Vor gut zwei Wochen hatte noch alles harmonisch ausgesehen. Constantini saß am 12. September beim 2:1-Heimsieg von Mainz gegen Hertha im Stadion, sah einen starken Ivanschitz und führte mit dem Burgenländer danach ein Gespräch. "Da habe ich ihm erklärt, es gibt keine Garantie, dass er Kapitän ist und ein Fix-Leiberl hat, wenn er zurückkommt. Damals hat er gesagt, das ist für ihn okay", berichtete der Teamchef.
In einem Telefonat am vergangenen Sonntag war aber offenbar alles anders. "Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn hole, aber es ist schwierig, dass er von Anfang an spielt, weil die Mannschaft zuletzt gut gespielt hat. Er hat gemeint, dass er von Beginn an spielen will, weil er in einer besseren Liga als der österreichischen regelmäßig gute Leistungen bringt. Aber Stammplatz-Garantie gibt's bei mir keine, deshalb habe ich ihn nicht einberufen", so Constantini.
Constantini zu Ivanschitz: "Von Weltklasse reden wir nicht"
Für den 54-Jährigen ist diese Angelegenheit damit vorläufig abgeschlossen. "Das Thema Ivanschitz ist bis auf Weiteres erledigt. Ich kann Beichler oder Jantscher nicht aus der Mannschaft rausnehmen", sagte der Nationaltrainer und wies daraufhin, dass Ivanschitz ohnehin nicht wirklich in sein taktisches Konzept passe. "Ich kann nicht für einen Spieler eine Position suchen und das ganze Mannschaftsgefüge durcheinanderbringen." Ivanschitz sei ein guter Spieler, "aber von Weltklasse reden wir nicht".
Die derzeitige Nichtberücksichtigung des Ex-Kapitäns bedeutet laut Constantini allerdings nicht, dass er in seiner gesamten Zeit als Teamchef auf den Deutschland-Legionär verzichten wird. Zwar wird Ivanschitz auch im abschließenden Länderspiel des Jahres im November in Wien gegen Spanien nicht dabei sein, im kommenden Jahr könnten die Karten jedoch wieder neu gemischt werden. "Ich sage nicht, es ist endgültig vorbei, sonst hätten wir ja im Frühjahr nichts mehr zu diskutieren."
Ivanschitz: "Anscheinend zählen meine Leistungen nichts"
Der gescholtene Ivanschitz hat mit Unverständnis auf seine Nichtberücksichtigung durch Constantini reagiert - und auch auf die Aussagen, wonach der Mainz-Legionär einen Stammplatz gefordert habe. "Es ist sicher nicht aus meinem Mund gekommen, dass ich nicht dabei sein will, wenn ich nicht von Anfang an spiele", erklärte der Burgenländer. Er sei "enttäuscht", dass es mit der ersten ÖFB-Nominierung seit vergangenem Februar nichts geworden ist. "Anscheinend zählen meine Leistungen in der deutschen Bundesliga nichts", ärgert sich der Burgenländer.
"Mir wird der Schwarze Peter zugeschoben"
Er hätte in der Trainingswoche bis zum Litauen-Match alles unternommen, um sich für einen Einsatz von Beginn an zu qualifizieren. "Aber wenn das nicht gelungen wäre, hätte ich auch auf der Bank Platz genommen", betonte der 25-Jährige, bei dem die Aussagen von Constantini Unmut auslösten. "Mir den Schwarzen Peter zuzuschieben ist nicht in Ordnung. Aber anscheinend wollte er mich gar nicht einberufen, denn würde er auf mich bauen, hätte er mich einberufen, egal, ob ich von Beginn an spiele oder nicht."
Selbst wenn Ivanschitz derzeit auf den Teamchef nicht sonderlich gut zu sprechen ist - eine Team-Rückkehr unter Constantini ist für den Linksfuß nicht ausgeschlossen. "Für dieses Jahr ist das Thema jetzt einmal abgehakt, schauen wir einmal, wie es im nächsten Jahr weitergeht."
