"Mit dem Elfmeter hatten wir die Möglichkeit auf einen positiven Beginn, aber Paul hat zu locker geschossen, was er nachher auch zugegeben hat. Für mich ist das unverständlich und nicht zu akzeptieren", schimpfte Constantini, für den der missglückten Schupfer zum Kopfschütteln war. "Als er hingegangen ist, habe ich gedacht, er wird mit aller Gewalt schießen. Aber er kann nicht Panenka spielen, wenn er nicht Panenka ist", sagte der Tiroler in Anspielung an den legendären Elfer des tschechischen Ex-Rapid-Legionärs Antonin Panenka im EM-Finale 1976 gegen Deutschland.
Vernebelter Elfer als Wendepunkt
Nach der Szene in der 13. Minute fiel laut Constantini die Leistung der Mannschaft im Allgemeinen und des Kapitäns im Besonderen deutlich ab. "Scharner hat nach dem vergebenen Elfer nicht mehr ins Spiel gefunden. Das ist ihm zuzugestehen, außerdem waren wir auch nach den Auswechslungen nicht gut." Im kommenden WM-Quali-Match am 5. September in Graz gegen die Färöer ist Scharner gesperrt - ob er vier Tage später in Bukarest gegen Rumänien die Schleife tragen wird, ließ Constantini offen.
Der Teamchef musste aber auch zugeben, vor dem Spiel keinen Elferschützen festgelegt zu haben. "Das ist etwas, was sich im Spiel selbst regelt. Aber es kann sein, dass ich vor dem nächsten Match einen Schützen bestimme." Scharner rechtfertigte sein Antreten zum Strafstoß mit seiner Rolle als Führungsspieler, was Constantini nur bedingt nachvollziehen konnte. "Die jungen Spieler brauchen keinen, der sie führt. Dragovic zum Beispiel war gegen Kamerun einer unserer Stärksten."
Scharner: "Das geht auf meine Kappe"
Scharner selbst zeigte sich selbstkritisch. "Ich habe als Führungsspieler Verantwortung übernommen, aber der Elfer war schlecht geschossen. Das geht auf meine Kappe." Seine Auswechslung noch vor der Pause wollte der Legionär, der wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel erst kurz vor dem Match grünes Licht für einen Einsatz bekommen hatte, nicht kommentieren. "Der Teamchef hat entschieden, dass er mich austauscht. Von meiner Verletzung her hat es eigentlich gut funktioniert."
Durch die Auswechslung von Scharner durfte Jürgen Macho für einige Minuten die Kapitänsschleife tragen - ein schwacher Trost für den vereinslosen Goalie, der an beiden Gegentoren schuldlos war und keine Gelegenheit hatte, zu glänzen und sich für einen neuen Klub zu empfehlen. "Es war super für mich, wieder auf den Rasen zu kommen. Schade, dass es nicht so geklappt hat", meinte der Wiener.
Nach Machos Auswechslung fungierte Marc Janko in der zweiten Hälfte als ÖFB-Kapitän. Der Salzburg-Goalgetter, zuletzt bei Constantini nicht immer gut angeschrieben, wollte dieser Ehre aber keine allzu große Bedeutung beimessen. "Das war Zufall, ich war nach einigen Wechseln plötzlich der älteste Mann auf dem Platz", schmunzelte der 26-Jährige.
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