bleiben wir konkurrenzfähig. Im Endeffekt profitiert der Passagier, er kriegt billigere Tickets und kann flexibler reisen.

Als „Niki Nationale“ haben Sie immer sensationelle Beliebtheitswerte gehabt. Glauben Sie, dass die nach diesem Deal fallen werden?
Noch einmal, ich lasse den Vorwurf eines falschen Spiels oder eines unzulässigen Deals nicht zu. Ich zocke nicht. Ich habe mein eigenes Geld riskiert, ich habe eine wirtschaftlich richtige Entscheidung getroffen, damit die „Laudamotion“ gesund in die Zukunft fliegen kann. Punkt.

Laudas Verkäufe sind legendär
Geboren am 22. Februar 1949 in Wien. Der dreifache Formel-1-Weltmeister hat drei Airlines gegründet und wiederverkauft. Die Lauda-Air nach 22 Jahren an die AUA, FlyNiki nach acht Jahren an Air Berlin. Am 23. Jänner erhielt er den Zuschlag zum Rückkauf der Fluglinie Niki, nach nur vier Wochen verkauft er sie jetzt an Ryanair. Zunächst steigt das irische Billigflugunternehmen mit 24,9 Prozent bei „Laudamotion“ ein. Abhängig von der Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter soll dieser Anteil so schnell wie möglich auf 75 Prozent ausgebaut werden. Kostenpunkt: 50 Millionen Euro. Niki Lauda wird persönlich den Vorstand der Fluggesellschaft leiten.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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