Garics verzichtet freiwillig
Der zweite prominente Abwesende im ÖFB-Team wurde nach den Angaben von Constantini auf eigenen Wunsch nicht einberufen. "Garics will lieber in Italien bei seinem Verein Atalanta bleiben. Er hat einen neuen Trainer und Angst, dass er nicht spielt. Das ist für mich okay." Seit dem Amtsantritt von Antonio Conte spielte der Rechtsverteidiger aber in beiden Partien durch, dafür saß er bei Constantini fast immer auf der Bank.
Durch die mangelnde Fitness von Emanuel Pogatetz, der auch im November nicht dabei sein wird, sowie von Marko Arnautovic oder Martin Stranzl stehen derzeit nur fünf Legionäre (Paul Scharner, Christian Fuchs, Stefan Maierhofer, Erwin Hoffer, Ekrem Dag) im Kader. "Wir haben in Österreich auch sehr gute Burschen, die es verdienen, dabei zu sein."
Dag und Prager mit dabei
Besiktas-Kicker Dag bekam vom Teamchef die Chance, "weil er seit Meisterschaftsbeginn immer gespielt hat. Jetzt schauen wir ihn uns einmal in diesen zehn Tagen an". Gleiches gilt für Prager, der wohl als Nutznießer des Ivanschitz-Verzichts ins Aufgebot rutschte. Hoffer wurde trotz seines Reservistendaseins in Neapel nominiert.
Scharner weiterhin Kapitän
Als Kapitän fungiert wieder Scharner - allerdings als Innenverteidiger und nicht wie zuletzt in Wigan als offensiver zentraler Mittelfeldspieler. "Paul spielt in England hinter den Spitzen, bei uns wird er gegen die Spitzen spielen", kündigte Constantini an. Im letzten WM-Quali-Doppel lautet die Vorgabe, Rang drei in Gruppe 7 einzufahren - dies könnte bereits mit einem Sieg in Innsbruck gegen Litauen gelingen.
Jungstar David Alaba vor Rekord
Im Frankreich-Match vier Tage später könnte dann ein historisches Ereignis bevorstehen: David Alaba, im A-Team vorläufig auf Abruf nominiert, tritt am 10. Oktober mit dem U21-Team in der EM-Quali in Aserbaidschan an. Sollten er und Veli Kavlak in dieser Partie gute Leistungen zeigen, werden sie laut Conantini mit nach Paris genommen, wo Alaba möglicherweise zum jüngsten ÖFB-Teamspieler aller Zeiten avanciert. Am 14. Oktober ist der Bayern-Legionär 17 Jahre, drei Monate und 20 Tage alt. Der aktuelle Rekordhalter Hans Buzek gab mit 17 Jahren, fünf Monaten und acht Tagen sein Debüt.
Der Team-Kader
Tor: Christian Gratzei (Sturm Graz/0 Länderspiele), Helge Payer (Rapid/18/21 Gegentore), Andreas Schranz (Austria Kärnten/6/4)
Abwehr: Ekrem Dag (Besiktas Istanbul/0), Aleksandar Dragovic (Austria Wien/4/0 Tore), Christian Fuchs (VfL Bochum/27/0), Manuel Ortlechner (Austria Wien/5/0), Jürgen Patocka (Rapid/3/0), Paul Scharner (Wigan Athletic/26/0), Franz Schiemer (Salzburg/10/1), Andreas Ulmer (Salzburg/1/0)
Mittelfeld: Julian Baumgartlinger (Austria Wien/1/0), Daniel Beichler (Sturm Graz/3/0), Christopher Drazan (Rapid/0), Andreas Hölzl (Sturm Graz/8/2), Jakob Jantscher (Sturm Graz/4/0), Yasin Pehlivan (Rapid/5/0), Thomas Prager (LASK/13/1)
Angriff: Erwin Hoffer (SSC Napoli/14/2), Marc Janko (Salzburg/11/5), Stefan Maierhofer (Wolverhampton/8/1), Roman Wallner (LASK/25/5)
Auf Abruf: David Alaba (Bayern München Amateure/0), Veli Kavlak (Rapid/4/0), Florian Klein (Austria Wien/0), Markus Suttner (Austria Wien/0)
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