Mi, 15. August 2018

'Kärnten verstehen'

28.02.2009 13:06

Ein Buch gewährt Einblick in die Kärntner Seele

Am Wahlsonntag schaut ganz Österreich nach Kärnten. Wer landet nach dem Tod von Jörg Haider auf Platz eins? Der Kärntner Journalist Alexander Sattmann liefert mit „Kärnten verstehen“ das passende Nachschlagewerk mit allen Hintergründen und Schmankerln. Frei nach dem Motto: Kärnten tickt anders, Kärnten wählt anders.

Jörg Haider hat Kärnten und dessen Erscheinungsbild geprägt wie kein anderer. Als Landeshauptmann war er Feindbild und Idol. Jetzt legt sich sein Mythos wie ein Nebelschleier übers Land.

"A Landle, lei a klans"
Kärnten, "a Landle, lei a klans" - und doch widersprüchlich und rätselhaft. „Kärnten verstehen“ soll Kärnten begreifbar machen. Unser Land, wo oberflächliche Event-Kultur und tiefsitzende Traditionen gedeihen.

In einer - nach Haiders Tod - komplett überarbeiteten Auflage bietet „Kärnten verstehen“ eine informative wie unterhaltsame Expedition durch tiefe Empfindungen, menschliche Abgründe, blutige Konflikte und landschaftliche Schönheiten.

Textauszüge aus "Kärnten verstehen":

Als guter Kärntner hält man sein Heimatland auf Distanz, heißt es. So hat es zumindest die weltläufige Ingeborg Bachmann vorgemacht und unzählige Künstler, alle Früchte auf Kärntner Humus, sind nach ihr von zu Hause ausgerissen, um ihr Glück in Paris, Retz oder Zürich zu machen. (...)

Und doch: Kärnten holt die Ausgerissenen immer wieder ein. Denn ein Stück Kärnten haftet an jedem von ihnen. Und sei es als offene Wunde. „Ich kann die Versuche der Annäherung nicht lassen, schließlich bin ich in diesem Land geboren und aufgewachsen. Es ist auch mein Land“, schreibt der Dramatiker Peter Turrini.

Alexander Sattmann über Kärntner Charme

Es gibt so manchen weiblichen Sommergast, der vom Einfühlungsvermögen der Kärntner zu schwelgen weiß. (...)

Beneidenswerterweise besitzen viele Kärntner die Fähigkeit, ohne eine Anfrage gestellt zu haben, sofort ein Ja zur Antwort zu bekommen. Dieser „Kärntner Charme“ ist legendär. Die Art und Weise, wie Damen im Süden der Republik mit Komplimenten übergossen werden, ist eine Investition, die wenig Kapital erfordert, aber meist hohe Zinsen abwirft. „A Kärntnerin konn net na sogn“, heißt es. Aber vielleicht sollte es heißen: „An Kärntner konn ma anfoch net na sogn.“

Alexander Sattmann über Jörg Haider und Leopold Wagner

Innerhalb von zwei Wochen sterben die beiden bedeutendsten Kärntner Politiker der letzten Jahrzehnte. (...) Beide waren Populisten, Machtpolitiker mit ausgeprägtem Ego und Gestaltungswillen. Beide versuchten Kärnten zu modernisieren und zeigten soziales Gespür. Beide hatten keine Berührungsängste mit dem rechten Rand.

„Wir werden ihn in unseren Herzen bewahren. Sein Wirken wird für die Zukunft Kärntens weiter Bestand haben", sagt der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Grab von Leopold Wagner. „Er hat niemanden kalt gelassen“, formuliert Gusenbauer bei den Trauerfeierlichkeiten für Jörg Haider am Neuen Platz in Klagenfurt.

Das Grab von Leopold Wagner bleibt fast unbemerkt. Verwelkte Blumen. Vier Kerzen.

An Jörg Haiders Unfallstelle sind die Lichter auch Monate nach dem Unglück kaum zu zählen. Wie viele Kerzen seit 11. Oktober 2008 gebrannt haben kann nicht einmal Reinhold Meßner von der Straßenmeisterei Rosental in Ferlach sagen. 70 Müllsäcke mit ausgebrannten Lichtern haben seine Mitarbeiter allein in den ersten zwei Wochen nach dem Unfall aus Lambichl abtransportiert.

Alexander Sattmann über den Tourismus in Kärnten

Tausende Menschen nahmen jedes Jahr die beschwerliche, Hunderte Kilometer lange Reise über die Berge in Angriff, um endlich Ruhe zu finden. An einem wunderschönen Ort, an dem sie spätestens am zweiten Tag überraschend ihren Nachbarn begegneten.

Die Kärntner mussten sich erst daran gewöhnen, dass die Einwohnerzahl im Juli und August deutlich steigt. Mit den Gästen kamen zwar Wohlstand und eine Form von Modernität, aber das Land wurde auch überrannt, manche sagen überfahren. Der aus Deutschland einströmende Tourismus war willkommen, aber selten elegant und immer fremd. Der Einheimische bestaunte den Gast wie einen Menschen aus einer anderen Welt: „Ka Spur von unsan Kantna Gmiert und keinen Funken Gspier. A unsra wird der nia.“

"Kärnten verstehen" ist im Leykam Buchverlag erschienen. Der Autor, Dr. Alexander Sattmann, lebt als Journalist in Wien und Kärnten.

Das Buch kannst du in der Infobox online bestellen!

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