36 Jahre musste Fisichella alt werden, um dort zu landen, wo er immer landen wollte. "Das ist wie ein Traum, der für mich in Erfüllung geht", erklärte der Routinier. "Ich habe nie einen WM-Titel gewonnen, aber ich bin stolz auf das, was ich in 14 Jahren in der Formel 1 erreicht habe." 1996 hatte Fisichella für Minardi in der Königsklasse debütiert, seine erfolgreichste Zeit erlebte er von 2005 bis 2007 bei Renault, als er an der Seite von Fernando Alonso unter anderem zwei Konstrukteurs-WM-Titel holte.
Zuletzt hatte sich Fisichella zwei Jahre bei Force India abmühen müssen, ehe er dem Nachzüglerteam vor zehn Tagen in Belgien sensationell die erste Pole Position und mit Platz zwei im Rennen auch die ersten WM-Punkte bescherte. "Dass mich Ferrari ausgewählt hat, beweist, dass ich etwas kann", meinte Fisichella. Hohe Erwartungen werden in den Italiener gesetzt, der seinen überforderten Landsmann Luca Badoer auch in der kommenden Saison als Ferrari-Ersatzfahrer ablösen wird.
Der große Traum vom Sieg in Monza
Laut einer Umfrage der "Gazzetta dello Sport" glauben 11,3 Prozent der Leser sogar, dass Fisichella bereits in Monza um den Sieg mitfahren kann. "Ein Sieg in Monza wäre das Größte in meinem Leben", gestand der sonst so zurückhaltende Italiener. "Das will ich mir aber gar nicht anmaßen. Ich behalte die Füße am Boden. Ziel ist es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um das Team in der Konstrukteurs-WM auf Platz drei zu halten."
Im Gegensatz zu Badoer, der in zwei Rennen als Ersatzmann für den verletzten Felipe Massa zweimal Letzter geworden war, trauen die Italiener das Fisichella auch zu. 49 Prozent glaubten in der "Gazzetta" daran, dass der Römer im Ferrari auf Anhieb um Punkte fahren kann. 23 Prozent trauen ihm sogar einen Platz auf dem Podest zu, hatte doch sein Teamkollege Kimi Räikkönen mit seinem ersten Saisonsieg in Spa zuletzt die Konkurrenzfähigkeit der Scuderia unter Beweis gestellt. Lediglich 8,7 Prozent rechnen mit einem Platz außerhalb der Punkte, weitere acht mit einem Ausfall.
Triumphe in Brasilien, Australien und Malaysia
Fisichella glaubt an seine Chance - auch, weil der Vollgas-Kurs in Monza nicht ungünstig sei, um sich an den F60 zu gewöhnen. "Ich bin sehr oft hier gefahren", erinnerte Fisichella, der 2005 als Dritter auf dem Podest gestanden war. Seine drei Rennsiege hatte der zweifache Vater 2003 in Brasilien sowie 2005 in Australien und 2006 in Malaysia jeweils für Renault gefeiert.
Dass er mit 36 Jahren doch noch in einen Ferrari steigen darf, bedurfte aber gleich mehrerer schicksalshafter Fügungen. Nach Massas schwerem Unfall Ende Juli in Ungarn hätte eigentlich Rekordweltmeister Michael Schumacher als Ersatzmann fungieren sollen, der Ferrari-Berater musste aber wegen Nackenproblemen absagen. Die eiserne Reserve Badoer erwies sich daraufhin als Flop. "Ferrari wird nicht gerne Letzter, das ist klar", erklärte Teamchef Stefano Domenicali, der viel von Fisichella hält.
Rückendeckung vom großen Meister
Besonders wichtig ist dem neuen Ferrari-Mann die Unterstützung seiner Kollegen. Schumacher habe sich für seine Verpflichtung ausgesprochen, von Räikkönen habe er dagegen noch nichts gehört. Mit Massa habe er telefoniert. "Er hat mir gratuliert und gemeint, ich sei der richtige Mann", erklärte Fisichella. "Wenn er zurück will, kann er aber gerne zurück. Es ist sein Auto, das ist klar."
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